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Ich habe ja schon im letzten Update ein bisschen darüber geschrieben wie "einfach" es ist, in Chile ein Visum für Australien zu erhalten. Hier ist nun die ganze Geschichte, ausführlich, für alle die es wirklich wissen wollen oder jemals das Gleiche vorhaben. Irgendwie muss es doch möglich sein, in Santiago de Chile ein Visum für Australien zu kriegen, welches länger als für sechs Monate Aufenthalt berechtigt. Theoretisch ist das ja ganz einfach. Im Internet kriegt man alle Informationen. Denkste. Auf der Website der australischen Botschaft in Deutschland, welche auch für die Schweiz zuständig ist, steht irgendwo ganz klein, man muss ein Formular mit der Bezeichnung 48R ausfüllen. Das ist doch schon mal was. Es sei auch hilfreich, wenn man aussagekräftige Beweismittel, zum Beispiel in Form von Bankauszügen und Bescheinigungen des Arbeitgebers beilegt. Dann steht da noch was von Röntgenbildern und ärztlichen Attests, aber die werden nur in bestimmten Fällen verlangt. Die einfachste Methode wäre, ein elektronisches Drei-Monats-Visum zu bestellen und dann in Australien einen Antrag auf Verlängerung zu stellen. Da kann aber niemand garantieren, dass man auch das gewünschte Visum kriegt. Ein elektronisches Visum kann nur jeweils um drei Monate verlängert werden, was also bedeuten würde, dass man es in ein anderes Visum umändern muss oder nach weiteren drei Monaten ein neuer Antrag fällig wird. Dazu kommt noch, dass der Spass pro Antrag 200.00 australische Dollar kostet. Ob er bewilligt wird oder nicht spielt keine Rolle. Es kann also teuer werden. Nun, um sicher zu sein, das Richtige zu tun, kann es ja nicht schaden, den Leuten in Santiago mal eine E-Mail zu schicken. Wir sind ja in Chile und nicht in Deutschland. Zwei spezifische Fragen - kann man das Visum auf der Botschaft persönlich beantragen/abholen und braucht man einen Rück- oder Weiterflug - inklusive vorheriger Erklärung der Sachlage. Ich erhalte eine Standardantwort: "Wenn Sie uns eine Kopie Ihres Passes faxen, stellen wir Ihnen ein elektronisches Drei-Monats-Visum aus, welches zwölf Monate gültig ist und Sie zu mehrfachem Einreisen berechtigt". Das war(en) aber nicht die Frage(n). Ruhig bleiben, noch einmal das Ganze senden, dieses Mal aber darauf hinweisen, dass ich wirklich nicht so ein elektronisches Visum haben will, sondern ein längeres Visum und ob ich es vor Ort bestellen und abholen kann, da man ja Reisender ist, sowie das mit dem Flug. Antwort: "Wenn Sie kein elektronisches Visum haben wollen dann können Sie… (Kopie des Textes auf der Website)…". Sehr gut. Nun weiss der Herr also gleich viel wie vor einer Woche. Auf nochmalige Rückfrage wegen dem Flug, kommt die Antwort: "Die australische Botschaft verlangt keinen Rück- oder Weiterflug, alles weitere ist Sache der Fluggesellschaft". Das ist doch was. Interessanterweise scheint es also nicht möglich zu sein, etwas mehr heraus zu finden, wenn man E-Mails schreibt oder auf der Website schaut. Gut nächster Schritt, das Telefon. Hier sieht man deutlich, was das elektronische Zeitalter anrichtet. Auf der offiziellen Telefonnummer für Visa Angelegenheiten hört der Interessent etwa folgendes: "Willkommen auf der australischen Botschaft … Spanisch die eins, Englisch die Zwei …die Zwei … Blablabla Eins, Blablabla Zwei, Fragen zu Visa Drei … die Drei … Kurzzeitvisa Eins, Arbeitsvisa Zwei, Langzeitvisa Drei, Blablabla … die Drei … Auf unserer Website finden Sie alle benötigten Informationen, welche Sie zum Beantragen eines Langzeitvisa brauchen. Die Adresse Lautet Blablabla … Klick!" Das war ja Toll! Noch ein Mal von vorne, vielleicht kann ich ja den Operator anwählen. "Blablabla… Zwei … Drei … Eins … Null … Klick!" Pustekuchen. So führt das zu nichts. Die Hauptnummer der Botschaft ist nun an der Reihe: "Willkommen auf der australischen Botschaft … Spanisch die eins, Englisch die Zwei …die Zwei … Blablabla Eins, Blablabla … Blablabla … Oder warten Sie bis jemand Ihren Anruf entgegen nimmt … tuut … Im Moment sind alle Leitungen besetzt … tuut … Klick!" Noch einmal versuchen. "Blablabla … tuut … Klick!" Noch ein letztes Mal. " Blablabla … tuut … tuut … Australische Botschaft, wie kann ich Ihnen helfen?" Eine lebendige Frauenstimme! Ein richtiger Mensch! Hurra! Sascha: "Ja ich möchte ein Visum haben." Chilenische Australierin: "Da kann ich Ihnen nicht helfen, Sie müssen auf die andere Nummer anrufen." S: "Da kommt aber nur eine Maschine." CA: "Ja, die Visa Sektion nimmt keine Anrufe entgegen." S: "Ich habe aber eine Frage." CA: "Es steht alles auf der Website." S: "Ich habe aber eine Frage, wozu die Antwort nicht zu finden ist." CA: "Tja…" S: "Können sie mich nicht mit der Visa Sektion verbinden?" CA: "Nein." S: "Können sie mir vielleicht helfen?" CA: "Ich kann's ja mal versuchen…" Ich erkläre alles und will wissen, wie man zu einem Visum für mindestens neun Monate kommt, ohne dass man den Pass einschicken muss, bzw. ob es möglich ist, persönlich vorbeizugehen. CA: "Rufen sie in einer halben Stunde noch mal an, mal sehen was ich herausfinden kann." S: "OK." Nach dreissig Minuten kann ich auf ihre Direktnummer anrufen. Nach nochmals zehn Minuten und mehreren Versuchen, nimmt sie das Telefon auch ab. CA: "So, ich habe mit den Leuten von der Visa Sektion gesprochen. Sie müssen Formular 48R ausfüllen. Des weiteren brauchen wir Röntgenbilder ihrer Lungen, ein Attest von einem von uns vorgeschriebenen Arzt, Nachweise ihrer finanziellen Situation, eine Bescheinigung ihres Arbeitgebers, dass sie einen Job in der Schweiz haben und sonstige Beweise, dass sie wieder zurück in die Schweiz wollen, nachdem sie in Australien eingereist sind." S: "Sind sie sicher, dass ich das alles brauche?" CA: "Ja, wenn sie länger als sechs Monate bleiben wollen. Es wäre einfacher für sie, ein elektronisches Visum zu beantragen und alle drei Monate kurz auszureisen oder sie verlängern dann vor Ort." S: "Das wird aber teuer…" CA: "Tja…" S: "Kann man denn auf der Botschaft persönlich vorbeigehen?" CA: "Ja, das können sie, die werden aber auch nichts anderes sagen." S: "OK, danke." Das werden wir ja sehen. Nun denn, man soll ja nicht den Boten erschiessen, es bleibt noch die Möglichkeit des persönlichen Auftritts. Santiago ich komme! Guten Mutes stehe ich mit Monique montags kurz nach neun vor der australischen Botschaft in Santiago, nur ist die Botschaft umgezogen, wie uns eine freundliche Passantin erklärt, welche uns auch gleich den Weg weist. Nochmals von vorne. Guten Mutes stehe ich mit Monique montags kurz vor zehn vor der neuen australischen Botschaft in Santiago. Nach dem Vorzeigen des Passes in der Empfangshalle des nagelneuen Bürogebäudes, erhalten wir Einlass in die heiligen Hallen der Visa Sektion. Es handelt sich um einen nüchternen Raum mit Stühlen, drei Schaltern und einer Trommel, wo eine Nummer gezogen werden muss. Schalter Eins ist unbesetzt, Schalter Zwei ist der Schalter, wo man nur mit Nummer hinkommt und Schalter Drei ist nur für elektronische Visa und zum Abholen von Dokumenten. Nach etwa 45 Minuten komme ich schon an die Reihe. Hinter der Panzerglasscheibe sitzt eine Dame die ausschaut, als habe sie eine heftige Magenverstimmung. Eine sehr dünne Person, blonder Pagenschnitt, über fünfzig, grimmiger Blick. Ich erkläre was ich will. Sie erklärt, dass ich ein Sonderfall sei. Normalerweise beantragen hier nur Chilenen ein Visum, weshalb nicht ganz klar ist, wie mit mir zu verfahren sei. Nachdem klar ist, dass ich mich nicht abwimmeln lasse, will Sie mal kurz nachfragen, was möglich ist und kommt mit Formular 48, nicht zu verwechseln mit Formular 48R, zurück. Ich müsse das ausfüllen. Wenn ich länger als sechs Monate bleiben will, dann muss ich das schriftlich begründen, vielleicht bekomme ich ja mehr als sechs Monate, denn normalerweise gibt’s maximal sechs Monate. Welch ein Widerspruch. Ärztliche Attests und Röntgenbilder sind nicht nötig, da ich ja Schweizer bin. Auf die Frage, was denn mit dem Formular 48R sei - das sollte ich ja angeblich nach Meinung aller anderen ausfüllen - wird sie noch grimmiger, faucht und zeigt mir das Formular 48R-SPA welches nicht für mich gedacht sei, da es ja in spanisch ist. Der Antrag kostet fünfzig US-Dollar, nicht australische Dollar. Ich bedanke mich und verschwinde. Am selben Tag noch mache ich Fotokopien von allen Dokumenten, welche irgendetwas mit der Reise zu tun haben, drucke Bankauszüge aus und schreibe einen zweiseitigen Brief, wo ich Gründe für ein Neun-Monats-Visum aufliste. Des Weiteren drucke ich dann nebst Formular 48 trotzdem noch Formular 48R aus, denn auf diesem kann man ein Zwölf-Monats-Visum beantragen, dann habe ich in jedem Fall alles dabei. Tags darauf, erneut bei Madame Zuckerfee, übergebe ich ihr einen Stapel Dokumente und frage, welches Formular sie denn nun wünsche. Keine gute Idee, jetzt mag sie mich gar nicht mehr und faucht "Formular 48". Ich reiche Formular 48. Sie studiert die Dokumente und sagt dann eiskalt: "Ich glaube nicht, dass sie mehr als sechs Monate bewilligt kriegen." "Warum denn", will ich wissen. "Weil es das Gesetz ist." Da erwähne ich den Artikel auf dem Formular, wo drin steht, dass man auch zwölf Monate haben kann. "Das ist nur für Familien." Aha… Sie ist das Gesetz. Wir werden sehen. Ich soll mich frühestens in einer Woche (fünf Arbeitstage) mit meinem Pass beim Schalter Drei melden und mein Visum abholen. Eine Woche später, als wir noch in Valparaiso mit der Verschiffung des Autos beschäftigt sind, ruft die Botschaft ins Hostal an, will wissen wo ich sei. Ich erkläre "in Valparaiso", was denken die denn, wo ich bin, wenn sie dahin anrufen? Ich müsse mich bei der Lady in Blond "in Persona" präsentieren. Ob denn mein Visum bereit sei? Nun, das werde man dann sehen. Ich soll einfach vorbeikommen. Zwei Tage später stehen wir um zehn vor neun in der Empfangshalle und werden genau um neun Uhr eingelassen. Am Schalter blickt mich meine neue Freundin auch schon grimmig an und will meinen Pass sehen. Sie sagt kein Wort und blickt ganz finster drein, dass ich gar nicht wage irgendetwas zu sagen. Dann verschwindet sie kurz und kommt mit einem Stapel von Dokumenten zurück. Ein paar Minuten stilles Tippen und verschwörerisches Kopfnicken. Etwas wird ausgedruckt. Mit Eiswürfeln in der Stimme erklärt sie: "Sie haben ein Zwölf-Monats-Visum erhalten. Sie können ein Mal einreisen und sind dann berechtigt, zwölf Monate im Land zu bleiben. Sie sind nicht berechtigt, zu arbeiten oder länger als drei Monate zu studieren. Good Bye." Q.E.D. Da ich ja nun ein Zwölf-Monats-Visum habe, brauche ich ganz sicher keinen Rückflug mehr. Zur genauen Abklärung begeben wir uns in ein Büro von LanChile um herauszufinden, ob sie mich denn auch an Bord lassen würden, da die australische Botschaft mir ja bestätigt hat, ich brauche kein Rückflugticket. LanChile, bzw. Quantas, sieht das aber nicht so. Wenn ich nicht Australier bin oder eine unbestimmte Aufenthaltsgenehmigung habe, brauche ich einen Rück- oder Weiterflug, so will das die australische Botschaft, sagen sie. Hä? Sie würden mich also definitiv nicht an Bord lassen, wenn ich nicht ein Rück- oder Weiterflugticket habe. Punkt. Ich gebe auf, vielleicht kriege ich ja tatsächlich eine Rückerstattung auf meinen Rückflug, sobald ich mal in Australien bin. Wichtig ist nur eins, ich habe ein Zwölf-Monats-Visum für Australien!!! |
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