|
In der Villa Kunterbunt, ein fröhliches Hostal mit Familienanschluss in Valparaiso, erwarten uns bereits Martina, eine Deutsche, und Enzo, ihr chilenischer Mann. Die beiden sind uns behilflich bei der Vorbereitung und Abwicklung des Einschiffens von Osito. Ronny Tesch, ein Deutscher, Geschäftsführer von der Firma OceanExpress in Santiago, hat den Transport samt Container organisiert. Während fast fünf Tagen räumen wir Osito komplett aus, waschen alles, bringen ihn innen wie aussen auf Hochglanz, sortieren aus was im Rucksack bei uns mitkommt, packen erneut ein und machen alles bereit für 45 Tage in einem Container auf hoher See. Es ist erstaunlich, wo sich überall Schmutz festsetzt. Die Australier verlangen ein sauber gereinigtes Auto, frei von Sand, Steinen und Erde. Über die letzten Monate hat sich an so mancher Stelle eine dicke Kruste gebildet, welcher mit ein bisschen Wasser nicht einfach beizukommen ist. Zwei Männer waschen weit über drei Stunden mit dem Hochdruckreiniger die Aussenhaut unseres Ositos, bis sich der Dreck endlich mehr oder weniger geschlagen gibt. Immer wieder finden wir eine Stelle, wo noch eine Kruste aus Erde festklebt, bis ich endlich finde, es ist genug. Am Montag den 26. April 2004 ist Einschiffungstermin. Um 12 Uhr sollen wir uns beim Hafen einfinden. Mit dabei ist Enzo, welcher die Leute und das Prozedere kennt und als Interpreter auftreten wird. Man kann auch eine Zollagentur beauftragen, welche den ganzen Papierkram erledigt, was aber mit fast 500 US-Dollar zu Buche schlagen würde. Und doch wäre noch lange nicht alles geregelt. Man kann auch alles alleine machen, nur muss man dann viel Zeit, Geduld und Nerven haben, da die Leute im Hafen nicht gerade hilfsbereit sind. Wer nicht mit stoischer Selbstbeherrschung gesegnet ist, lässt die Finger davon. Wir erscheinen also im Hafen und wollen ein Mal "Auto-in-Container-verladen". "Ja, wo ist denn das Ausfuhrformular?" Das fängt ja gut an. Die Frau im Hauptzollamt in der Stadt hatte Enzo erklärt, zuerst muss das Eingangsformular vom Hafen ausgestellt werden, dann gibt's das Zollformular mit der Ausfuhr… Enzo geht zum Oberzöllner im Hafen, der erklärt "Alles Quatsch!" wir sollen zum Zoll, die müssen das Formular Blablabla, usw. Enzo kriegt Anweisungen und Namen, es werden gleich Nägel mit Köpfen gemacht. Wir können das Auto nicht gleich einladen, sollen es also zuerst unterstellen oder wir sollen morgen wieder kommen. Enzo kümmert sich um alles, rennt hin und her und so bekommen wir dann doch noch das Empfangsformular und stellen Osito in einem Lagerhaus ab. Um dort hin zu kommen müsste man nur über einen Bahnübergang und 400m weiter fahren, da aber der Supervisor nicht da ist, dürfen wir nicht darüber und müssen einmal um den ganzen Hafen, um von der anderen Seite hinein zu fahren. Zum Glück muss ich nicht mit den Leuten hier quatschen, ich wäre schon jetzt fuchsteufelswild. Enzo nimmt es mit Ruhe und nach weiterem hin und her, ist Osito im Unterstand. Dann wird noch irgendetwas von Lagerhauskosten geschwafelt, worauf wir dann einfach beschliessen, dies bis auf weiteres ruhen zu lassen. Das Hauptzollamt ist nun eigentlich geschlossen, da aber die gute Frau Enzo Quatsch erzählt hat und der Oberzöllner Enzo erklärt hat, was zu machen ist, erhalten wir Einlass und ein Beamter kümmert sich sogleich um das gewünschte Formular. Nach einem Weilchen in der Zwischenzeit schauen wir den Beamten beim plauschen zu, schlimmer geht's nimmer erscheint der tüchtige Beamte auch wieder und gibt uns alle nötigen Dokumente. Dank einem Verfahrensfehler haben wir doch noch heute gekriegt, was sonst erst am nächsten Tag möglich gewesen wäre. Zurück im Hafen können wir wegen desselben Fehlers wieder ausserhalb der Bürozeiten den restlichen Zollkram erledigen und haben nun alles Nötige (denken wir), um das Auto zu verladen. Wir wollen nun Osito in den Container verladen. Der Container steht auch schon bereit, nur müssen wir Osito wieder aus dem Lagerhaus herauslösen. Beim Zuständigen kommt dann wieder die Frage nach den Gebühren auf. Wir verneinen, es sei schon alles bezahlt. Enzo kriegt ihn dazu, das Empfangsformular so zu ändern, dass nun doch keine Gebühren fällig werden, da beim Erstellen des Empfangsformulars auch einen Fehler gemacht wurde. Die Ware muss als "Direkt" und nicht als "Indirekt" empfangen werden. Soll noch einer etwas verstehen. Nun denn, der Container wir positioniert und ich darf Osito endlich verladen. Dummerweise steht der Container genau auf einem feuchten Staubboden, so dass sich die Reifen mit Dreck füllen. Toll. Tagelanges putzen und nun dies. Nun ja, wir versuchen die Reifen so gut wie möglich abzubürsten, und nachdem ich den Reservereifen vom Dachträger entfernt habe, passt Osito durch die Containertür. Wie mir vorher gesagt wurde, hänge ich die Starterbatterie ab und schaue mit Grauen zu, wie die Jungs hier das Auto verzurren. Von Spannsets haben sie hier wohl noch nie was gehört. Also, gehört zwar schon, aber haben keine. Kunstoffseile werden verknotet und mittels Holzstöcken so lange verdreht bis es spannt. Dann werden Keile bei den Rädern hingenagelt und gut soll sein. Für diese Aktion bezahlt man 300 Dollar, inklusiver Befestigungsmaterial. Au weh. Klappe zu, Plombe dran, fertig. So, jetzt geht man zum Hafenmeister und der sagt uns, dass noch der Stempel der Schiffsagentur fehlt. Den können wir ja am nächsten Tag abholen. Enzo will das auch anderntags schnell erledigen, aber kommt mit gesenktem Kopf zurück. Nun will die Agentur eine Quarantänedeklaration ausgefüllt haben. Darauf steht: "Quarantine Declaration to Accompany Containers to New Zealand". Da steht NEW ZEALAND… unser Auto geht nach AUSTRALIEN. Das scheint der Agentur aber egal zu sein, sie wollen dass wir das ausfüllen. Gut. Die Fragen darauf beziehen sich auf das Holz, welches beim Verladen verwendet wurde, ob es behandelt ist und wenn ja, wollen Sie Zertifikate sehen. Woher sollen wir das wissen? Der Container ist schon versiegelt. Egal. Wir füllen aus und unterschreiben. Wieder bei der Agentur, wo wir nun endlich diesen Stempel wollen, verlangen sie nun auch noch eine Bestätigung, dass die Batterie abgehängt wurde. Was denn noch alles? Wir rufen Ronny Tesch in Santiago an. Ronny versteht die Welt auch nicht mehr, aber er faxt sogleich eine solche Bestätigung durch. Eigentlich wäre es Sache der Hafenleute, beim Laden des Containers darauf hinzuweisen, bzw. die benötigten Dokumente auszuhändigen, aber das ist ja nicht ihr Problem. Nachdem das Fax eingetroffen ist, scheint die Agentur zufrieden zu sein und wir kriegen den Stempel. Erneut im Hafen können wir den Wisch dort abgeben, womit die Sache endlich abgeschlossen ist. Eigentlich haben wir "nur" zwei halbe Tage gebraucht, um alles abzuwickeln, was für südamerikanische Verhältnisse doch sehr schnell ist. Das Problem am Ganzen ist, dass auch hier niemand weiss, wie man vorgehen muss. Alle sind sich einig, dass es jedes Mal ein bisschen anders ist. Ein Zollagent, welcher diese Arbeit schon seit fünfundzwanzig Jahren macht, hat uns erklärt, dass dies völlig normal ist. Niemand scheint wirklich zu wissen, wie man was in welcher Reihenfolge zu machen hat, trotz allen Vorschriften. Ich habe versucht, im Laufe dieser Aktion herauszufinden, wie es hätte gemacht werden sollen und habe gar nichts begriffen. Dank Enzo und auch Martinas Hilfe, konnten wir die ganze Sache relativ gut abwickeln und Osito ist endgültig auf dem Weg nach Australien. Vielen Dank für Eure Hilfe und Eure Gastfreundschaft. Wir können jedem der nach oder von Valparaiso verschiffen will, die Villa Kunterbunt und die Dienste von Martina und Enzo empfehlen, ob es nun ein Motorrad oder ein Auto ist. Sie kümmern sich darum und helfen gerne. Die Kosten sind deutlich geringer, als die einer Zollagentur und die Nerven werden gegenüber dem Alleingang deutlich geschont. Wir können nun beruhigt in Ecuador in der Hängematte liegen und uns auf die Galapagos freuen, während unser Osito irgendwo zwischen Valparaiso, Singapur und Melbourne im Container schläft… |
fotoalben |