13. Dezember 2004 - 12. Januar 2005: Australische Weihnachten

(Sascha)
Wir sind wieder in Perth, wo wir, da es uns so gut gefällt, nochmals ein paar Tage bleiben wollen. Naica und Peter, welche wir in Broome kennen gelernt haben, treffen am Montag in Perth ein worüber wir uns freuen. Die Weihnachtspost wird erledigt, stundenlanges plaudern, shopping, Open Air Kino im Botanischen Garten. Am Mittwoch ist unser Freund Ueli aus Sydney geschäftlich in der Stadt. Wir holen ihn am Flughafen ab und gehen gemeinsam mit seinem Arbeitskollegen Jimmy Essen.
Ebenfalls für Mittwoch haben sich Doris und Marcel, unsere österreichischen Reisefreunde, welche wir das letzte Mal an Ostern in Mendoza, Argentinien, sahen, angekündigt. Die zwei sind uns schon seit Monaten auf den Fersen und so ist die Wiedersehensfreude riesig, als wir nach dem Eindunkeln wieder auf dem Campingplatz eintrudeln.
So sind wir nun zu sechst, Doris und Marcel, Naica und Peter, sowie Monique und meine Wenigkeit. Weitere feuchtfröhliche Plauderrunden später beschliessen wir, gemeinsam Weihnachten zu verbringen. Monique und ich bieten uns an, in Albany ein nettes Plätzchen zu finden und so verabreden wir uns nach einem Gang zum deutschen Metzger und einer Geschlechtergetrennten Shoppingtour, alle wieder zu Weihnachten in Albany.

Ositos fahren also schon mal vor, während die anderen sich derweil den Südwesten anschauen wollen. Wir nehmen eine andere Route als mit Moniques Eltern, um noch die eine oder andere Sehenswürdigkeit zu besichtigen, und sind drei Tage später wieder in Albany. Ziel ist, einen möglichst schönen Platz für Weihnachten zu finden, was, da ja die Hochsaison anfängt, nicht ganz einfach scheint. Mit dem schönen Camping bei der Walfangstation im Hinterkopf, klappern wir einen Campingplatz nach dem anderen ab und stellen fest, dass irgendwie keiner wirklich passt. Unterwegs fällt mir eine Zahnfüllung heraus, was so kurz vor Weihnachten doch eher ungeschickt ist. Eine äusserst hilfsbereite Campingplatzbesitzerin vermittelt mir aber sofort einen Zahnarzt und eine Stunde später habe ich bereits eine neue Füllung drin. Erstaunlich, denn sonst dauert das immer ewig, bis man zum Zahnarzt kann. Wir suchen weiter nach einem geeigneten Platz und landen schlussendlich wieder auf dem Camping in der Frenchman Bay, in der Nähe der Walfangstation. Die Besitzerin ist sehr eigenartig, weshalb wir zuerst nicht hierher wollten, aber die Aussicht ist einfach so toll, dass es uns inzwischen egal ist. Wieder haben wir das Gefühl, in Ushuaia zu sein. Doris und Marcel, die ja letzte Weihnachten gemeinsam mit uns in Ushuaia waren, empfinden genauso, als sie am folgenden Tag hier eintreffen. Nun fehlen noch Naica und Peter, welche aber auch nicht lange auf sich warten lassen.

Wie verabredet sind wir am 23. Dezember 2004 alle beisammen. Über das gemeinsame Weihnachtsmenu werden wir uns schnell einig und sind bereit für den grossen Weihnachtseinkauf. Erstaunlicherweise schaffen wir es zu sechst gleichzeitig einzukaufen, finden alle benötigten Zutaten und stellen am Schluss fest, dass nicht das Geringste fehlt. Wunderbar, alles ist bereit. Bei bestem Wetter und kühlen Temperaturen kochen und geniessen wir feinste Speisen, trinken dazu Glühwein und feiern Weihnachten auf unsere ganz besondere Art. Wir gönnen uns so manche Leckerei, erzählen und schwärmen von Erlebtem und freuen uns darüber, die Feiertage auf ungezwungene Art mit lieben Freunden an einem tollen Ort zu verbringen. Ich bin sonst eher ein Weihnachtsmuffel, doch hier trage sogar ich eine rote Zipfelmütze!

Leider müssen wir am 26. Dezember unsere Plätze schon wieder räumen und so verabschieden wir uns von Naica und Peter, welche zu einer weiteren Runde durch den Südwesten aufbrechen. Doris und Marcel wollen wie wir durch den Nullarbor Richtung Osten, weshalb wir beschliessen, ein Stück zusammen zu fahren. Nach einem Abstecher in die schönen Stirling Ranges, geht's nach Esperance. Auf dem Weg übernachten wir in Ravensthorpe auf dem einzigen Campingplatz, wo nicht nur die Toilettenanlage, sondern auch die Campingplatzbesitzerin lustig angemalt ist. Uns scheint, dass irgendjemand in der Familie wohl der Tätowierkunst angetan ist, schaut die gute Frau doch aus, als würde sie öfters als Versuchsobjekt benutzt werden.

Die Küstenlandschaft um Esperance herum ist wunderschön. Schneeweisse Sandstrände, türkisblaues Meer, dekorative Felsformationen und immer wieder Sanddünen.
Esperance ist die letzte grössere Ortschaft vor der Nullarborebene, welche sich entlang der Südküste West- und Südaustraliens erstreckt. Der Name Nullarbor ist aus dem lateinischen "nullus arbor", keine Bäume, abgeleitet. Die Nullarborebene macht ihrem Namen alle Ehre, es hat wirklich keine Bäume. Dazu kommt noch, dass es hier auch nicht gerade sehr kurvig ist. Der längste völlig gerade Schienenabschnitt der Welt mit 478km Länge verläuft hier. Auch die Strasse bietet uns unter anderem einmal 146.6 km absoluter Geradeausfahrt. Extrem spannend. Ich brauch so manche Tasse Kaffee, um meine Konzentration aufrecht zu erhalten. Es geht eigentlich immer geradeaus, geradeaus, geradeaus, eine ganz leichte Kurve und dann wieder geradeaus, geradeaus, geradeaus...
Als wir nach über 900 Kilometern vor der Grenze von West- nach Südaustralien in Eucla ankommen, neigt sich das Jahr dem Ende zu. Zwischen zwei Zeitzonen, MEZ +7:45h, feiern wir gemeinsam mit Doris und Marcel, bei Sekt und Lachs, Sylvester. Plopp! Happy New Year! Wir nehmen uns vor, uns nichts vorzunehmen.

500 Kilometer und ein paar Aussichtspunkte über die Kliffs der Südküste später, erreichen wir Ceduna und haben die Nullarborebene offiziell hinter uns gelassen. Es folgen riesige Kornfelder links und rechts der Strasse, zwischendurch immer wieder ein kleines Dorf, wobei jedes den exakt gleichen Kornspeicher besitzt und auch sonst immer irgendwie gleich aussieht. Einzig für Kimba könnnen wir uns erwärmen, denn das hiesige Pub ist richtig lieb und das Essen gut und günstig. Am vierten Tag des neuen Jahres sind wir in Port Augusta, Ziel unserer "Nullarbor Erfahrung".
In den sechs Tagen haben wir nun also den Nullarbor von Esperance über den Eyre Highway nach Port Augusta durchquert, wobei wir schnell mal knapp 2000 Kilometer zurückgelegt und dabei etwa 250 Liter Diesel verpufft haben, wobei unsere Durchschnittsgeschwindigkeit bei etwa 85km/h lag. In Port Augusta verabschieden wir uns am nächsten Tag vorübergehend von Doris und Marcel, werden uns aber spätestens am 1. Februar in Melbourne wieder sehen, da wir dann mit der gleichen Fähre nach Tasmanien übersetzen werden.

Wir starten unseren Osito uns setzen Kurs auf den Flinders Ranges NP, wo wir am späteren Nachmittag eintreffen. Wir machen einen langen Spaziergang in den Wilpena Pound, ein natürliches Fels-Amphitheater von 17x7km Durchmesser. Der Spaziergang führt uns in den Talkessel hinein und gibt uns einen wundervollen Ausblick auf den Bergkamm, welchen wir am nächsten Tag besteigen wollen. Am nächsten Morgen, kurz nach Sonnenaufgang machen wir uns auf den Weg zum Mt. Ohlssen Bagge. Steil geht es den Berg hinauf und nach knapp zwei Stunden stehen wir oben, wo wir einen atemberaubenden Blick auf den Wilpena Pound werfen können. Wirklich, wie ein riesiges Oval erheben sich die Felsen hier mitten in der Ebene, wobei die Innenseite dicht und grün bewachsen ist. Auf dem Weg hinunter sehen wir viele Echsen, welche sich in den noch relativ kühlen Morgenstunden auf den Steinen in der Sonne aufwärmen. Den Rest des Tages besuchen wir die verschiedenen Sehenswürdigkeiten im Park, bevor wir am Abend in Hawker müde ins Bett fallen.

Auf mit Weizenfeldern und Rebstöcken gesäumten Strassen fahren wir durch das malerische Clare Valley weiter nach Burra einer alten Minenstadt. Dort stellen wir fest, dass der Bügel des Spezialschlosses, welcher als Diebstahlsicherung am Schalthebel dient, verschwunden ist. Nach einigem hin- und herüberlegen befinden wir, dass der Bügel wohl in Hawker versehentlich im Müll gelandet sein muss (Monique hängt immer einen Müllsack neben den Schalthebel...). Monique ruft trotz meiner Skepsis auf dem Campingplatz in Hawker an und fragt nach. Die nette Dame meint, dass der Müll nur sonntags geleert wird, so muss der Bügel also noch da sein, worauf die gute Dame den besagten Container bei unserem Platz durchsucht und den Bügel tatsächlich auch findet. Das einzige Problem ist nun, dass wir schon wieder 300 km weit weg sind. "No worries", sie fahre demnächst nach Adelaide und könne uns den Bügel bringen, wenn wir dort sind. Was für ein Glück!
Nach einer morgendlichen Runde auf dem Tourist Drive von Burra, wo man die Überreste der alten Mine sehen kann, geht es weiter in die "Riverlands" am Murray River. Die Gegend ist sehr hübsch anzusehen, doch jetzt im Sommer wirkt leider alles etwas ausgetrocknet. Zu unserer Freude gibt es in Barmera ein Drive-In-Kino, das wollten wir schon immer mal ausprobieren! Für ein bescheidenes Eintrittsgeld gibt es heute Abend gleich zwei Filme im Doppelpack zu sehen. Da unser Osito aber etwas Überhöhe hat, müssen wir in die hinterste Reihe, da wir sonst den anderen die Sicht versperren würden. Dort sind wir aber dem Projektor im Weg und müssen nochmals umparkieren. Den Ton kann man über das Autoradio auf 95.5 MHz empfangen, nur noch kurz die Scheibe ein bisschen putzen, Popcorn holen und los geht das Vergnügen. Das macht Spass!
Wir besuchen den Murray River NP, fahren nach Renmark und verlassen dann "Riverlands" wieder Richtung Barossa Valley, wo etwa ein Drittel der gesamten Weinproduktion von Australien ansässig ist. In der Bethany Weinkellerei decken wir uns mit weissem Port ein und erkunden das Tal auf dem obligaten Tourist Drive. Bald darauf erreichen wir Adelaide, wo wir ein Paar Tage bleiben wollen. Das Webupdate steht an, unsere Rückflüge müssen gebucht und die Stadt muss erkundet werden!

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