| Von Mount Isa wollen wir nach Birdsville, dann quer durch die Simpson Desert nach Finke und wieder hoch nach Alice Springs. Zuerst aber machen wir einen Stopp in Boulia, einem kleinen Ort, wo das Phänomen der Min Min Lichter zu Hause ist. Ein Museum gibt mittels einer lustigen Multimediashow Auskunft über die unregelmässig auftauchenden Lichterscheinungen hier in der Gegend. In der Nacht erleben wir aber keine unerklärbaren Erscheinungen. So geht's weiter nach Birdsville, dem Tor zur Wüste. Da die Rangerstation schon geschlossen ist, holen wir uns die nötigen Bewilligungen für die Wüstendurchquerung bei der Tankstelle und erhalten vom Mechaniker ein paar Empfehlungen für die Streckenwahl und die obligatorischen Warnungen. Es wird empfohlen am Fahrzeug eine Flagge zu befestigen und beim Campingplatz finden wir eine schon oft gebrauchte Bambusstange samt Flagge, welche ich an der Stossstange montiere. Wir füllen unsere Wasservorräte auf und sind bereit für die Wüste. Den Abend nutzen wir für einen Besuch im Pub des Birdsville Hotels, welches Australienweit bekannt ist. Bevor wir am Morgen losfahren, schauen wir doch noch bei der Rangerstation vorbei, um zu erfahren, ob noch irgendetwas zu beachten sei. Wenn wir aber auf den Ranger hören würden, so wäre gar nichts zu beachten und man könnte einfach durchfahren. Normalerweise wird hier in Australien immer ein riesiges Tamtam gemacht, wenn man irgendeine Piste fahren will, dieser Ranger ist eine echte Ausnahme. "Fahrt einfach gerade durch…" ist alles was er uns rät. Wer braucht schon Wasser… aber eigentlich hat er ja recht, wie sich im Nachhinein herausstellt. Nicht dass man leichtsinnig oder unvorbereitet lange einsame Strecken fahren soll, aber die Aussies übertreiben es manchmal schon ein bisschen mit der Vorsicht. Nun denn, gemäss Reiseführer und Karten ist das erste zu überwindende Hindernis die Sanddüne "Big Red" ca. 40km östlich von Birdsville. Es ist die grösste Sanddüne der Simpson Desert (ca. 40m hoch) und es wird geraten, dass man sich für die Überquerung Zeit nehmen und nicht gleich verzweifeln soll, wenn man nicht gleich drüber kommt. Auch soll die Durchquerung der Wüste von Ost nach West deutlich schwieriger sein als umgekehrt, da die dem Wind abgewandte Seite der Dünen steiler sind. Bis zu "Big Red" fährt man über eine Wellblechpiste, welche auch von vielen Tagesausflüglern benutzt wird, die einmal eine Sanddüne befahren wollen. Dort angekommen reduzieren wir den Reifendruck, wie im Buch und auf allen Schildern beschrieben und machen uns bereit. Monique steht oben auf der Düne und fotografiert. Andere Touristen fragen ob wir da rauf wollen. Müssen wir ja wohl, wenn wir durch die Wüste hindurch wollen. Aber wie es so ist, 2. Gang Untersetzung und dann fährt man da einfach hoch. Ich weiss nicht wo das Problem sein soll? Die anderen Touristen zeigen es mir dann sogleich. Man braucht nur gewöhnliche Strassenreifen (am besten Niederquerschnitt), darf den Luftdruck nicht reduzieren, muss den falschen Gang nehmen und schon bleibt man stecken. Ah, so geht das. Wir stehen auf der Düne und lachen, da bleibt kein Auge trocken. Ich glaube Afrikafahrer wären hier enttäuscht, für uns ist's lustig, ist ja die erste Wüste für uns mit dem eigenen Auto. Weiter geht's über die Dünen. Rauf, runter, rauf, runter, immer über den roten Sand gen Westen. Die Dünen sind aber nicht so wie man sich das vielleicht vorstellt. Sie bestehen komplett aus rotem Sand, sind aber mit Spinifexgras, Sträuchern, Bäumen und Blumen bewachsen. Es muss wohl vor kurzen hier geregnet haben, denn die Wüste blüht! Es ist wunderschön anzuschauen. Der Weg ist deutlich zu sehen, denn die Piste geht wie ein roter Streifen schnurgerade über die Dünen. Der Sand ist sehr weich, weshalb schon mit reduziertem Luftdruck gefahren werden muss. Es ist aber für unseren Osito überhaupt kein Problem und so schaukeln wir wie ein Kamel über die Dünen. Die uns zugewandte Seite der Dünen sind tatsächlich steiler als die uns abgewandte, jedoch ist es überhaupt kein Problem. Da aber immer wieder mal ein Fahrzeug entgegenkommt, muss man schon ein bisschen vorausschauend fahren, damit man auf der Dünenkuppe nicht ineinander fährt. Darum die Flagge. Über die QAA Line erreichen wir am späten Nachmittag Poeppels Corner, der Grenze zwischen Queensland, den Northern Territories und South Australia. Die Stelle liegt mitten in der Wüste und wird mit einem Stein markiert. Die Übernachtungsplätze sucht man sich einfach irgendwo zwischen den Dünen und so ist es schon ein besonderes Gefühl, in absoluter Stille mutterseelenallein bei einem Lagerfeuer mitten in der Wüste den Sternenhimmel zu betrachten. Weiter geht's auf der French Line über Dünen schnurgeradeaus. Die French Line ist eine reine Sandpiste und wurde 1964 von der French Petroleum Company zwecks Ölsuche geschaffen. Man fährt mit ca. 15-20 km/h über den Sand und das Auto schaukelt und hüpft lustig hin und her. Wirklich wie ein Wüstenschiff. Da Monique von dem Geschaukel seekrank wird, wechseln wir ab, schon geht es ihr besser und mir wird schlecht. Aus dem Augenwinkel entdecke ich eine Echse, genauer eine Bartagame (Bearded Dragon). Das Tierchen rührt sich nicht von Fleck sondern plustert sich auf, stellt seinen Bart heraus und faucht mich an. Zwischendurch schnappt es nach meinem Schuh. Wir finden das wahnsinnig lustig und machen haufenweise Fotos. Der Kleine ist richtig süss und macht sich auf dem roten Sand richtig gut. Bei der Abzweigung zum Knolls Track biegen wir von der French Line ab und fahren Richtung Rig Road, einem weiteren Track, der ein bisschen weiter südlich von Ost nach West führt. Die Rig Road wurde ebenfalls von Ölgesellschaften für Schwertransporte zu den Ölbohrstationen gebaut. Diese ist jedoch im Unterschied zu den anderen Pisten mit Lehm befestigt und stellenweise schlimmes Wellblech. Der Weg ist ein bisschen abwechslungsreicher als die French Line und so manche Salzpfanne wird durchquert. Wir fahren wieder bis kurz vor Sonnenuntergang, da während des Tages die Fliegen so unglaublich mühsam sind, dass es keinen Spass macht draussen zu sitzen. Dafür geniessen wir die Lagerfeuerromantik umso mehr. Die Insekten sind ein Thema für sich in diesem Land. An so manchem wunderbaren Ort hat es entweder Sandfliegen (die stechen) oder gewöhnliche Fliegen (die gehen in die Augen, Ohren und Nase). Wenn dann die Fliegen bei Sonnenuntergang verschwinden, kommen die Moskitos. Die Rig Road führt am Ende wieder zurück auf die French Line und so ist die Wüste nach drei Tagen schon durchquert. Die Dünen werden kleiner, der Bewuchs nimmt zu und schon bald erreichen wir Purni Bore, die erste Oase. Hier gibt es eine kleine Lagune und eine heisse Quelle. Es ist aber noch viel zu früh (zu viele Fliegen) als dass wir hier stehen wollen und so fahren wir noch ein Stück weiter bis zu Dalhousie Springs, einer weiteren Oase mit heisser Quelle. Dort gibt es sogar einen Badesee, wo wir nach drei Tagen Wüste ein heisses Bad nehmen können. Einfach herrlich. Draussen wird es kühl und wir baden in einem 40 Grad warmen See. Toll! Die Fliegen verschwinden wie bestellt nach Sonnenuntergang, aber hier hat es wegen der Wassernähe extrem viele Moskitos. Wie aggressiv die Viecher sind merke ich, als ich aufs Klo muss. Mein Hintern stellt wohl so etwas wie eine Festmahlzeit dar. Den nächsten Tag verbringe ich mit kratzen. Von Dalhousie Springs aus fahren wir nach einem erneut herrlichen Morgenbad weiter nach Finke, wo wir einen kurzen Abstecher zum geografischen Mittelpunkt Australiens machen wollen. Auf dem Wellblech fängt es an nach Kühlflüssigkeit zu riechen. Der Kühler ist erneut leck, da der Typ in Mount Isa die Reparatur nicht richtig gemacht hat, Dichtmasse hilft. Eine Stunde später stinkt es wieder, nur dieses Mal nach verbranntem Kunststoff! Ich halte sofort an und befürchte schon Schlimmes. Das Problem ist schnell lokalisiert, nur immer der Nase nach. Glücklicherweise ist nur eine Sicherung durchgebrannt, kein Problem. Angekommen beim Zentrum Australiens machen wir nur einen kurzen Fotostopp und fahren gleich wieder zurück nach Finke, ein Aboriginie Dorf, welches nicht sehr einladend wirkt. Erinnerungen an Südamerika werden wach, denn am Müll erkennt man die Dorfgrenze. Müll und kaputte Autos stehen in jedem Garten und sonst ist da nicht viel los. Finke ist bekannt als Start-/Zielort für das Finke Desert Race von Alice Springs nach Finke und zurück, entlang der alten "Ghan" Bahnlinie. Heute ist dies eine Sandpiste, welche auch wir benutzen um via Chambers Pillar nach Alice Springs zu fahren. Alles in allem war die Durchquerung der Wüste ein Kinderspiel und sehr schön. Oft wurde uns erzählt, dass man nur im Konvoi fahren soll, ohne Funkgerät sei es leichtsinnig, man brauche mindestens zwei Ersatzreifen, und so weiter und so fort. Klar, je mehr man davon erfüllt, desto weniger Risiko geht man ein, aber da auf diesen Strecken in der Hauptsaison regelmässig jemand durchfährt, ist die Chance sehr gross, dass bei einer Panne nicht sehr lange auf Hilfe gewartet werden muss. Wir haben jeden Tag mindestens ein Auto gesehen, an einem Tag sogar zehn. Die Gefahren sind natürlich nicht zu unterschätzen, jedes Jahr verdursten Leute in diesem Land, aber meistens passiert etwas, wenn man seinen gesunden Menschenverstand zu Hause lässt. |
fotoalben |