| Zur Abwechslung fahren wir wieder mal zu Besuch. Christina und Peter haben uns eingeladen, ihre Farm in der Nähe von Proserpine bei den Whitsunday Islands zu besichtigen und so erscheinen wir zur abgemachten Zeit am Eingangstor. Wir werden von den beiden gemeinsam mit vier Hunden, drei Katzen und einem Kalb begrüsst. Christina muss noch kurz weg, während Peter uns die Quartiere zeigt, eine kleine Einführung in das Leben auf dem Bauernhof gibt und die ersten Geschichten aus ihrem Leben hier erzählt. Für die Dauer unseres Aufenthalts dürfen wir zwischen zwei Wohnwagen mit Aussicht wählen. Heisse Aussendusche und Freiluftklo mit Saloontüren inklusive. Auf einem der Wohnwagendächer lebt sogar ein Possum mit seinem niedlichen Jungen. Wir beziehen unser Zimmer und gesellen uns zu Peter, um die schöne Aussicht, den Sonnenuntergang und ein kühles Bier auf der Veranda zu geniessen, bis Christina wieder zurück ist. Die beiden sind hier vor dreizehn Jahren aus der Schweiz eingewandert, nachdem sie mit einem Segelboot viereinhalb Jahre lang die Weltmeere befahren haben. Hier haben sie sich ein schönes Stück Land gekauft und betreiben nun eine Beefalo Zucht. Christina ist als studierte Biologin vor allem für die Tiere zuständig, während Peter, Elektroingenieur, alles Mechanische und Elektrische betreut und unterhält. Beefalos sind eine Kreuzung aus Rindern und nordamerikanischem Bison (Büffel). Grund für diese interessante Mischung ist, dass das Fleisch der Tiere eine sehr hohe Qualität hat, zart und cholesterinarm ist und sogar Vitamin C enthält! Zum Abendessen erhalten wir eine grosszügig bemessene Kostprobe in Form von Steaks und Würsten, welche wir mit grossem Genuss verzehren. Das Fleisch ist wirklich sehr zart und lecker, weshalb ich mich wieder mal völlig überesse und finde, dass die Rasse auf Deutsch "Küffel" heissen sollte… Am nächsten Tag dürfen wir in der Früh gemeinsam mit Christina auf Fütterungstour gehen. Monique und ich teilen uns ein Quad Bike (4x4 Motorrad) und fetzen hinter Christina über die Feldwege zu den Fütterungsplätzen, wo wir ausführlich erklärt kriegen, wie ihre Beefalo-Zucht funktioniert. Sie verfügen über ca. 120 Tiere, welche alle einen eigenen Namen (z.B. Morning Glory, Evening Star oder Rainer) haben und sehr unterschiedlich aussehen. Es hat hier drei Bison-Weibchen, mit welchen sie ihre eigenen Kreuzungen machen wollen. Normalerweise werden Bison-Weibchen mit einem "gewöhnlichen" oder einem Beefalo Stier irgendeiner Kuhrasse gedeckt. Die daraus enstehenden Kälber haben dann einen Bison Anteil von 50% oder mehr. Die Stiere werden dann wieder auf reinrassige Kühe (z.B. Brahma oder Friesen) losgelassen, woraus dann Beefalos mit einem geringeren Anteil Bison resultieren. Alles was unter 50% Bison ist, ähnelt eher einer Kuh als einem Bison und durch die Vermischung der verschiedenen Rassen, sehen die Tiere völlig unterschiedlich aus. Wir lernen die Namen der Tiere kennen und staunen, dass Christina sich die meisten Namen merken kann. Das Ziel ist, dass ungefähr ein Tier pro Woche geschlachtet wird. Das Fleisch findet dank seiner hohen Qualität reissenden Absatz. Ich hoffe, dass ich da nichts durcheinander gebracht habe. Sonst schaut mal bei www.beefaloaustralia.com rein. Nach der Fütterungstour machen wir einen Spaziergang an der nahen Conwey Beach, bevor wir uns in Airlie Beach nach einer Tour zum Great Barrier Reef und den Whitsunday Islands umsehen. Sofort werden wir fündig und buchen spontan eine Drei-Tages-Tauch-Tour zum Riff, welche in dreienhalb Stunden startet. Wir fahren zurück zur Beefalo Farm, packen schnell unsere sieben Sachen und werden von Christina sogleich wieder zum Tauchshop gefahren. Immer nur Stress im Urlaub. Nun ja, am Morgen auf dem Bauernhof, am Abend auf dem Meer. Die folgenden drei Tage verbringen wir mit Tauchen am Great Barrier Reef. Zehn Tauchgänge sind gebucht und so ist man entweder Unterwasser, gerade am Umziehen oder beim Essen. Das Schiff ist ein topmoderner Katamaran und wird ausschliesslich für Tauchtouren genutzt. Die Taucherei auf den Galapagos war nicht so ganz nach unserem Geschmack, dafür werden wir hier nun entschädigt. Tauchen in ruhigen Gewässern, nicht zu tief, tolle Ausrüstung und gleich vom Bett ins Wasser. Die üppigen Korallengärten faszinieren und eine gute Sicht bescheren uns tolle Tauchgänge im grössten Riff der Welt. Wieder lernen wir nette Leute kennen, wie Irena und Marcello aus der Schweiz, seit sieben Monaten in Australien unterwegs, welche uns sogar netterweise unter Wasser fotografiert haben (-> Fotoalbum oder www.waeltebummler.com). Die drei Tage sind schnell vorbei und wir werden von Christina nach unserer Rückkehr von der Tour wieder abgeholt. Müde und glücklich beziehen wir wieder den gemütlichen Wohnwagen und träumen schon bald von Unterwasserküffeln… Heute verbringen wir den ganzen Tag auf dem Hof bei Christina und Peter. Wir haben Glück, denn es ist nicht "nur" Fütterung, sondern es wird geimpft, markiert, gewogen, entwöhnt, kastriert und enthornt. Einige Kälber kriegen den Vollservice, also alles zusammen. Hier werden diese Dinge nicht etwa vom Tierarzt, sondern selbst gemacht. Während Peter die Tiere durch die verschiedenen Gatter schleust und falls nötig festhält, erledigt Christina die nötigen Schritte. Das Kastrieren und Enthornen beeindrucken uns am meisten, denn die beiden machen dies souverän. Peter hält das Tier, Christina schneidet und brennt. Schnipp und schnapp, Eier ab. Am Nachmittag fahren wir gemeinsam mit Peter zum Nachbarn und schauen zu, wie sie dort eine Weide abbrennen. Hier in Australien werden Felder regelmässig abgebrannt, damit dem Boden wieder benötigte Nährstoffe zurückgeführt werden. Diese Buschfeuer entstehen oft von alleine, gehören eigentlich zum normalen Lauf der Natur und sind nötig. Damit nicht einfach alles auf einmal abgefackelt wird oder das Feuer unkontrolliert weiter brennt, wird zuerst ein Korridor abgebrannt, welcher dann wie eine Feuerwand funktioniert. Ist der Korridor fertig, wir das Hauptfeuer entfacht, welches dann bis zu den Korridoren hin brennt. Peter ist gemeinsam mit einigen anderen dafür zuständig, das Korridorfeuer mit dem Wasserschlauch im Zaum zu halten, während der Feuerspezi mit dem Petroleumbrenner Feuer legt. Da wird der Pyromane in mir wach, herrlich! Anderntags heisst es für uns wieder einmal "Weiterfahren!", was uns schwer fällt, denn hier könnten wir noch lange bleiben und Ferien auf dem Bauernhof machen. Vielen Dank Christina und Peter für die tollen Tage bei Euch! |
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