| Darwin, ein Ort zum verweilen. Das Klappstuhlkino unter freiem Himmel verkürzt die warmen Nächte. Fish&Chips aus frischem Barramundi verschönern den rot glühenden Sonnenuntergang am Hafen. Beim Mindil-Nachtmarkt am Strand kann man sich den Bauch mit asiatischen Leckereien voll schlagen, während so mancher Rastaman versucht, durch Didgeridootöne, Feuerschlucken oder Jonglieren ein paar Dollars zu verdienen. Hier kann man's aushalten. Nichts desto trotz verlassen wir Darwin nach über einer Woche, man ist ja auf Reisen. Auf dem Weg hinaus in den Busch besuchen wir eine Krokodilfarm. Obwohl wir schon so manches Krokodil gesehen haben, will ich noch einmal die grossen Salties von nahem betrachten. Bevor die Fütterung losgeht, schlendern wir gemütlich durch die Anlage und bestaunen die faulen Urzeitriesen. Die jungen Krokos, noch im Handtaschenvorstadium, haben es uns am meisten angetan. Da die Tierchen äusserst inaktiv sind, versuche ich mich als Tierstimmenimitator. Ich erinnere mich an Schmatzlaute aus einem Dokumentarfilm über Krokodile. Nach zwei drei Versuchen habe ich es raus! "Schmatz, schmatz" und schon geht's rund im Krokobecken. Die Tiere sind ganz aus dem Häuschen. Herrlich! Das gibt wieder Fotos. Nachdem der Lockruf bei allen Jungtieren erfolgreich getestet ist, schauen wir bei der Fütterung der ausgewachsenen Tiere im Hauptgehege vorbei. In einem grossen grünen Teich scheint gar nichts drin zu sein. Der Tierwärter begibt sich in das Gehege, schlägt ein totes Huhn auf den Boden und im Nu schnellt ein Riesenvieh aus dem Wasser. Respekt, nicht gerade langsam, wenn's ums Futter geht. Plötzlich scheinen die Krokos überall zu sein, eins nach dem anderen steigt ans auf Ufer, sobald ein Huhn hervorgebracht wird, welches aber eher wie ein kleiner Snack erscheint, wenn man die Grösse eines solchen Tieres in Betracht zieht. Eine anschliessende Führung bringt uns zu den Einzelgängern. Tiere welche in der freien Wildbahn zur Gefahr geworden sind, kriegen hier ein Einzelzimmer mit Bad. Die freundliche Dame erklärt uns genau wie so eine Krokofarm funktioniert und will uns "The Pig" zeigen, ein ganz hässlicher Kumpane, welcher aber trotz intensiver Versuche ihrerseits nicht herauskommen will. Nach der Führung gehen wir noch mal alleine zu "The Pig" zurück und testen den Lockruf. Ein paar Schmatzer später kracht das Monstrum auch schon beinahe gegen das Gitter und will mich zum Mittagessen, der Lockruf ist ein voller Erfolg! Das nächste grosse Ziel sind die Bungle Bungles. Auf dem Weg dorthin durchfahren wir den Litchfield NP mit seinen schönen kühlen krokodilfreien Wasserlöchern und ein paar netten Wasserfällen. In Timber Creek gibt's auf dem Campingplatz eine Süsswasserkrokodilfütterung zu bestaunen. An der Quarantäne-Kontrollstation bei der Grenze zu West Australien mag der Beamte nicht so recht unser Auto nach Verbotenem durchsuchen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir keine Klimaanlage haben. Er setzt sich hinten in unser Auto, wo er feststellt, dass es etwa 50°C heiss ist, zieht eine Grimasse und hüpft dann ganz schnell wieder raus, meint es sei schon gut und zieht sich sofort eine Cola aus dem Automaten. Auch gut. In Kununurra stocken wir unsere Vorräte auf und besorgen uns einen Nationalpark-Pass, womit wir freien Zutritt zu allen Nationalparks in Western Australia (WA) haben. Die Emma Gorge ist uns einen kleinen Abstecher auf die Gibb River Road wert, wieder mal eine schöne Schlucht zum spazieren gehen. Beim Doon Doon Roadhouse können wir billigst nächtigen (mit Strom und Dusche) und während des abendlichen E-Mail schreibens, explodiert das Netzteil von Moniques Laptop (Ersatz finden wir dann später in Broome). Ein Haufen Aboriginies veranstaltet ein unglaubliches Tohuwabohu, als sie hier zum Tanken einfahren. Ich habe selten jemanden so oft fluchen gehört. Um zu den Bungle Bungles zu gelangen muss man eine "4x4 only" (darf nur mit 4x4 Fahrzeugen befahren werden) Strecke fahren, welche uns von so manchem als haarsträubend geschildert wurde. Zugegeben holprig ist sie ja und man muss langsam fahren, haarsträubend aber auf keinen Fall. Bei dem Tempo, welches gewisse Leute drauf haben würden wir auch ganz heftig durchgeschüttelt. Für die fünfzig Kilometer brauchen wir gut drei Stunden und werden dafür mit spektakulären Landschaften belohnt. Durch jahrtausende lange Erosion wurden Sandsteinmassive in bizarre Formen verwandelt, welche wie riesige orange Bienenstöcke aussehen. Wir machen uns bei Sonnenaufgang auf den Weg, besagte Bienenstöcke zu besichtigen. Die Morgensonne lässt die Felsen glühen, und eine kleine Wanderung durch die Felsen ermöglicht uns spektakulären Ansichten. Kurz darauf glühen auch wir, die Hitze steigt schon kurz nach Sonnenaufgang in unangenehme Höhen. Um sich etwas Kühlung zu verschaffen, nimmt Monique ein paar Handtücher, macht die kräftig nass und wickelt sich darin ein. Sieht wirklich lustig aus. Mir macht diese trockene Hitze glücklicherweise nicht sehr viel aus, obwohl 45°C im Schatten nicht gerade kühl sind. Monique hingegen findet das nicht so lustig und tippelt schmachtend hinter mir her. Da die Sonne hier kurz nach fünf aufgeht, haben wir nach acht schon die Wanderung hinter und machen uns auf den Rückweg. Osito hat bereits Backofen-Temperatur und so macht das Einsteigen noch viel mehr Spass (nochmals zur Erinnerung, wir haben KEINE Klimaanlage). Nach erneuten drei Stunden Schleichgang und vier Liter Wasser trinken, sind wir wieder auf der Hauptstrasse und rollen kurz nach Mittag in Halls Creek ein, ein fürchterliches Kaff im Nirgendwo, gleich neben dem Nichts. Da wir nun schon über fünf Stunden gefahren sind und die Hitze Monique sehr zu schaffen macht, entscheiden wir uns dafür, die nächste Etappe auf morgen zu verschieben. Wir begeben uns auf den hiesigen Campingplatz, welcher aber keinen guten Eindruck macht. Da ein Pool vorhanden ist, bleiben wir trotzdem. Das kühle Nass ist richtig schön erfrischend und macht gute Laune. Wir wundern uns über die besoffenen Aboriginies, welche vor dem Campingplatz herumschreien. Später treffen auch Ändu und seine drei Reisebegleiter ein, welche wir seit Darwin immer wieder treffen. Er erzählt uns, dass er gerade im Internetcafe war und dort ein paar Aboriginie Kids die Kasse ausgeräumt haben. So gegen zehn machen wir uns langsam Bettfertig. Während ich noch ein bisschen mit Ändu quatsche, höre ich Monique verzweifelt nach mir rufen. Ich befürchte Schlimmes und renne zu ihr. Sie steht völlig aufgelöst vor dem Auto und erklärt mir, dass jemand unser Auto ausgeräumt hat. Ein kurzer Blick genügt, um festzustellen, dass unsere gesamte Fotoausrüstung, der Kompressor und einige andere Dinge weg sind. Scheisse! Wir rufen die Polizei, welche bald erscheint und meint, dass sie mal die Runde machen. Halls Creek ist ein 1500 Seelen Dorf, in jeder Richtung mindestens dreihundert Kilometer weg von anderen Dörfern und sollte somit doch überschaubar, der Dieb aufzufinden sein. Nach ein paar Minuten kommen die Uniformierten wieder, übergeben mir stolz die leere Tasche vom Kompressor und ziehen wieder ab. Sie machen noch einmal die Runde … Ich suche mit der Taschenlampe den Campingplatz ab und finde Moniques Necessaire - der Inhalt ist überall verteilt -, kurz darauf den Kompressor, weiter auf der Strasse mein Fotostativ. Da konnten sie nichts mit anfangen. Wir fahren mit dem Auto nun selber durch das Dorf und suchen die Strassen ab. Inzwischen ist Mitternacht und überall lungern Kids herum. Ich frage sie nach unseren Sachen und die Jungs und Mädchen tun scheinheilig, während sie ihre Joints verstecken. Wir finden bald auch den lokalen Saufplatz. Was von weitem wie eine grüne Wiese aussieht, ist nichts anderes als ein Teppich von tausenden leeren grünen Bierdosen. Daneben besoffene Aboriginies. Auch scheinen die Leute hier ihre Häuser nicht zu benötigen, sie sitzen und liegen alle samt Matratze und Fernseher in den Vorgärten herum. Unterwegs treffen wir private Sicherheitsbeamte man stelle sich das vor, in einem 1500 Seelen Dorf gibt's extra eine Sicherheitsfirma -, welche uns ein bisschen aufklären und äusserst hilfsbereit sind. Sie erzählen uns, dass auf dem Camping extrem viel geklaut wird und dass es immer Kids sind, dem Besitzer sei das bekannt, scheint ihm aber egal zu sein. Sie geben uns auch noch ein paar Tipps, wo wir eventuell unsere Sachen wieder finden können. Um drei Uhr früh geben wir auf. Jetzt genehmigen wir uns eine halbe Flasche Whiskey und diskutieren das gerade Erlebte. Leider haben wir heute wieder nur die schlechte Seite von den Aboriginies gesehen. Wenn wir Aboriginies antreffen, dann fallen sie meist negativ auf, fluchend, betrunken und/oder wütend. Völlig deplaziert und entwurzelt scheinen die Leute einfach nur dahinzuvegetieren, während die Australier nicht wissen was sie mit den Eingeborenen anfangen sollen. Die Problematik scheint unlösbar und erinnert irgendwie an die Asylprobleme bei uns in der Schweiz. Das Ganze unterscheidet sich aber in einem Punkt deutlich, die Aboriginies sind die Ureinwohner Australiens, Punkt. Deshalb erscheint es mir fast richtig, dass sie es nicht als nötig empfinden müssen, bei uns einen guten Eindruck zu machen, finde es aber schade, dass wir so ein negatives Bild vermittelt kriegen. Die "eigentlichen" Aboriginies kann man nicht einfach so besuchen, denn die leben meist in abgegrenzten Gemeinden, wozu man eine spezielle Genehmigung braucht. Oder man kann gegen viel Geld mit dem Touristenbus eine "ganz ehrlich echte" Sippe besuchen, inkl. Souvenirbumerang und Madenessen. Wir an ihrer Stelle würden uns wahrscheinlich ähnlich verhalten, absaufen oder abkassieren. Ich muss zugeben, manchmal weiss ich nicht mehr, was ich davon halten soll/muss/kann… Zwei Stunden später weckt uns die Sonne schon wieder und ich mache mich mit Kopfweh noch mal auf die Suche. Bei der Kirche um die Ecke finde ich tatsächlich noch einige wenige Sachen, darunter zum Glück die meisten belichteten Filme und mein Notizbuch, wo ich Buch über meine Dias führe. Vieles fehlt noch, aber die unersetzbaren Sachen sind wieder da (ausser den Fotos von den Bungle Bungles)… Nun geht's darum, einen Polizeibericht für die Versicherung - wir haben beide eine Reisegepäckversicherung - zu kriegen. Zuerst will uns die Polizei mit einer Visitenkarte und der Rapportnummer abspeisen. Die Jungs sind etwa so motiviert wie damals die Polizisten in Chile, nur müssen wir hier die Liste der gestohlenen Gegenstände selber schreiben, da sie einfach gerade keine Lust dazu haben. Wir brauchen über vier Stunden, bis wir einen offiziellen Wisch in der Hand haben, wo eine Referenznummer draufsteht und einen Stempel unter die Liste kriegen. Von wegen die Südamerikaner seien faul, die Jungs hier toppen alles. Kaum ist alles erledigt, hauen wir hier so schnell es nur geht ab. Einen Tag und gute siebenhundert Kilometer später sind wir in der nächst grösseren Stadt, Broome, wo wir auch auf unsere Reisefreunde Moni und Roli treffen. Hier wollen wir mit unserer Versicherung Kontakt aufnehmen und eventuell unsere Ausrüstung neu besorgen. Die Versicherungen sind hilfsbereit und bezahlen den Schaden in kürzester Zeit. Leider müssen wir aber die Hoffnung aufgebe, hier neue Kameras zu erstehen, da es hier trotz 15000 Einwohnern einfach nichts gibt. Wir graben unsere Notfallkameras aus (alt, bzw. mit Macken), womit es die nächsten 3500 km bis Perth reichen muss. Schade ist nur, dass die Fotos von den Bungle Bungles futsch sind, Moni und Roli haben uns dafür ihre kopiert, merci Euch zweien! |
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