| Alice Springs, das Rote Zentrum. Ausgangspunkt für Ausflüge zum Uluru (Ayers Rock), Kata Tjuta (Olgas) und Wattarka (Kings Canyon). Frisch von der Wüste kommend erreichen wir Alice Springs am Freitag, den 17. September 2004. Rechtzeitig ein Tag vor dem angeblich grössten Ereignis des Jahres, das Bootrennen Henley-on-Todd im trockenen Flussbetts des Todd Rivers, benannt nach dem grossen Bootsrennen Henley-on-Thames in England. Den Freitagabend verbringen wir mit einer heissen Dusche und dem Besuch eines Didgeridoo-Konzerts im Stadtzentrum. Samstag ist der Tag der Tage für die Bevölkerung Alice Springs. Pünktlich um elf stehen wir in der Fussgängerzone und stehen bereit für die Parade der Teilnehmer des Bootsrennens. Da das Rennen in einem trockenen (!) Flussbett stattfindet und im Fall von vorhandenem Wasser ausfällt, handelt es sich natürlich nicht um eine gewöhnliche Regatta. Die Teilnehmer treten in Booten ohne Boden gegeneinander an und es handelt sich um einen reinen Spassevent, organisiert von den drei (!) lokalen Rotary Clubs. Alice Springs braucht also trotz nur knapp 25'000 Einwohnern drei Rotary Clubs. Unglaublich. Gemeinsam mit der Parade watscheln wir zum Festivalgelände, dem trockenen Flussbett des Todd Rivers. Der Sand ist fein säuberlich gerächt und von grösseren Steinen befreit, klar Schiff sozusagen. Bald schon haben sich die Zuschauer auf den verschiedenen Tribünen verteilt und es geht los mit der ersten Disziplin. Zwei Horden Verrückter in bodenlosen Booten rennen was das Zeug hält gegeneinander. Es folgen weitere Nachahmer und Nachahmerinnen in verschiedensten Disziplinen und Varianten. Da ist das Sandwettschaufeln, Wettrudern im Sand, Sandsacktriathlon, und so weiter. Das Spektakel geht den ganzen Nachmittag lang und das Publikum wird zum Mitmachen animiert. Der absolute Höhepunkt ist dann die grosse Bootsschlacht der drei Rotary Clubs. Jeder Club stellt ein Boot, genauer gesagt ein Auto mit Bootsaufbau, wo die Besatzung dann mittels Mehl- und Wasserkanonen gegeneinander Antritt. Lokalmatadoren sind die Vikings, welche mit Fellen kostümiert schon den ganzen Tag ihre Wasserpistolen am Publikum ausprobiert haben. Es gibt eine riesige Sauerei aus Wasser und Mehl und gegen sechs Uhr hat der Spuk ein Ende. Am Abend treffen wir auf dem Campingplatz zum ersten mal ein Auto mit Schweizer Nummernschildern an. Besitzer sind Kurt und Rosemarie Schwarzenbach, welche mit ihrem Mercedes Camper auf dem Landweg über Russland, China und Singapur nach Australien gefahren sind! Die beiden freuen sich, wie wir auch, Landleute mit eigenem Fahrzeug anzutreffen und natürlich gibt's wieder viel zu erzählen. Uns interessiert natürlich brennend wie ihre Route verlaufen ist und so vergeht der Abend wie im Flug. Am Sonntag geht's gleich wieder weiter mit Quatschen und bald stehen auch Moni und Roli, gerade zurück vom Uluru, auf dem Teppich. Die beiden gesellen sich zu uns und so quasseln wir zu sechst wild durcheinander. Rosmarie und Kurt ziehen am Montag weiter gen Süden, während Moni und Roli neben uns Quartier beziehen, bevor sie am Dienstag weiter fahren. Erneut will ich den Kühler reparieren lassen und finde einen netten Mechaniker namens Keith, welcher dies günstig anbietet und mich vor seiner Werkstatt den Service (Ölwechsel, etc.) machen lässt. So ist unser Osito wieder frisch repariert und geschmiert, bereit für neue Abenteuer! Ich muss mich nicht einmal um die Altölentsorgung kümmern, da Keith findet, er wolle einen Baum töten, was er jeweils mit Altöl mache. Na denn, viel Spass, alter Umweltsünder! Via Palm Valley, wo wir übernachten und einen kleinen Morgenspaziergang machen, und dem Mereenie Loop (200km Wellblech) fahren wir zum Wattarka NP (Kings Canyon). Dort steigen wir nach einer kurzen Nacht auf dem nahe liegenden überteuerten Campingplatz noch vor Sonnenaufgang hinauf auf den Felsen. Dort sehen wir zu, wie die Sonne um 6:30 Uhr die Felskanten des Canyons beginnt zu beleuchten und wandern bei Tagesanbruch entlang den Klippen. Wunderschön, wie die Felsen rot beleuchtet werden. Danach sind es nochmal rund 300 km Teerstrasse (welch eine Wohltat) bis nach Yulara, dem Tor zum Uluru Kata Tjuta NP. Ayers Rock und Olgas heissen heute wieder Uluru und Kata Tjuta, so wie sie die Aboriginies benannt haben. Der Nationalpark gehört inzwischen wieder den hiesigen Aboriginies, genauer den Anangu, und wird von der Nationalparkverwaltung nur gemietet. Am Abend fahren wir zum ersten Mal hinein und ich muss sagen, es ist schon ein besonderes Gefühl mit dem eigenen Auto zu einem so bedeutenden Wahrzeichen hinzufahren. Es gibt wohl zwei Momente, wo man weiss, man ist in Australien, das erste mal wenn man vor dem Opernhaus in Sydney steht und das zweite mal hier beim Uluru, wobei das hier doch ein ganzes Stück beeindruckender ist. Der Fels strahlt trotz seiner scheinbar einfachen Struktur etwas ganz Besonderes aus. Je genauer man hinsieht, desto mehr entdeckt man, je länger man hinsieht desto mehr verändert er sich. Wir suchen uns rechtzeitig einen Platz aus, um uns den Sonnenuntergang anzuschauen. Ich postiere mich auf dem Dach von Osito und beobachte, wie sich die Farbe langsam und stetig verändert. Kurz vor Sonnenuntergang füllt sich der Parkplatz und die Fotoapparate klicken wie wild. Am zweiten Tag beginnen wir mit dem Sonnenaufgang auf der anderen Seite von Uluru, auch hier ein wahres Farbenspiel. Klick, Klick, Klick! Aber nicht nur bei Sonnenunter- oder Sonenaufgang lohnt es sich hinzusehen. Zu jeder Tageszeit hat Uluru seine eigene Farbe. Den Rest des Tages verbringen wir dann bei Kata Tjuta (Olgas). Diese Felsformationen 30 km Luftlinie westlich von Uluru steht diesem in Sachen Faszination in nichts nach. Wie Höcker ragen diese überdimensionalen Steine aus dem sonst so flachen Land. Rot leuchten sie am Morgen und Abend, blass strahlen sie am Tag. Die Wanderung durch das Windtal (Valley of the Winds) ist mehr als beeindruckend. Bewegt man sich doch zwischen Kieseln die die Welt bedeuten. Aus- und Einblicke in Jahrtausende alte Aboringinie Kultur verstecken sich in jedem Winkel. Auch hier ist der Sonnenuntergang atemberaubend und majestätisch. Tag Drei widmen wir nochmals ganz Uluru. Wir betrachten den Sonnenaufgang vom Sonnenuntergangsplatz und kriegen nochmals eine neue Seite von Uluru zu sehen. Danach begeben wir uns zum Fuss von Uluru, um diesen zu umrunden. Auch aus der Nähe betrachtet ergeben sich wieder viele neue Ansichten und wir wundern uns nicht, warum dieser Fels in der Kultur der Anangu so eine wichtige Rolle spielt. Nach einer Weile erreichen wir den Startpunkt für die Besteigung. Wo wir das eher lächerliche Spektakel der "Uluru Besteiger" begutachten können. Man hat als Tourist die Möglichkeit über einen sehr schmalen und steilen Weg, Uluru zu erklimmen. Die Anangu möchten aber nicht, dass Uluru von Touristen bestiegen wird, da dies ein heiliger Ort für sie ist. Der Nationalpark wurde aber nur unter bestimmten Bedingungen an die Anangu zurückgegeben. Eine davon war, dass die Besteigung von Uluru durch Touristen weiterhin möglich sein muss, da dies eine zentrale Touristenattraktion sei. So darf man also offiziell weiterhin hinauf, wenn man den eingewanderten Australiern glaubt, soll es aber sein lassen, wenn man den Willen der eingeborenen Australiern respektiert. Man stelle sich vor, man würde den Vatikan in Rom besteigen, oder versucht's mal mit dem Weissen Haus in Washington. Hier stehen überall Schilder und es werden Broschüren verteilt, wo gebeten wird, Uluru nicht zu besteigen, aber die meisten ignorieren dies. So ist es eher belustigend den Leuten zuzusehen, wie sie auf allen Vieren unbedingt den Fels erklimmen wollen. Wenn die Leute sich hier nicht einigen können, ob man nun rauf darf oder nicht, dann lass ich es halt bleiben. Wir schiessen ein paar Fotos und wandern weiter. Nach drei Tagen haben wir uns mit Eindrücken voll gesogen und gesättigt, worauf es an der Zeit ist diesen sagenumwobenen Ort zu verlassen. Auf dem Rückweg nach Alice Springs übernachten wir beim Roadhouse von Stuarts Well. Heim von Dinky, dem singenden Dingo. Dinky ist ein Findeldingo, welcher die Kunst des Jaulens zu Klaviergeklimpers in Perfektion beherrscht. Das Besondere daran ist, dass Dinky kein Hund, sondern ein Dingo ist, denn bei Hunden sei das eher üblich. Wir haben das Glück eine kleine Privatvorstellung zu erhalten, so wird Monique gebeten am Klavier Platz zu nehmen und etwas zu spielen. Ihr klägliches "Für Elise" stösst auf taube Dingo-Ohren und Dinky liegt motivationslos am Boden. Erst als Monique eine Reihe dissonanter Akkorde hämmert, erhebt sich Dinky und jault was das Zeug hält. Mir scheint eher dass Dinky "Aufhören" jault, als dass er singt. Auf weiteres Geklimpert reagiert er mit der Erklimmung der Klaviatur und weiterem "Uuu Uuu" bis Monique aufgibt. Welch unbezahlbare Vorstellung. Ähnliches habe ich bisher nur erlebt, als Yukon, Marcels und Doris' Wunderhund, in Ushuaia bei meinem Gitarrengeklimper mitgejault hat. Alice Springs ist nochmals Zwischenstation um Einkäufe zu erledigen und einen Kinobesuch zu machen: "Touching the Void", ein absolut packender Bergsteigerfilm im Dokumentarstil, wobei die viel zu kalt eingestellte Klimaanlage im Kino das Filmerlebnis zusätzlich positiv beeinflusst. |
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