23. Oktober - 10. November 2004: Aufholjagd

(Sascha)
Nach unserem Diebstahlmarathon wollen wir Versäumtes nachholen und machen die Runde retour zum interessanten Teil der Gibb River Road (GRR). Wir haben beschlossen, die GRR nur zum Teil zu befahren, da einerseits in der jetzigen Jahreszeit alles ausgetrocknet ist - keine Wasserfälle – und andererseits ein grosser Teil davon ausser Wellblechpiste nicht viel bietet.
Vorbei an sehr fotogenen Baobabbäumen (Flaschenbäume) geht's zurück nach Fitzroy Crossing und der danebenliegenden Geikie Gorge, eine kleine feine Schlucht. Hoch zum Tunnel Creek, wo man durch eine von Fledermäusen und Flughunden bewohnte Höhle waten kann. Kurz vor der Abzweigung auf die GRR übernachten wir bei der Windjana Gorge, einer weiteren schönen Schlucht. Highlight hier sind die für uns ungefährlichen kleineren Süsswasserkrokodile, welche besonders jetzt in der fortgeschrittenen Trockenzeit zahlreich in den wenigen Wasserlöchern liegen. Am Abend werden wir Zeugen eines besonderen Spektakels. Als die Dämmerung einbricht, machen sich Schwärme von Flughunden auf Futtersuche. Auf dem Weg aus der Schlucht heraus überfliegen sie die Wasserlöcher und nippen dort im Flug etwas Wasser. Die Krokodile wissen das natürlich und versuchen sich ein Abendessen zu fangen. Immer wieder springt ein Kroko aus dem Wasser in die Höhe und versucht einen Flughund vom Himmel zu pflücken, was dem einen oder anderen auch gelingt. "Ä guete!"
Am nächsten Morgen gehen wir die Krokodile nochmals besuchen. Die Tiere sind aber eher scheu und flüchten sofort ins Wasser, wenn wir uns nur nähern. Da teste ich sogleich wieder mal meinen neuen Krokodillockruf. "Schmatz, schmatz" und siehe da, eines reagiert sofort und zischt förmlich durch das Wasser auf mich zu, schmeisst sich an den Strand und bleibt dann wie gelähmt liegen. Wir können uns ungeniert nähern und fotografieren. Ich bin ab sofort professioneller Krokodillocker! Das Endstück der Gibb River Road bis Derby ist schnell "erledigt" und nach ein paar weiteren Baobabs und rund tausend Kilometern sind wir nach zwei Tagen wieder zurück in Broome.

Broome, Runde zwei. Broome ist zwar klein und man kann keine Fotoapparate kaufen, aber sonst hat es was für sich. Wir bleiben noch ein paar Tage in der Gegend. Hier gibt's auch Kino, auch mit Klappstühlen unter freiem Himmel. Und wo's Kino gibt, da bleiben wir! Die Manari Road führt nördlich aus der Stadt an die Küste, wo wir bei Willie Creek eine Perlenfarm besichtigen. Nachdem wir im Showroom (Neudeutsch für Schauraum) Perlen in unanständigen Mengen und allerlei Preislage begutachtet haben, zeigt eine freundliche Mitarbeiterin, wie so eine Perlenauster aussieht und was man so alles über die Perlenzucht wissen muss. Es ist entgegen meinen Erwartungen tatsächlich höchst interessant! Wenn man die Manari Road weiter gen Norden fährt, ist man schon bald in einsamen Buchten mit weissen Sandstränden, eingefasst in rote Sandsteinfelsen. Wir fahren soweit nach Norden wie es geht, d.h. die Piste verschwindet irgendwann in einem Sumpf. Ein wunderbarer Platz ist schnell gefunden, perfekter Strand, perfekte Aussicht, niemand da. Monique will zum Muschelsammeln und wir sind auch recht erfolgreich. Wir geniessen die Ruhe und die angenehme Meeresbrise, denn die letzten Tage waren immer sehr heiss und in Broome kam auch noch eine hohe Luftfeuchtigkeit dazu. Kurz vor Sonnenuntergang finden dann ein paar Australier die gleiche Stelle und platzieren sich auch gleich neben uns. Toll, da ist man mal im nirgendwo, hat einen wundervollen Sonnenuntergang für sich gepachtet und schon ist man nicht mehr alleine, immer das gleiche. Dann wollen sie auch noch Konversation betreiben. Es gipfelt darin, dass wir den Rentern beim gegenseitigen Nacktwaschen im Mondschein zusehen müssen. Am nächsten Morgen haben wir wieder mal Fliegenattacke mit Hitzewelle beim Frühstück, was uns dazu animiert, um zehn schon wieder in Broome im kühlen Internetcafe zu sitzen. Langsam wird es auch mir zu heiss, denn bei über 40°C und mehr als 80% Luftfeuchtigkeit, sitzt man eigentlich immer schweissgebadet da. Bewegt man sich dann auch noch…
Wir bleiben noch bis zum Grossereignis "Staircase to the moon". Das hat nichts mit Led Zeppelin zu tun, sondern damit, dass man, wenn der Vollmond bei Ebbe über dem Watt aufgeht, so etwas wie eine Treppe sehen kann. Wegen starkem Dunst sehen wir aber gar nichts. Dafür gibt's einen netten Nachmarkt mit Essensständen und es werden Postkarten verkauft, wo die "Staircase to the moon" darauf abgebildet ist.

Nun ist es definitiv zu heiss und wir geben auf. Genug von Broome, es war schön hier. 350 Kilometer südwestlich, machen wir bei der Eighty Mile Beach halt. Muscheln sammeln ist wieder angesagt. Am Abend sehe ich beim Abwasch am Kühlschrank einen Zettel kleben, wo drauf steht, dass hier am Strand zwischen Oktober und März Meeresschildkröten ihre Eier legen. Ich zähle eins und eins zusammen, es ist Ende Oktober, es ist Vollmond, es ist gerade Flut, alles passt. Wir ziehen an den Strand und sehen schon bald die ersten Spuren von Schildkröten, welche wohl noch vom Vorabend sind. Die Flut steigt und der Mond ist gerade aufgegangen, es müsste also bald losgehen. Wir spazieren eine ganze Weile umher und sehen ausser alten Spuren nichts. Monique will ins Bett, also gehen wir zurück. Mir lässt das keine Ruhe und ich ziehe noch mal an den Strand. Kaum bin ich da, krabbelt die erste Schildkröte an Land. Ich kann beobachten wie sie gemächlich über die Hochwasserlinie kriecht und nach einem guten Nistplatz sucht. Sie fängt an zu Buddeln und bald hat sie eine Mulde ausgehoben. Dann beginnt sie ein kleines Loch für die Eier auszuheben. Dies macht sie ganz behutsam mit den Hinterflossen, welche sie wie eine Hand wölbt. Abwechslungsweise nimmt sie mit der linken, dann mit der rechten Flosse ein Portion Sand heraus und schüttet sie weg. Hier scheint der Boden zu hart zu sein, worauf sie alles wieder zuschüttet und an einer anderen Stelle von neuem beginnt. Da das Ganze sehr lange dauert, laufe ich schnell zum Auto zurück und hole Monique, damit sie dies auch sehen kann. Als wir beide wieder an der Stelle stehen, ist die Schildkröte noch dabei das zweite Loch auszuheben. Die Stelle ist zu weich, der Sand rinnt immer wieder in das Loch zurück. Wieder schüttet sie alles zu und versucht es ein drittes Mal. Nun scheint alles zu passen und zwanzig Minuten später ist das Eierloch gross genug. Wir können zusehen, wie die Schildkröte langsam Ei für Ei in das Loch plumpsen lässt, bis das Loch halbvoll ist. Behutsam füllt sie das Loch wieder mit Sand auf, drückt alles immer wieder fest. Zum Schluss wird das Nest getarnt, indem die Schildkröte herumrutscht und den Sand verwischt, bis es aussieht, als sei das Nest an einer anderen Stelle. Hierzu wendet sie sehr viel Zeit auf und kehrt dann sichtlich erschöpft ins Meer zurück. Wir strahlen vor Freude, welch ein Schauspiel!

Port Hedland ist nicht nach unserem Gusto und so sind wir rechtzeitig zu den Wahlen in den USA im australischen Bush (kleines Wortspiel). Der Karijini NP bietet wieder eine Fülle von Schluchten, welche hier natürlich auch schön sind. Wir haben in der letzten Zeit so einige Schluchten gesehen, und wir schauen uns diese auch noch an. Am Abend verfolgen wir per Weltempfänger wozu sich die Amerikaner entscheiden und wundern uns kein bisschen, als sich herauskristallisiert, dass sich da so schnell nichts ändern wird. Zurück zum Nationalpark. Zwei wunderschöne Schluchten warten auf uns. Die Wege führen über Stock und Stein, durch enge Gänge, über glitschige Felsen und am Schluss erwartet uns ein erfrischendes Bad in einem schattigen Wasserloch. Von all den bisher gesehen Schluchten gehören die im Karijini NP definitiv zu den schönsten, aber nun reicht es. Genug geschluchtet, aber es sollen noch mehr kommen.

Next stop, Exmouth. Es ist wieder mal ein kleines Kaff, welches ausser als Marinestützpunkt und Ausgangsort für Tauchtouren zum Ningaloo Riff keine grosse Bedeutung hat. Doppeltes Glück erwartet uns an diesem Ort. Hier ist der bei Tauchern berühmte Navy Pier, wo wir gerne tauchen gehen würden. Da sich der Pier im Marinesperrgebiet befindet, darf nur ein lizenzierter Tauchladen Tauchtrips dorthin machen, welcher dafür natürlich viel Geld verlangt. Die Ladenbesitzer haben sich aber verkracht und der Lizenznehmer hat sich ins Ausland abgesetzt. So kann momentan dieser weltberühmte Tauchplatz nicht betaucht werden. Es ist auch nicht gerade Saison für Walhaie, denn auch dafür ist die Gegend berühmt, denn diese grössten Fische der Welt sind vor allem im australischen Herbst (Mai/Juni) zahlreich an der Küste anzutreffen. Sind Walhaie in der Gegend, kann man Schnorcheltouren mit Walhaigarantie buchen, wofür um die dreihundert Dollar verlangt werden. Unser doppeltes Glück liegt nun darin, dass wir uns für keines der beiden Highlights entscheiden müssen, da wir es uns bei diesen Preisen wohl eh nicht leisten könnten/würden…

Exmouth ist deshalb ein Flop und so kochen wir einen grossen Topf Gulasch, trinken ein Flascherl Wein und freuen uns auf den Cape Range. Dieser Nationalpark ist wirklich toll, denn das Ningaloo Riff im Gegensatz zum Great Barrier Riff in unmittelbarer Küstennähe. Im Besucherzentrum mieten wir uns zwei Schnorchelausrüstungen und erkunden die nahe liegenden Korallengärten. Das volle Programm wird geboten, Weissspitzenhaie, Tintenfische, Kofferfische, Clownfische, Korallen, Anemonen, was das Herz begehrt. Da das Wasser relativ kühl ist, frieren wir sehr schnell und halten es leider nicht all zu lange aus. Aber auch sonst hat der Park viel zu bieten, unter anderem treffen wir Kängurus am Strand und einen schönen grossen Leguan am Strassenrand. Bei Yardie Creek werden wir wieder einmal von netten Bernern angesprochen, hier sind es Maria und Thomas. Ist denn die ganze Schweiz in Australien unterwegs? Entgegen der Empfehlung der netten Dame von der Touristeninformation (es lohne sich nicht) fahren wir die Küstenstrasse gemeinsam mit Maria und Thomas direkt vom Südende des Parks nach Coral Bay. Zum Glück haben wir nicht auf die Frau gehört. Wildblumen säumen die sandige Strasse und so einige schöne Ausblicke auf weisse Sandstrände bereichern die Fahrt. Coral Bay ist ähnlich wie Exmouth, nur noch kleiner. Hier gehen wir auf eine Schnorcheltour. Dabei sehen wir farbenfrohe Korallengärten, mehrere Meeresschildkröten und haufenweise Fische.
Hier ist es nun merklich kühler geworden, es ist vorbei mit der grossen Hitze des Nordwestens. Schon müssen wir wieder unsere Fleecejacken anziehen. Monique ist richtig begeistert, dass sie nicht mehr schwitzen muss.
fotoalben