26. Juli - 8. August 2004: Sandkastenspiele und Schnabeltiere

(Sascha)
Brisbane. Wir "erledigen" diese hübsche Küstenstadt in einem Tag, was bedeutet, dass wir zu Fuss am Fluss entlang und quer durch die Stadt watscheln und dabei zwei drei Dinge angucken. Irgendwie sind alle Städte gleich, weshalb wir am nächsten Tag schon wieder weiter ziehen. Wir wollen lieber nach Fraser Island... Bevor wir aber dorthin kommen, möchten wir noch zwei Besuche abstatten. Zuerst geht's zu Anita und Hanspeter, zwei ausgewanderten Schweizern, welche sich per E-Mail bei uns gemeldet und zum Kaffe eingeladen haben. Die zwei wohnen in Maroochydore, ca. 100km nördlich von Brisbane. Nach kurzer Zeit stellen wir fest, dass Hanspeter und ich vor ein paar Jahren zur gleichen Zeit bei der BEKB (Berner Kantonalbank) gearbeitet haben. Er war im Handelsraum tätig, während ich dort die Informatikmittel betreute, weshalb wir uns sicher das eine oder andere mal über den Weg gelaufen sind. Wie klein die Welt doch ist. Anita und Hanspeter versuchen in Australien einen veritablen Neuanfang als Fotograf und Film-Cutterin und so ist es sehr interessant von ihren Plänen und Träumen zu hören. Wir hoffen für Euch zwei, dass es Euch gelingt. Viel Erfolg!

Tags darauf geht's weiter nach Tewantin, 70km südlich von Fraser Island und Startpunkt für Trips auf die Insel. Man darf auf Fraser Island nur mit Allradfahrzeugen herumfahren, wozu man eine Bewilligung braucht. Im örtlichen Park Ranger Büro besorgen wir uns die benötigten Bewilligungen für's Auto und die Campingplätze. Die nette Dame erklärt uns auch zu welchen Zeiten wir am besten losfahren sollen, da bei Fahrten am Strand die Gezeiten zu beachten sind. Bei Flut kann es sonst zu bösen Überraschungen kommen und so mancher Tourist, der dies ignorierte, hat sein Auto am Strand versenkt. Am Abend fahren wir zu Hans und Uschi, Angelikas Eltern, welche dort auf einem Campingplatz überwintern. Ihre Freunde Vreni, Nina und Miro sind auch zu Besuch und so verbringen wir zu siebt einen lustigen Abend.

Ein weiteres Highlight auf dieser Reise steht an. Fraser Island. Die grösste Sandinsel der Welt, 110km lang und 7-23km breit. Ein riesiger Sandhaufen, mit Dünen, Mangrovenwäldern und endlosen Stränden. Um dorthin zu gelangen kann man von Tewantin aus 70km am Strand entlang bis nach Rainbow Beach fahren, wo dann die Fähre nach Fraser Island ablegt. Wir starten früh am Morgen, um die kritischen Punkte bei Ebbe durchfahren zu können. Zwecks besserer Traktion lasse ich erst mal ein wenig Luft aus den Reifen. Los geht's! Es ist ein wunderbares Gefühl auf dem Strand zu fahren, rechts die Brandung, links Dünen und Klippen. Der Strand ist bei Ebbe sehr breit und wir sind definitiv nicht die einzigen, welche sich hier tummeln. Massenhaft andere Fahrzeuge sind auf der gleichen Strecke unterwegs, beinahe wie auf der Autobahn, nur mit Sand anstelle von Teer. Viele davon sind Sportfischer, welche man unschwer an den überdimensionalen Angelruten erkennen kann, die jeweils in speziellen Köchern am Frontschutzbügel der Wagen befestigt sind.

Nach ein paar Fotostopps erreichen wir schon bald die Fähre, reduzieren nochmals den Reifendruck und setzen über nach Fraser Island. Dort erwartet uns in etwa das gleiche Bild am Strand wie vorher und so düsen wir mit Osito gen Norden. Dazu gibt's Musik von Stiller Has, "I ha Sehnsucht nach em Süde… stundelang am Strand entlang, stundelang am Strand entlang…", passt!

35km weiter erreichen wir Eurong und parkieren direkt neben einem Flugzeug, was sich sehr gut auf den Fotos macht. Der Strand ist so flach und breit, dass hier Flugzeuge landen können, weshalb man nicht nur nach links, rechts, vorne und hinten gucken muss, sondern auch nach oben! Für den heutigen Tag ist genug von Strandautobahnfeeling und wir fahren landeinwärts. Die Insel ist dicht mit Regenwald bewachsen. Es hat viele kleine Seen und riesige Sanddünen, welche durch schmale, holprige, kurvenreiche Sandpisten verbunden sind. Man muss ganz schön aufpassen, da viele Leute mit Mietwagen und keiner Allraderfahrung viel zu schnell durch den Wald fräsen. Dank Lerneffekt aus Südamerika tuckern wir langsam und gemütlich durch die Gegend und geniessen. Sollen sie doch fräsen auf Fraser. Die erste Nacht verbringen wir am Lake Boomanjin, von wo aus wir kurz vor Sonnenuntergang einen Spaziergang zum in der Nähe liegenden „Sandblow“, einer riesigen Sanddüne, machen.

Tag zwo auf Fraser Island geht's weiter mit Fahrten und kurzen Spaziergängen im Landesinneren. Wir sehen kristallklare Regenwasserseen, welche von weissem Sandstrand eingefasst sind. Erinnerungen an die Karibik kommen auf. Leider ist es nicht sehr warm, weshalb keine Lust auf ein Bad in diesem herrlichen Wasser aufkommt und so geniessen wir "nur“ die schöne Natur.

Bei der Central Station bestaunen wir wieder einmal mit Kopfschütteln die für Australien typischen Grillstellen, BBQ genannt. Wie auch in Argentinien gehört zu jedem Rast- oder Campingplatz immer eine Grillstelle. Im Unterschied zu unserem Verständnis eines Grills, gibt es in Australien eigentlich immer nur Grillplatten. Das heisst, der Grill besteht aus einer dicken flachen Metallplatte, darunter ist dann entweder ein Gasbrenner installiert, oder man kann ein Feuer machen, aber grundsätzlich ist es einfach ein heisses Blech. Hier auf diesem Picknickplatz steht die Luxusversion des Australischen BBQ Grills: Ein Edelstahlblech mit Fettabtropfloch in der Mitte und darunter eine über Zeitschaltuhr per Knopfdruck aktivierbare Heizung. Eigentlich haben wir noch keinen Australier gesehen, der auf einem Grillrost über einer schönen Glut grillt. Immer nur diese fettigen Metallplatten, ekelhaft. Das Fleisch wird dann meistens im eigenen Saft zu Leder gekocht. Grund genug am Abend ein Feuer zu machen und Cervelats zu "bräteln". Morgen ist ja 1. August, also fangen wir schon mal an zu feiern. Geschützt von einer kleinen Sanddüne stehen wir bei Vollmond am Strand und feuern ein. Die Cervelats sind schnell knusprig und ein Pastis versüsst die Lagerfeuerromantik. Uns geht's ja wieder schlecht!

Der 1. August 2004 startet nachdem die Ebbe einsetzt mit einer weiteren Strandautobahnfahrt der Brandung entlang nach Norden. Die Fahrt wird durch zahlreiche Fotostopps regelmässig unterbrochen. Das Schiffswrack der Maheno ist besonders fotogen. Bei Indian Head erklimmen wir den Fels in der Brandung und halten Ausschau nach allerlei Meeresgetier. Rochen schwimmen unter uns, Buckelwale springen in der Ferne und eine Schildkröte taucht zwischendurch auf, um Luft zu schnappen. Von hier aus muss man über sehr weichen Sand den Felsen umfahren. Immer wieder bleiben Autos stecken und so wundern wir uns ein bisschen, da wir ganz gemütlich durchfahren können und keine Probleme haben. Am späten Nachmittag sind wir auf dem Camping bei Waddy Point und geniessen den Sonnenuntergang am Strand. Kurz darauf starten wir das 1. August-Feuer und stossen an, schön brennt es! Als die Glut bereit ist gibt's zur Feier des Tages leckere Grillwürste (Käsekrainer vom deutschen Metzger an der Sunshine Coast) mit Bohnen- und Teigwarensalat. Wir haben kurze patriotische Momente und freuen uns, dass wir Urlaub haben.

Am nächsten Morgen sehen wir oben beim Waddy Point den Meeresbewohnern aus der Ferne zu und machen uns danach langsam auf den Weg zurück. Bei der Indian Head Umfahrung können wir wieder zuschauen, wie die Leute ihre Autos versenken. Sie versuchen es vielfach mit Schuss, was bei all dem Gegenverkehr dann oft nur knapp dank viel Glück unfallfrei klappt, nur um dann wieder stecken zu bleiben. Ich frage mal ein bisschen herum und erfahre, dass die Autovermietungen den Touristen nicht wirklich erklären, wie mit den Fahrzeugen umzugehen ist. Viele Leute fahren zum ersten Mal im Leben mit einem 4WD, weshalb sie es ja auch nicht besser wissen können. Die Leute bezahlen viel Geld, um so ein Fahrzeug zu mieten und kriegen oft schrottreife oder völlig ungeeignete Fahrzeuge. Da die Leute oft auch noch in Zeitdruck geraten, weil um vier die Fähre geht, wird dann gerast und so gibt es auf Fraser Island leider viele Unfälle. Jährlich werden Autos im Wert von über 1,5 Millionen Dollar sprichwörtlich versenkt, da die Leute trotz Warnung bei Flut fahren und stecken bleiben oder sich wegen überhöhter Geschwindigkeit überschlagen. Wir haben glücklicherweise keinerlei Probleme und tuckern gemütlich bis zur Central Station, wo wir die letzte Nacht auf Fraser Island verbringen.

Nach vier Tagen Sandkastenspielen verlassen wir Fraser Island am fünften Tag wieder mit der Fähre Richtung Hervey Bay. Dort angekommen organisieren wir Tickets für eine Whale Watching Tour am nächsten Tag, befreien Osito in der Waschanlage von Sand und Salz, kaufen wieder mal ein und schlagen uns beim Benefiz-Sausage-Sizzle (Würschtlibräteln für einen guten Zweck) der örtlichen Freimaurerloge die Bäuche voll.

Per SMS erfahren wir, dass Moni und Roli (www.moniundroli.ch) in Hervey Bay sind. Die beiden haben ihre Weltreise vor kurzem begonnen, sind seit ein paar Tagen in Australien und nun stolze Besitzer eines australischen Toyota Land Cruiser mit Hochdach. Wir telefonieren und nach einem kurzen Blick auf die Karte meine ich, sie seien ja nur 500 Meter von uns entfernt, worauf die zwei beschliessen, dass sie gleich bei uns vorbei kommen. Eine Stunde später stehen sie dann auch vor uns, nur waren es statt 500 Meter 5 Kilometer Fussmarsch. Da habe ich wohl ein bisschen falsch auf die Karte geguckt. Nun denn, ein kühles Bier hilft schnell und so verbringen wir einen lustigen Abend und fahren die zwei dann auch wieder zurück. Die beiden wollen wie wir hinauf ins Cape York und so machen wir ab, uns in Cairns wieder zu treffen, um die Tour gemeinsam zu fahren.

Der folgende Tag wird den Buckelwalen gewidmet. Hervey Bay gilt als Hochburg für Whale Watching in Australien, da die Buckelwale mit ihren Jungen zwischen August und Oktober hier in der Platypus Bay halt machen, um noch ein bisschen Fett anzusetzen, bevor es wieder weiter nach Süden in die antarktischen Gewässer geht. Mit dem Motorkatamaran fahren wir bei leichtem Wellengang (im Verhältnis zu was wir sonst so erlebt haben) und strahlendem Sonnenschein hinaus in die Platypus Bay. Wie bestellt schwimmen dort auch die ersten Buckelwale herum und wieder einmal dürfen wir diesen Riesen begegnen. Die Wale scheinen heute gut gelaunt und wir kriegen das volle Programm geboten, Sprünge inklusive. Da wegen der Wellen das Boot ziemlich schaukelt, ist es sehr schwierig Fotos zu machen und es werden Kotztüten verteilt, welche von vielen sogleich auch benutzt werden. Wir haben präventiv Medikamente eingeworfen, was eine gute Idee war. Auch versuchen wir zu erkennen, ob wir einen dieser Wale wohl schon in der Antarktis gesehen haben. Einer winkt, meint er uns? Auf alle Fälle ist es wieder einmal ein unbeschreibliches Gefühl in der Nähe dieser Meeressäuger zu sein. Die Zeit vergeht wie im Flug und am frühen Nachmittag sind wir wieder zurück in Hervey Bay. Weiterfahrt!

Nächstes Ziel ist die Gegend um Mackay, wo wir in Grasstree Beach zuerst am Strand leckere Kokosnüsse sammeln, knacken und verspeisen, um danach bei Rosemarie und Manfred, samt Sohn Maxime, vorbeizuschauen. Sie sind vor ca. drei Jahren aus der Schweiz ausgewandert, um sich hier in Grasstree Beach eine neue Existenz aufzubauen. Sie sind Freunde von Ueli, den wir bereits in Sydney besucht haben. Sie zeigen uns ihr "kleines" Grundstück, wo sie Mangos ziehen und Ende Jahr zusätzlich ein "Bed&Breakfast" betreiben wollen und erzählen, wie sie hier "gelandet" sind. Abends fahren wir ins nahe Sarina zum Rodeo. Bullenreiten ist Programm. Die mutigen Reiter werden von den Bullen ganz schön herumgeschüttelt und so mancher schafft die Qualifikationszeit von acht Sekunden auf dem Bullen nicht. In der Pause vor dem Final kommt dann der Höhepunkt des Abends, das Feuerwerk! Es ist zwar schon der 7. August, aber wir beschliessen, dass dies nun unser verspätetes 1. August Feuerwerk sein soll. Das Beste am Feuerwerk, welches sehr lange dauert und haufenweise Pulver verschossen wird, ist nicht das Feuerwerk selber, sondern der Off-Kommentar eines lokalen Dummschwätzers.
Und das geht so: "Uuuuuuuh! Aaaaaaah! It's a blue one! Another blue one! Uuuuuuuh! What's next? A red one? No, it's a blue one! A blue one! Oooooooh. A blue one. Is it blue? It is blue! It's a blue one!...." Das geht zehn Minuten lang so, bis jemand das Mikrofon abstellt. Die Leute applaudieren dem Ruhestifter. Die Ruhe ist aber nur kurz und es geht gleich wieder weiter: "Sorry… it's a blue one! Uuuuuuh!.." Nochmal zehn Minuten. Wir krümmen uns vor lachen.
Ebenfalls sehr interessant ist die Handarbeitsausstellung. Hier wird alles präsentiert und prämiert. Gemüse (wie Onkel Fred's Riesentomate und Eva's Spargel), Kuchenexperimente, Bilder, Quilts, Fotos (inklusive unscharfe Urlaubsfotos der 80 jährigen gleichfalls unscharfen Tante Rose im Bikini mit Bier in der Hand) und sonst noch so alles Mögliche. Jedes Ausstellungsobjekt ist ein Gewinner! So viele erste, zweite und dritte Plätze in der gleichen Kategorie hat man noch nie gesehen! Wahnsinn! Wir sind sprachlos! Der Final des Bullenreitens ist der krönende Abschluss dieser Veranstaltung, bevor in Windeseile alles weggeräumt wird. Rosemarie bekocht uns danach mit Spagetti und schon bald fallen wir müde ins weiche Bett. Wir kriegen von den beiden einige wertvolle Reisetipps und fahren nach dem leckeren Frühstück gestärkt und glücklich weiter zu unserem nächsten Ziel. Vielen Dank für Eure Gastfreundschaft!

Rechtzeitig erreichen wir am späten Nachmittag den Eungella Nationalpark. Rechtzeitig heisst in diesem Fall, dass es gerade die richtige Zeit ist, wild lebende Schnabeltiere, den Platypus, zu sichten. Wir stationieren uns am "Treffpunkt" unter der Brücke und schon bald sehen wir die ersten Tiere. Da sie relativ klein und flink sind, ist es schwierig bei Dämmerlicht dieses sonderbare Zwitterwesen zu fotografieren. Der Platypus ist ein Säugetier, welches aber Eier legt, und aussieht als hätte man einen Biber mit einer Ente gekreuzt. Einige Male kriegen wir ein Exemplar zu Gesicht bevor es endgültig eindunkelt. Wir verlassen den Eungella Nationalpark am nächsten Morgen wieder und fahren weiter Richtung Norden.

fotoalben