24. Februar - 6. März 2005: Sydney, die zweite...

(Sascha)
Zurück auf dem Festland, der letzte Abschnitt unserer Australienreise beginnt. Wir wollen noch einmal eine letzte Runde nach Sydney und zurück fahren, bevor wir diesen Kontinent verlassen.

Der Küste nach fahren wir in den Wilsons Promontory NP, machen dort ein paar schöne Spaziergänge und sehen Wombats beim nächtlichen Grasen. Weiter über eine wunderbare Schotterpiste hinauf in die Snowy Mountains und den Kosciusko NP. Der Mt. Kosciusko ist mit 2229 m.ü.M. der höchste Berg Australiens und im Winter kann man hier in der Gegend wunderbar Ski fahren. Die vielen Skilifte und die wild in den Wald geschlagenen Schneisen zeugen von einem relativ guten Wintersportangebot. Ausser ein paar kleinen weissen Tupfern, liegt im Moment aber kein Schnee. Wir machen eine grosse Schleife durch den Nationalpark, was leider etwas langweilig ist, denn es sind ca. zweihundert Kilometer kurvige Bergstrassen, wovon links und rechts der Strasse Bäume stehen. Es sieht also immer gleich aus und wir brauchen Stunden. Wieder so ein Moment, wo ein Cabrio mehr Spass machen würde.

Irgendwann erreichen wir dann doch Canberra, die offizielle Hauptstadt Australiens. Canberra ist eine Retortenstadt, welche eigens als Regierungs- und Botschaftssitz geschaffen wurde. Dazu gibt es einen eigenen Staat, das Australian Capital Territory, welcher nicht viel grösser als das Stadtgebiet ist. Canberra als schöne Stadt zu bezeichnen wäre den anderen australischen Städten gegenüber nicht fair. Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass hier bei der Planung einige Sachen falsch gelaufen sind. Das öffentliche Verkehrsnetz besteht anscheinend nur aus Bussen, welche nicht sehr oft fahren. Die Stadtteile sind ringförmig angelegt und deshalb ist alles sehr unübersichtlich und kompliziert. Auf Fussgängerstreifen und Gehsteige wurde oft verzichtet, da hier nicht viele zu Fuss unterwegs sind. Eigentlich wurde hauptsächlich darauf geachtet, dass die Achse Parlamentsgebäude – Kriegsdenkmal eine schöne gerade Linie bildet, der Rest scheint unwichtig.

Das neue Parlamentsgebäude wurde in den Achtziger Jahren für über eine Milliarde australische Dollar gebaut und das sieht man. Wenn es ein Jahrzehnt gab, in dem schlechter Geschmack Programm war, so waren das die Achtziger! Farben und Materialauswahl sind eher ungeschickt uns so sieht alles ein bisschen aus, als würden gleich Menschen in mintgrünen Hemden mit Schulterpolstern und übertriebenen Föhnfrisuren zu Songs von Simple Minds und Aha tanzend um die Ecke kommen. Also wirklich, das hätte nicht sein müssen. War das alte Parlament noch so richtig „british“, wollte wohl jemand etwas neues, typisch australisches schaffen, war aber dabei wohl etwas zu enthusiastisch. Am Interessantesten ist die Zeltbotschaft der Aboriginies, welche ein bisschen wie damals Zaffaraia in Bern aussieht und aus Protest vor dem alten Parlamentgebäude errichtet wurde.

Nun denn, dann fahren wir doch einfach nach Sydney. Unser Freund Ueli erwartet uns schon bei sich zu Hause und macht am Wochenende auch gleich den Reiseführer. Super!
Samstag früh fahren wir zum grössten Markt in Sydney, welcher nur am Samstag für die Öffentlichkeit zugänglich ist. In riesigen Hallen werden hier Blumen, Früchte und Gemüse feilgeboten. Daneben, in einer Garage ist ein wunderbarer Ramschmarkt, genau so wie in Südamerika. Herrlich.

Am Abend soll die alljährlich stattfindende „Sydney Gay & Lesbian Mardi Gras Parade“ steigen. Da gehen wir hin, das wollen wir sehen! Schon lange vor Beginn der Parade stehen die Leute sich am Strassenrand die Füsse platt. Damit man noch was sehen kann, bräuchte man einen Stuhl oder sonst etwas, was clevere Geschäftsleute begriffen haben. Überall werden Plastikstühle für zehn Dollar verkauft und nach der Parade wieder eingesammelt, so geht das! Wir finden noch eine Stelle wo Ueli und ich etwas sehen können - hinter eher kleingewachsenen Asiaten - und Monique kriegt einen Stuhl, alle sind zufrieden. Die Parade startet mit leicht bekleideten Lesben auf Motorrädern. Das Publikum kreischt! Langsam zieht ein Wagen nach dem anderen die Strasse herauf. Tanzende hübsche Boys mit Waschbrettbäuchen in Stringtangas, gefolgt von Arm in Arm laufenden gepiercten bärtigen „Teddybären“ in Lederkluft mit Waschbärbäuchen. Transvestiten in Stöckelschuhen und Hot Pants schicken Küsse durch die Luft. Die Parade dauert fast zwei Stunden und immer wieder wird um Liebe, Verständnis, Akzeptanz und Toleranz geworben. Es ist alles wunderbar friedlich. Alle haben Spass! Das Ganze zu beschreiben hat keinen grossen Sinn, schaut Euch lieber die Fotos im Fotoalbum an, die sagen mehr als tausend Worte!

fotoalben