| Mit einer neuen Garderobe im Gepäck begeben wir uns an den Internationalen Flughafen von Kuala Lumpur. Der freundliche Schaltermensch besorgt uns einen kuscheligen Platz in der Babyreihe mit Beinfreiheit und ein paar Stunden später sitzen wir im vollbesetzten Ferienbomber mit Ziel Amsterdam. Der Flug ist unspektakulär, ebenso das Essen und die Filme, welche nur mit Genickverdrehung auf dem alten Röhrenfernseher im Gang betrachtet werden können. Ist wohl der älteste Vogel den sie bei KLM gefunden haben. Morgens um fünf landen wir pünktlich in Amsterdam Schipol und fliegen noch pünktlicher weiter nach Hamburg, wo wir am 4. Mai 2005 um halb neun Uhr morgens landen. Vor 699 Tagen haben wir Hamburg per Schiff verlassen und da stehen wir nun wieder. Der Kreis ist geschlossen. Die Welt umrundet. Ein etwas eigenartiges Gefühl stellt sich ein. Die unerklärlicherweise extrem gestressten Menschen hasten an uns vorbei, drängeln sich vor uns in den Flughafenbus und doch treffen wir alle gleichzeitig am Hamburger Hauptbahnhof ein. Vor lauter Gehetze verkauft uns niemand Fahrkarten und so ist unsere erste Fahrt in Europa kostenlos. Von Hamburg geht's per ICE weiter nach Hannover. Ingo und Julia, welche wir in Argentinien kennen gelernt haben, lassen uns bei sich wohnen, bis Osito ankommt. Als wir sie das letzte Mal gesehen haben, war Julia im fünften Monat schwanger. Jetzt haben die beiden eine zehn Monate alte Tochter Namens Luna. Die Kleine ist ein richtiger Wonneproppen und wir verbringen ein paar schöne Tage bei der frischgebackenen Familie. Derweil treffen auch Armin und Anne, Moniques Eltern, in Hannover ein. Sie wollten erstens nicht auf uns warten, bringen uns zweitens die Original Nummernschilder von Osito sowie die Wohnungsschlüssel mit und drittens findet gerade die LIGNA - eine riesige Holzmesse - statt. Drei Gründe nach Hannover zu kommen und das Wochenende zu verbringen. Wir holen die beiden am Bahnhof ab, verkehrte Welt. Die Wiedersehensfreude ist riesig, Familie Weber ist wieder vereint! Das Schiff ist pünktlich am Wochenende eingetroffen. Wir können wie erhofft am Montag, dem 9. Mai, den Container mit Osito in Empfang nehmen. Nach der Anmeldung dauert es eine Weile, bis jemand den Stapler bewegt, um den Container auf Bodenhöhe zu hieven. Anfassen dürfen wir aber noch nichts. Das muss eine qualifizierte Fachkraft machen. Der Supermann ist aber zu dick, um die Verzurrung vorne zu lösen, weshalb ich doch noch behilflich sein muss. Nach ein paar Minuten ist alles gelöst und ich kann mich davon überzeugen, dass Osito nach über sechs Wochen auf See gleich beim ersten Mal anspringt. Perfekt, alles bestens. Raus aus dem Container, Nummernschilder angebracht, weg von hier. Zwei Stunden später stehen wir wieder in Hannover und beladen zum letzten Mal auf dieser Reise unseren beigen Freund mit unserem Gepäck und geniessen noch einmal die Gastfreundschaft von Ingo und Julia. Von hier an tuckern wir gemütlich gen Süden, wobei wir so einige Zwischenstopps bei unseren verschiedenen deutschen Reisefreunden aus Südamerika einlegen. Wir besuchen Ute und Oliver (weisser Toyota) in Nürnberg, fahren zu Bärbel und Bernd Jacobi (weisser Land Rover) in Holzhammer bei Nürnberg, weiter zu Ute und Götz (beiger Unimog) bei Heidelberg, wo wir auch auf Claudia und Stephan treffen, und zu Vera und Jochen (weisser Toyota) in der Pfalz. Wir wurden überall mit offenen Armen empfangen und hatten weder leere Gläser noch knurrende Mägen. Die Tage vergehen im Flug und sind geprägt von Wiedersehensfreude, Herzlichkeit und Freundschaft. So ist das Heimkommen gleich viel einfacher. Am 17. Mai 2005 wollen wir die Schweizer Grenze passieren. Dann sind seit unserem Abschiedsfest genau zwei Jahre vergangen. Bei Strassburg nehmen wir die Route Nationale Richtung Basel. In meinem Bauch macht sich ein mulmiges Gefühl breit. Zur Ablenkung mache ich etwas Musik an. Ich entscheide mich für Mana, die mexikanische Rockband, welche überall in Südamerika gespielt wird. So, jetzt ist alles perfekt. Monique schaut mich verwundert an und schon schiessen uns beiden die Tränen in die Augen. Jetzt ist der Moment gekommen. Es ist vorbei. Wir sind raus! Die Reise endet heute. Ein Gefühlsgemisch von Freude, Erwartung, Wehmut und Endzeitstimmung stellt sich ein. Es hält glücklicherweise nicht sehr lange an und wir werden vor der Grenze ganz kribbelig. Wir haben uns den kleinen Grenzübergang Biel-Benken bei Basel als Tor in die Schweiz ausgesucht. Interessanterweise ist der Übergang nicht bewacht. Da wir einen Zollstempel im Carnet de Passage brauchen, müssen wir zum nahe liegenden Grenzposten bei Allschwil fahren, wo dies prompt erledigt wird, ohne dass der Grenzer unser Auto überhaupt anschaut. Willkommen in der Schweiz. Das ging aber schnell! Eine Stunde später, abends um 19 Uhr, sind wir in Bern. Wir schleichen uns von hinten an. Keiner weiss genau wann und wo wir ankommen. So, wie wir uns im Moment fühlen, würden wir eine Begrüssungsparty nicht verkraften, weshalb wir niemandem gesagt haben, wann wir genau nach Hause kommen. Unsere Wohnung war die letzten zwei Jahre untervermietet und steht nun seit einem Tag wieder leer. Guten Morgen. Wieder in Bern, Tag eins. Ein Tag voller Behördengänge steht vor uns. Wir brauchen eine Anwohnerkarte für unser Auto, sonst dürfen wir nicht parkieren. Die Karte gibt's nur wenn man auf der Gemeinde angemeldet ist. Telefonanschluss haben wir keinen. Das Telefon ist kaputt. Die SIM-Karten unserer Mobiltelefone sind verfallen. Eigentlich existieren wir gar nicht. Nun denn, alles kein Problem, wir sind ja in der Schweiz. Innerhalb von sechs Stunden sind wir bei der Gemeinde angemeldet, kriegen eine Parkkarte, erhalten kostenlose Mobiltelefone, kaufen ein neues Funktelefon und der Festnetzanschluss wird aufgeschaltet. Wahnsinn, in Südamerika hätten wir dafür sechs Wochen gebraucht! Tag Zwei gehört meiner Mama. Sie hat heute Geburtstag. Als Geschenk kriegt sie einen Sohn zurück. Der Papa wartet auch schon sehnsüchtig, Oma ist da und mein Bruderherz ebenfalls. Nach zwei Jahren kann auch ich endlich wieder meine Familie in die Arme schliessen. Und dann natürlich "futtern bei Muttern"! Was folgt danach? Nun, viel mehr als Wiedersehen feiern haben wir die folgenden zwei Monate eigentlich nicht gemacht. Reisefreunde wollen besucht werden, Familienfeste werden gefeiert, Einladungen purzeln nur so herein, die Pfunde wachsen fast von alleine, wir sind ständig unterwegs. Es war schon lange klar, dass wir in den ersten Wochen nach der Heimkehr nicht arbeiten wollen. Das ist auch gut so, denn wir wissen gar nicht, wann wir das auch noch hätten machen sollen. Noch immer haben wir nicht alle Leute gesehen, welche wir gerne Wiedersehen würden. Aber es hat sich langsam normalisiert. Das Heimkommen war viel schöner als wir gedacht haben. Arbeit haben wir nun auch wieder. Monique gehört seit Mitte Juli wieder zu den Erwerbstätigen, ich darf ab Anfang August ran. Viel haben wir darüber gegrübelt, was wir an unserem Alltag verändern möchten, herausgefunden haben wir wenig. Etwas muss ändern, aber was? Wirklich zündende Ideen hatten wir keine. Ein Gedanke hat sich aber doch immer wieder aufgedrängt: Mehr Zeit zum Leben. Wir arbeiten jetzt beide nur noch achtzig statt hundert Prozent. Ein Tag mehr frei pro Woche. Das ist doch ein ganzes Stück mehr Lebensqualität. Langsam gewöhnen wir uns wieder an den Alltag daheim, wobei die Reise in unseren Herzen wohl noch lange weitergeht. So manches Mal schütteln wir unsere Köpfe und wundern uns über die Menschen hier. Haben wir uns so verändert? Der Blick für das Wesentliche im Leben scheint geschärft und wir hoffen, dass wir uns die neu erworbenen Wertvorstellungen noch lange erhalten können. Aber das ist eine andere Geschichte. Ja, diese Reise ist zu Ende und was bleibt sind unzählige neue Eindrücke, hunderte schöne und spannende Momente, dutzende von neu gewonnenen Freundschaften und zwei Menschen, die viel zusammen erlebt haben. Die Reise geht weiter! |
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