30. März - 30. April 2005: Südostasien, oder das Essen ist fertig...

(Sascha)
Vor ein paar Wochen sind wir in einer Buchhandlung über folgenden Reiseführer gestolpert: "World Food, Malaysia & Singapore, for people who live to eat, drink and travel." Da hätte auch drauf stehen können "...for Monique and Sascha." Wurde extra für uns geschrieben! Die Reiseplanung für Malaysia und Singapur haben wir also hauptsächlich anhand dieses Buches gemacht.

Kuala Lumpur, von den Einheimischen kurz "KL" genannt, ist unser Start und Ziel für die fünf Wochen, welche uns vor dem Rückflug nach Europa bleiben. Einmal gelandet und durch Passkontrolle und Gepäckausgabe ist man mit dem Expresszug in knapp 30 Minuten in der Innenstadt. Unser Hotel ist im lebhaften Stadtteil Chinatown und liegt wirklich mittendrin. Gleich vor der Haustür ist eine Marktstrasse, wo jeden Tag aufs Neue Hunderte von Ständen aufgestellt werden. Gefälschte Artikel wie Armbanduhren, DVDs, CDs, Schuhe, Handtaschen, T-Shirts, eigentlich einfach alles, was man kopieren und verkaufen kann, sind hier hauptsächlich im Angebot.
In den Seitenstrassen stehen Marktstände, wo Fisch, Fleisch und Gemüse verkauft wird. Dazwischen findet man überall Garküchen und Getränkebuden, welche allerlei Leckereien anbieten. Dass wir in Chinatown sind, sehen wir anhand des Menuplans. Nudeln und Reis in mannigfaltiger Variation. Frittiertes, gebratenes, gekochtes und gedämpftes von allerlei Gemüse und Getier. Alles was das Herz begehrt! Wer nicht probiert, verliert. Schnell finden wir die leckeren Sachen, im Zweifelsfall verhilft der Reiseführer oder ein Lächeln verbunden mit "What is this?" zu Klarheit. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl.

Gleich nebenan stehen indische Imbissbuden und Restaurants. Ich bin schon lange ein Fan der indischen Küche, aber jetzt verwandelt sich das in eine Sucht. Monique kann sich auch dafür begeistern und so schlemmen wir uns durch die Köstlichkeiten. Die scharf gewürzten Currykombinationen lösen regelrechte Geschmacksexplosionen im Mund aus.
Das reichhaltige Angebot und die Mixtur verschiedener Speisen kommen nicht von ungefähr. Malaysia vereint viele verschiedene Kulturen, wobei die drei Hauptgruppen Malaien, Chinesen und Inder sind. So ist auch das Strassenbild: Viele verschiedene Gesichter, Kulturen und Sprachen leben hier im Einklang miteinander. Muslimische, Buddhistische und Hinduistische Tempel verteilen sich über das Stadtgebiet, wobei der Islam Staatsreligion ist. Viele Frauen tragen Kopftücher, wobei deren restliche Kleidung, vor allem bei den jüngeren, eher westlich orientiert ist. Die Menschen sind fröhlich und warmherzig, offen und hilfsbereit. Wir fühlen uns hier richtig wohl und willkommen.

Als eine der Hauptattraktionen von KL, darf man wohl die Petronas Towers bezeichnen. Die 451.9m in die Höhe ragenden Zwillingstürme verdienen die Bezeichnung Wolkenkratzer wirklich und dominieren gemeinsam mit dem KL Tower, dem 421m hohen Fernsehturm, die Skyline der Stadt. Bei den Petronas Towers dürfen Touristen wie wir "nur" die auf 146m liegende Skybridge besuchen, welche die beiden Türme auf dem 41. Stockwerk verbindet. Wer höher hinauf will, muss hier anscheinend geschäftlich zu tun haben. Wir begehen die Skybridge zwischen den Petronas Towers am Morgen und besuchen später den fast so hohen KL Tower, wo uns der Lift auf eine Höhe von 276m bringt und wir eine herrliche Aussicht über die Stadt, inklusive den Petronas Towers, geniessen.

Die Masjid Negara ist eine der grössten Moscheen von Südostasien. Zu bestimmten Tageszeiten dürfen auch Ungläubige Teile der Moschee besichtigen. Wir haben Glück und sind zur rechten Zeit da. Frauen müssen sich Übergewand und Kopftuch anziehen, damit sie das Gelände betreten dürfen. Schuhe sind verboten. Die Moschee ist erstaunlich schlicht und zeugt davon, dass im Islam das Gebet wichtiger ist, als der ganze Pomp, den viele andere Religionen zur Schau stellen. Die Hindu Tempel, mit ihren unzähligen farbigen Figuren von Göttern sind das pure Gegenteil. Auch bei den Buddhisten geht es bunter zu und her. Von den Katholiken wollen wir gar nicht erst sprechen, ich kann nach Südamerika sowieso keine Kirchen mehr sehen.
Ansonsten ist KL für uns das grösste Restaurant der Welt. Jeden Tag finden wir neue Köstlichkeiten, und kommen gar nicht dazu, zwei Mal das gleiche Gericht zu essen. Dazwischen vertreiben wir uns die Zeit mit virtuellem Shopping, nur schauen, nichts kaufen.

Nach einer Woche Kuala Lumpur fahren wir im bequemen, klimatisierten Bus weiter nach Melaka, einer Kolonialstadt, wo die portugiesischen und holländischen Einflüsse noch heute deutlich zu sehen sind. Das "Stadthuys", oder Stadthaus, ist immer noch auf Holländisch angeschrieben. Die Stadt ist schön anzuschauen und bietet dazu so manche kulinarische Leckerbissen, wie zum Beispiel die köstlichen Sambal Shrimps und das ungewöhnliche Cendol bei Harper's. Das malerische Chinatown zeugt auch heute noch vom einstigen Pioniergeist der chinesischen Einwanderer, welche sich hier niedergelassen haben.

Die nächste Destination ist Singapur. Essenstechnisch gesehen noch eine Ecke interessanter als KL, aber leider deutlich teurer. Wir logieren hier im Stadtteil Little India, ein schöner Kontrast zum Aufenthalt in Chinatown von KL. Hier sind wir gleich an der Quelle zu den indischen Küchen. Unser neues Lieblingsgetränk Tee Tarek gibt's hier an jeder Ecke - gewürzter Tee wird mit viel süsser Kondensmilch gemischt und dann mittels zweier Tassen hin- und hergeschüttet, bis der Tee Trinktemperatur hat, herrlich!

Gleich um die Ecke befindet sich der Sim Lim Square, ein Shoppingzentrum, welches auf Unterhaltungselektronik, Computer und Zubehör spezialisiert ist. Jeder Elektronikfetischist kriegt hier sofort zittrige Hände! Ich muss mich sehr zusammennehmen, um nicht wild mit meiner Kreditkarte herumzufuchteln. Preisauskünfte sind aber mit Vorsicht zu geniessen, mit ein bisschen Geschick, kann man die Ware zum Teil noch kräftig herunterhandeln. Obwohl die Angebote oft 20-30% unter den Europäischen Preisen liegen, kann mit Handeln bis zu 50% herausgeschlagen werden. Da wir aber nicht im Lotto gewonnen haben, ziehen wir mit fast leeren Händen von dannen. Moniques Laptop wird mit einem neuen DVD-Laufwerk bestückt, welches vor ein paar Wochen den Geist aufgegeben hat.
Der Orchideengarten zeigt neben der Nationalblume Singapurs unzählig andere Varianten dieser prachtvollen Blumengattung. Hier werden nebst bekannten Arten aus aller Welt auch eigene erschaffen und gezüchtet. Wenn eine Berühmtheit in Singapur zu Besuch ist, kann es durchaus vorkommen, dass eine neue Züchtung zu Ehren des Gastes auf dessen Namen getauft wird. Nebst VIPs aus Politik und Adel wie zum Beispiel Kofi Annan, Nelson Mandela und Lady Di, finden sich auch Orchideen welche zu Ehren von Pop Prominenz wie Ricky Martin getauft wurden, was uns zwischendurch zum Schmunzeln bringt. Die Blumenpracht ist atemberaubend und dieser Garten ist äussert gut gepflegt!

Ein Besuch im Nachtzoo von Singapur steht ebenfalls auf unserem Plan. Dies ist eine einmalige Gelegenheit, nachtaktive Tiere einmal nicht nur beim Schlafen zu bewundern. Der Nachtzoo grenzt an den berühmten Singapurer Zoo, ist ein eigens zu diesem Zweck angelegtes Gelände und ist, wie der Name sagt, nur nachts geöffnet. Eine Tramfahrt durch das in gedämpftes Licht getauchte Areal macht bei uns den Anfang. Viele der Gehege sind nur mit gut getarnten Gräben eingefasst, weshalb man oft das Gefühl hat durch offenes Gelände zu fahren. Die anschliessende Show im Amphitheater ist witzig und kurzweilig. Am besten haben uns die kleinen Flussotter gefallen, welche PET-Flaschen und Aludosen recyceln können. Zum Abschluss machen wir den grossen Spaziergang, wo wir die Tiere in aller Ruhe beobachten und einige Lockrufe ausprobieren können. Die Krokodile lassen sich durch meinen australischen Krokoruf nicht beeindrucken, aber das riesige Rhinozeros wird richtig aktiv, als ich meine Elefantennummer zum Besten gebe! Wenn da nicht der Graben dazwischen gewesen wäre, so hätte mich das Vieh wohl als Jagdtrophäe an den nächsten Baum genagelt. Nachtzoo macht Spass!

Little India erwacht Sonntagabends erst richtig zum Leben. Die Strassen füllen sich mit tausenden von indischen Männern, viele davon Gastarbeiter, welche herumschlendern, miteinander tratschen, sich in grossen Gruppen sammeln und vielleicht auf einen freien Platz im Biergarten warten. Dazwischen versuchen sich Autos und Rikschas hupend und klingelnd einen Weg zu bahnen. Die Frauen sind bei den Marktständen zu finden, wo heute eine besonders grosse Auswahl an Früchten und Gemüse herrscht.

Chinatown will uns hingegen nicht so recht begeistern. Hier sind die Haupttouristenströme anzufinden und das Viertel ist darauf getrimmt. Nach einer kurzen Runde durch die Strassen, verlassen wir es wieder.

Die Innenstadt ist eine Mischung aus historischen Gebäuden, monströsen Shoppingkomplexen und Wolkenkratzern. Immer wieder fällt uns auf, wie sauber Singapur ist und wie alles so reibungslos und geordnet funktioniert. Ein kurzer Blick auf eins der zahlreichen Verbotsschilder und die Bussgeldpreise darunter genügt. Bei diesen Preisen muss man sich ja brav verhalten, nichts desto trotz wundern wir uns darüber, dass wir so wenig Polizei sehen. Wo die sich wohl verstecken?
Ohne die "Singapore Chili Crab" gekostet zu haben will ich die Stadt nicht verlassen. Beim Lau Pa Sat Market werde ich fündig. Es sieht eigenartig aus, macht eine riesen Sauerei und schmeckt fantastisch! Monique will davon lieber nichts abhaben und deckt sich stattdessen mit leckeren Satay Spiesschen vom Grill ein, auch gut.
Nachdem wir nun fast alle Spezialitäten, mit Ausnahme des Fischkopfcurrys (war uns doch zu gewagt), durchprobiert und genug Sehenswürdigkeiten besucht haben beschliessen wir, Singapur zu verlassen und uns nun dem ruhigeren Teil des Malaysiatrips zuzuwenden.

Eine kurze Busreise und eine noch kürzere Bootsfahrt später gehen wir auf der Insel Tioman an Land. Wasser- und Lufttemperatur betragen dreissig Grad und laden uns zum süssen Nichtstun ein. Am zweiten Tag stellen wir fest, dass nicht nur Touristen den Strand toll finden. Nein, die ekligen kleinen Sandfliegen wohnen da auch und mögen Menschen ganz besonders gern. Ich werde grösstenteils verschont, aber Monique zählt allein am rechten Bein zweiundachtzig Stiche! Somit beschränken wir die Strandbesuche aufs Baden und ein paar Joggingrunden. Dabei fällt uns auf, dass die meisten Leute jeweils nur an ihrem ersten Tag am Strand zu sehen sind. Warum wohl? Das Paradies haben wir hier also doch noch nicht gefunden. Wir bleiben trotzdem ein paar Tage, denn wir sind langsam des Reisens müde, unser Bungalow ist sehr gemütlich, das Essen schmeckt und die Bücher sind spannend.

Nach sechs Tagen verlassen wir Tioman und nehmen den Nachtbus nach Kuala Besut, um von da am nächsten Morgen mit dem Schnellboot auf die Perhentian Islands überzusetzen. Wir entscheiden uns für die grössere Insel, da dort weniger Trubel zu erwarten ist. Ich klappere alle Unterkünfte ab und finde schlussendlich unser kleines Paradies. Mama's Place bietet uns ein Bungalow direkt am Strand, welches für die nächsten zehn Tage unser zu Hause wird. Auch hier sind Wasser- und Lufttemperatur dreissig Grad, aber es hat keine Sandfliegen! Die Tage plätschern gleichförmig und ruhig dahin. Zwischendurch arbeiten wir an unserer Website, machen den einen oder anderen Tauchgang oder suchen und finden Haie beim Schnorcheln. Wir lesen uns durch unsere Buchbestände, joggen und schwimmen gelegentlich und essen uns durchs Angebot der hiesigen Lokale. Was will man mehr?

Als wir die Rückkreise nach KL organisieren, sind wir erstaunt, wie unglaublich billig das Reisen manchmal sein kann. Hier ein paar Zahlen: Per Internet buche ich einen Flug von Kota Bahru nach KL, welcher für zwei Personen inklusive aller Taxen achtundneunzig Malaiische Ringgit kostet, das sind sind circa dreiunddreissig Franken oder einundzwanzig Euro für einen Flug von einer Stunde (ca. 600km)! Die Kurzstrecken sind zusammen natürlich teurer als der Flug, aber immer noch sehr billig. Von Tioman nach Kota Bahru kostet es sechzig Ringgit für die Fähre (ca. 25km) und dreissig fürs Taxi (ca. 60km). Zum Flughafen in Kota Bahru wieder zehn Ringgit für ein Taxi(ca. 10km) und vom Flughafen KL in die Innenstadt nochmal siebzig Ringgit für den Zug (ca. 70km). Alle Preise verstehen sich jeweils für zwei Personen. Alles zusammen kostet also zweihundertachtundsechzig Ringgit, rund neunzig Franken oder 60 Euro! Eine Zugfahrt für zwei Personen von Bern nach Zürich kostet mehr!

Im Handumdrehen sind wir also wieder zurück in KL und wundern uns, wo die Zeit geblieben ist. Die letzten Tage brechen an, die Reise geht zu Ende. Wir gönnen uns zum Abschluss nun doch noch eine kleine Shoppingtour durch KL, wenn auch das Budget etwas begrenzt ist. In den alten Fetzen können wir ja wohl nicht nach Hause fliegen...

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