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Wir verlassen Santiago, um uns zum letzten Mal auf dieser Reise nach Argentinien zu begeben. Dieses Land lässt uns einfach nicht los. Um von Santiago nach Mendoza zu gelangen, fährt man über den Paso Bermejo, wo auf 3128m ein Tunnel zwischen Chile und Argentinien die Verbindung herstellt. Bei diesem Grenzübertritt ist alles ein wenig anders. Da dies wohl der wichtigste Übergang zwischen Chile und Argentinien ist, haben sich die beiden Länder dazu entschlossen, integrierte Zollstellen zu betreiben, wo chilenische und argentinische Zöllner unter einem Dach zusammenarbeiten. Dies ist natürlich ein Widerspruch, da sich die genannten Parteien hassen und nicht zusammenarbeiten. Es gibt so ein Zentrum auf argentinischer Seite, wenn man von Chile her kommt und eins auf der chilenischen Seite, wenn man von Argentinien kommt. Man muss sich das wie in der Migros vorstellen; es hat sechs Schalter (Kassen) und einer ist bedient. Dazu kommt noch, dass gerade heute in Mendoza ein Harley Davidson treffen ist, weshalb der Zoll noch zusätzlich beansprucht wird. Alle Leute steigen aus/ab, versuchen irgendwie den Pass gestempelt zu kriegen und können nicht weiterfahren, da andere darauf warten an die Reihe zu kommen. So spielen wir das Spiel mit und warten zwei Stunden, bis uns ein Beamter bedeutet, dass wir gefälligst dran sind. Die Chilenen stempeln geschwind und schon kommen wir zum argentinischen Schalter, wo uns Dick und Doof erwarten. Dick und Doof sitzen in einem Glaskasten, welcher zur Seite hin offen ist und gegen vorne nur über eine handgrosse Öffnung auf Bauchhöhe verfügt. Doof sagt etwas, was ich natürlich nicht hören kann, da er gegen die Scheibe spricht und der Rest wird durch das Gedröhn der Harleys verstümmelt. Doof zieht an seiner Zigarette und ist bereits genervt, dass ich nichts verstanden habe. Nachdem ich in gebückter Haltung mit dem Ohr an der Öffnung nochmals hinhöre, fragt er, wo mein chilenisches Formular für unser Auto sei. Ich bin Schweizer, also kein chilenisches Formular vorhanden, er muss eins ausfüllen, sage ich, da wir doch schon mehr als einmal nach Argentinien eingereist sind. Doof ist kurz vor dem Durchdrehen und bekommt einen roten Kopf, jetzt muss er sogar was tun. Aber er ist schlauer, zündet sich nochmals eine Kippe an und reicht mir das Formular zum selber ausfüllen, was eigentlich er tun müsste. Dick will dann auch noch, dass ich Touristenkarten ausfülle, welches uns dann bei jeder Ausreise als unnötig bescheinigt wird. Wer soll da noch die Welt verstehen. Wir füllen aus und stellen uns wieder an. Doof nimmt Formular und raucht, macht Stempel, während Dick, auch rauchend, die Pässe abstempelt. Dick sagt etwas, was im Radiogedudel der Zollkabine untergeht und nicht durch den Schlitz zu mir dringt. Doof wiederholt das gleiche unverständlich. Ich gehe auf die Seite der Kabine und erfahre dort, dass Sie meinen Pass nochmals wollen. Warum? Einfach so. O.K. Nun machen Dick und Doof fette Stempel auf die Touristenkarte und in den Pass, wo drauf steht, dass ich mit dem Auto eingereist bin. Dies ist erstens nicht üblich, zweitens nicht nötig und drittens nicht reglementär. Niemand hat das bisher gemacht, dafür gibt's das Formular. Ich darf nämlich ohne mein Fahrzeug ausreisen, was die Jungs mir somit verbieten. Auf die Frage warum, nervt Doof sich nur noch mehr und so verschwinden wir halt, ohne dass auch nur irgendjemand unser Auto angeschaut hätte. Argentinien, wir sind wieder da. Vorbei am Aconcagua, dem höchsten Berg Südamerikas (6960 m.ü.M.), dem besagten Grenzposten, der Puente del Inca, einer natürlichen Brücke, fahren wir nach Mendoza, Weinhauptstadt Argentiniens. Hier wird der Löwenanteil des argentinischen Weins angebaut und so richten wir uns gemütlich ein, da wir ein paar Tage bleiben wollen. Wir bringen in Erfahrung, wo man gut isst, wo man ins Kino geht, wo man am besten einkauft und was man sonst so tun kann. Da sagt eigentlich schon fast alles. Innerhalb einer Woche sehen wir fünf Kinofilme (wir haben Nachholbedarf), gehen mehrmals heftig Fleisch essen, flanieren gemütlich durch die Stadt und Shoppingzentren und machen einen kleinen Tagesausflug ins Weinanbaugebiet. Wir beschliessen, auf dem Rückweg noch mal herzukommen und so verlassen wir diese nette Stadt Richtung San Juan. Dort kriegt Osito wieder mal einen Öl- und Filterwechsel, wobei sich der nette Ölfachverkäufer total voll kleckert. Anderntags düsen wir weiter zum Valle de la Luna, einem der argentinischen Naturwunder. Auf anraten diverser Leute, machen wir die geführte Sonnenuntergangstour mit dem eigenen Fahrzeug, wo wir dann auch eine unglaublich eindrückliche Landschaft in Form von wunderlichen Gesteinformationen in riesigen Ausmassen bei wundervollem Dämmerlicht zu Gesicht kriegen. Das "Monument Valley" in den USA erscheint uns beiden als lächerlich dagegen. Dies hier ist wirklich besser. Nach der Tour fahren wir gleich weiter nach Talampaya, einem benachbarten Park mit ähnlicher Landschaft, wo wir übernachten wollen. Dummerweise stehen wir vor verschlossener Einfahrt, man darf zwar beim Besucherzentrum übernachten, aber nach 18 Uhr darf man nicht mehr zum Besucherzentrum fahren. Also übernachten wir vor der Einfahrt, um dann gleich am Morgen auf die erste Tour zu gehen. Die Jungs raten uns aber davon ab, da noch zu viel Schatten ist. Also frühstücken wir zuerst und fahren dann gegen zehn gemeinsam mit einem Guide (man darf nicht alleine rein) in diesen Park hinein. Man fährt durch eine Schlucht, welche an beiden Seiten 150m von Fels gesäumt wird und sieht auch hier wieder Formationen und Farben, welche schwer zu beschreiben sind. Glücklich und zufrieden nach erfolgter Besichtigung peitschen wir Osito über die Strasse nach Chilecito. Dort gibt's die längste und höchste Seilbahn Südamerikas zu besichtigen. Das Ding ist ca. 35km lang und geht hoch bis über 4000m. Die Seilbahn wurde zum Transport des Erzes aus der Mine in den Bergen nach Chilecito von einer deutschen Firma anfangs des 20. Jahrhunderts gebaut und ist noch sehr gut erhalten. Wir besichtigen die ersten zwei Stationen und das dazugehörige Museum, welches von einem Argentinier der kauzigen Art geführt wird. Sein genuscheltes argentinisch ist sehr schwer verständlich, aber er zeigt uns alles voller Stolz! La Rioja ist unser nächstes Ziel, welches wir ausführlich abfahren, umfahren und durchfahren. Wir kurven durch die ganze Gegend und finden einfach keinen schönen Platz, wo man mal ein bisschen verweilen könnte. Also übernachten wir auf dem einzig geöffneten "Camping der syrisch libanesischen Vereinigung" und verschwinden gleich wieder, da es hier für uns nichts gibt. Eigentlich wollten wir in La Rioja ein bisschen ausspannen, aber so beschliessen wir dies in Villa Carlos Paz zu tun, einem Vorort von Cordoba, welcher als Ferienort der Cordobesen deklariert ist. Wir finden da auch einen gemütlichen Campingplatz und bleiben ein paar Tage da. Pizza, Kino, Asado. In den gelben Seiten suche ich verschiedene Karosseriewerkstätten heraus, welche wir in Cordoba aufsuchen wollen, damit wir für Osito einige Offerten einholen können, da er ja nach den letzten Monaten doch einiges abgekriegt hat, was reparaturbedürftig ist. Am Freitag, den 2. April 2004 starten wir unsere Garagentour durch Cordoba. Die Offerten reichen von SFr. 300.- bis 1000.- und die Werkstätten machen einen sehr unterschiedlichen Eindruck. Der uns als seriöser Typ empfohlene Mensch, macht den schlechtesten Eindruck und hat den höchsten Preis. Die meisten haben keine Zeit und so entscheiden wir uns für den Ersten. Er hat den besten Preis gemacht, hat die sauberste Werkstatt, macht einen guten Eindruck und will trotz Osterwoche das Auto bis nächsten Mittwoch fertig haben. Wir bringen Osito am nächsten Morgen vorbei und hoffen, denn es ist nicht selbstverständlich, dass hier irgendjemand Preise oder Termine einhält. Victor verspricht, dass er Wort hält. Derweil vertreiben wir uns die Zeit in Cordoba mit dem Üblichen: Sightseeing (unter anderem die obligaten Kirchen, gähn), Kino, Asado, Website Update. Und nun, heute am 7. April 2004, holen wir Osito pünktlich, wie vereinbart bei der Werkstatt ab und staunen nur. Die Jungs haben das sauber hingekriegt, das Auto wurde auf Hochglanz poliert und gekostet hat's knapp 300 Fränkli, vier Tage Karosseriearbeit gibt's in der Schweiz nicht zu dem Preis… Osito schaut wieder gut aus und wir können weiter. Gracias Victor! So, nun geht's zurück nach Mendoza und den letzten Bergen aus Fleisch… |
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