7.-29. März 2005: Letzte Tage in Australien

(Sascha)
Ueli ist wirklich ein toller Gastgeber! Er fragt kurz, ob wir hier oder da schon mal waren und sobald wir verneinen, sitzen wir zu dritt in seinem "Flitzer" und düsen davon. Den Sonntag nach der "Mardi Gras" Parade verbringen wir mit Sightseeing am Darling Harbour, Mittagessen in Chinatown und einem Stadtspaziergang.
Für die nächsten Tage muss Ueli geschäftlich weg und er überlässt uns netterweise so lange seine Wohnung. Monique und ich können derweil ein bisschen "wohnen" üben.
Nachdem wir unsere Website aktualisiert, den Posteingang unseres E-Mail Programms abgearbeitet und Sydney vom "Pylon Lookout" der "Harbour Bridge" aus bestaunt haben, gibt es wieder einmal etwas zu feiern: Monique hat Geburtstag!
Leider hat sich meine Herzallerliebste eine starke Erkältung eingefangen, Schnief, Schnupf und Hatschi begleiten uns den ganzen Tag. Im Powerhouse Museum besuchen wir die "Lord of the Rings" Ausstellung, wo Devotionalien und Memorabilia in Form von Zeichnungen, Filmrequisiten und Originalkostümen aus den gleichnamigen drei Filmen zu bestaunen sind. Kurze Videos erklären die einzelnen Ausstellungsstücke. So manch eingefleischter Fan würde wohl seinen rechten Arm hergeben, um so ein Ausstellungsstück zu kriegen.

Vor dem Museum treffen wir uns mit Moni und Roli, welche auf der Durchreise nach Brisbane sind und einen Zwischenstopp in Sydney machen. Auch sie haben etwas zu feiern – sie haben einen Käufer für Ihr Auto gefunden. Nach einem anständigen Aperitif gehen wir gemeinsam speisen und geniessen einen schönen Abend beim Italiener in "The Rocks". Happy Birthday!
Frei nach dem Motto "je mehr, desto besser" lädt Ueli Moni und Roli ebenfalls zu sich nach Hause ein, womit die Schweizer wieder einmal vereint sind. Auch das muss gefeiert werden. Wir kochen einen mexikanischen Festschmaus und Ueli bringt noch ein paar Freunde dazu. Der Abend wird feucht fröhlich!
Es wird Zeit von Moni und Roli Abschied zu nehmen. Hier trennen sich unsere Wege. Während wir uns bald auf den Heimweg machen, fliegen unsere zwei Freunde bald weiter nach Neuseeland und Kanada, wo neue Abenteuer auf sie warten. Geniesst es und habt Spass, bis bald!

Gemeinsam mit Ueli fahren wir zum Abschluss noch ein bisschen ins Grüne. Da Ueli auch stolzer Besitzer eines Toyota Land Cruisers ist, führt er uns über ein paar nette 4x4 Strecken durch die "Blue Mountains" und ein idyllisches Tal nach Newnes. Ein herrlicher Platz, wunderbar warmes Wetter und keine störenden Insekten. Ich mache Feuer, spanne die Hängematte und schon kurze Zeit später brutzeln frische Shrimps auf dem Grill. Ein schönes Stück Rinderfilet mit gebackenen Kartoffeln bildet den Hauptgang und mundet ungemein! Gemütlich sitzen wir noch stundenlang um das Feuer herum, beobachten einen Wombat beim grasen und erfreuen uns an diesem herrlichen Abend.
Am nächsten Morgen besuchen wir die Ruinen von Newnes. Hier wurde Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts Öl aus Sandstein gewonnen, bevor das Geschäft unrentabel wurde. Heute erinnern nur noch langsam verfallende Bauten aus Backstein an diese Pionierzeit. Über eine schmale Schotterstrasse, fahren wir Richtung Hauptstrasse zurück, welche nach Sydney führt. Erinnerungen an Bolivien werden beim Anblick der Strecke wach und wir kriegen ein letztes Mal das Offroad-Fieber zu spüren!
Zum Abschied lädt uns Ueli nach Manly zum Essen ein und wir geniessen seine grosszügige Gastfreundschaft einmal mehr. Der Abschied am nächsten Morgen fällt schwer, aber wir freuen uns schon darauf Ueli wieder zu sehen, da er seine Zelte hier Australien abbricht und bald wieder in die Schweiz zurückkehren wird. Lieber Ueli, vielen Dank nochmals für alles, unsere Tür steht Dir immer offen!
Mit etwas Wehmut im Herzen lassen wir Sydney hinter uns und verbringen die letzte australische Campingnacht in unserem Auto, das nächste Mal sind wir in Europa, wenn Osito über unsere Träume wacht. Es wird uns bewusst, dass unsere Zeit in Australien zu Ende geht. Diese Erkenntnis müssen wir im lokalen RSL (Kriegsveteranenclub) mit ein paar Bieren herunterspülen.

Zurück in Lilydale, Melbourne, statten wir Sue und Ron, alte Freunde von Moniques Eltern und vor über dreissig Jahren aus England eingewandert, einen kleinen Besuch ab. Wir hören die eine oder andere Immigrantengeschichte, erhalten einen Einblick in die Kunst des Uhrenreparierens, kriegen erklärt, warum Rover die besten Autos der Welt baut, machen eine Rundfahrt durch die Dandenong Ranges und ich finde bei Ron eine nie versiegende Quelle von Guinness Bier. Cheers!
Nächster Stopp: Webers, Upwey. Bei Angelika und Beat bereiten wir Osito für die lange Reise nach Hamburg vor und packen unsere Rucksäcke für die nächsten Wochen als Backpacker. Danach besuchen wir Arno und Sian, unsere Motorradfreunde, welche wir in Bolivien kennen gelernt haben und nun in Melbourne leben. Gemeinsam mit Sian's Bruder Alaric bewohnen sie ein Haus in der Nähe des Stadtzentrums, wo wir für ein paar Tage zu Gast sein dürfen.
Arno ist gelernter Konditormeister und möchte sich gemeinsam mit seiner Freundin Sian in Australien eine neue Existenz aufbauen. Momentan ist er gerade dabei eine Pralinenfabrik einzurichten, wo er als "Chef Chocolatier" für eine Konditorei (Koko's Black) arbeitet. Wir kriegen eine Privatführung durch die Fabrik.
Für unsere Gastgeber kochen wir auf vielseitigen Wunsch von Arno ein "Zürigschnetzeltes" mit Rösti, was mit Begeisterung verzehrt wird. Wie jeden Abend werden nach dem Essen Unmengen von Schokoladeresten aus der Fabrik, Vanilleeis und Schokoladenstreusel im 5-Kilo Eimer aufgetischt. Wir werden dazu "genötigt" kräftig zuzulangen, bis uns schlecht ist. Wir haben noch nie Menschen gesehen, die so viel Schokolade essen können wie unsere Gastgeber und dabei nicht mal zunehmen!

Am Dienstag den 22. März haben wir um 09:00 Uhr einen Termin beim Hafendepot, wo unser treuer Osito in einen Container verpackt wird. Wir sind pünktlich zur Stelle, die Packer sind auch da, aber ein Zollbeamter, welcher unsere Papiere abstempeln sollte, fehlt. Ein kurzer Anruf bei unserem Agenten bestätigt, dass er vergessen hat, dies zu organisieren. Zuerst heisst es "Morgen wiederkommen", aber der Agent schafft es doch noch, einen Zöllner für 14:00 Uhr aufzubieten. Mit etwas Verspätung trifft dieser ein und eine Minute später ist der Papierkram erledigt, das Carnet de Passage ist abgestempelt. Das Bepacken ist im Gegensatz zu Chile hier kein Problem. Da Osito mit dem Reserveradhalter auf dem Dachträger genau zwei Zentimeter höher ist als die Containereinfahrt, müssen wir etwas Luft aus den Reifen lassen. Schon ist das Auto drin. Die Packer haben nagelneue Seilzüge zur Hand und verzurren alles im Handumdrehen. Ein paar Bretter zur Sicherung der Räder hingenagelt und nach nur dreissig Minuten ist der Container bepackt, verschlossen und versiegelt. Wir rufen ein Taxi, um zum nächsten Bahnhof zu fahren, doch dauert es länger als das Bepacken des Containers, nämlich ganze 45 Minuten, bis sich die gelbe Kiste endlich blicken lässt...
"Adieu Osito, gute Reise, wir sehen dich in Hamburg wieder!"

Die letzten Sightseeingtouren führen uns ins Immigration Museum, über den Federation Square und hinauf ins Observation Deck, von wo wir einen letzten Blick über Melbourne werfen können.
Schon wieder heisst es Abschied nehmen. Arno meint mit einem verschmitzen Lächeln "Ihr kommt wieder...", was wir ihm nicht glaubhaft widerlegen können. Wir werden sehen was die Heimat bringt. Tausend Dank für eure Gastfreundschaft und viel Erfolg mit euren Zukunftsplänen!

Zurück in Upwey, verbringen wir die letzten Tage in Australien bei Moniques Verwandtschaft. Wie es sich für richtige Schweizer und Freunde von heidnischen Bräuchen gehört, färben wir, genauer gesagt Monique, brav Ostereier, damit wir alle am Ostersonntag dutzendweise Eier "tütschen" und verspeisen können. Das endet natürlich damit, dass uns die Dinger nachher fast zu den Ohren herauskommen.
Am Montag, einen Tag vor unserem Abflug melden sich unsere Freunde Naica und Peter bei uns und die beiden beschliessen spontan vorbeizukommen. Sie waren eigentlich schon auf dem Weg nach Westen in Ballarat und fahren nun extra drei Stunden zurück nach Upwey. Unsere Freude ist natürlich riesengross und wie das endet ist ja wohl klar. Ich sage nur soviel: Bier und Vodka haben den Abend eindeutig dominiert. Das war eine Abschiedsfeier, wie es sich gehört! Peter wird noch seinen Enkelkindern davon erzählen können und wir danken Hanspeter für seine unerschöpflichen Weissbier- und Vodkavorräte!

Dienstag, der 29. März 2005. Vor exakt zweiundzwanzig Monaten sind wir in Bern gestartet, auf den Tag vor zehn Monaten sind wir in Australien gelandet und heute Nacht verlassen wir diesen Kontinent wieder, die Zahl 29 verfolgt uns. Jetzt heisst es eigentlich nur noch Abschied nehmen. Naica und Peter, welche noch grosse Pläne haben, verabschieden sich nach einer grossen Kanne Kaffee und wir versprechen uns wiederzusehen. Viel Glück euch beiden!
Beim letzten gemeinsamen Abendessen im Familienkreis mit Angelika, Beat und Marcus gibt's als Dessert auf Wunsch von Beat für alle "Vermicelles" aus unserem Vorrat! Er hat sogar extra eine Teigpresse umgebaut, damit wir richtige "Würmli" machen können.
Wir verabschieden uns und Beat fährt uns zum Flughafen und dort angekommen heisst es zum letzten Mal "Adieu", vielen Dank, liebe Webers, für Eure Gastfreundschaft und alles Gute!
Pünktlich um 00:15 Uhr startet die Boeing 777 der Malaysian Airlines und wir verlassen Australien nach zehn Monaten voller Erlebnisse. Wir freuen uns auf die Wochen in Malaysia und Singapur, aber auch auf die Schweiz, welche uns schon bald wieder haben wird.

Goodbye Australia, es war schön und wir sind raus...

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