17. Dezember 2003 - 23. Januar 2004: Weihnachten in Ushuaia, Antarktische Eisberge und galaktische Kopfschmerzen

(Sascha, endlich...)

Nach dem NP Torres del Paine fahren wir mit Liz und Rudi, zwei Österreichern mit ähnlichem Auto wie wir, welche wir in Puerto Natales kennengelernt haben, Richtung Punta Arenas, um dort wieder mal ein paar Dinge zu erledigen. Website Updates, E-Mail, Wäsche waschen, erfolgreich neue Hosen für mich kaufen, u.s.w.u.s.f. Die beiden verlassen uns dann bald wieder und fahren schon mal vor, nach Ushuaia.

Natürlich treffen schon bald die nächsten bekannten Gesichter ein und so ergibt sich ein schweiz/deutsch/österreichischer Konvoi, bestehend aus Daniela und Martin (CH), Doris und Marcel (A), mit Hund Yukon (CND) und ihrem Besuch Dietrich und Marita (D), sowie uns zwei beiden Clowns. In Punta Arenas wird für den 22. Dezember der Beschluss gefasst, dass an diesem Tage der Weg nach Ushuaia definitiv in Angriff genommen werden soll, um rechtzeitig zu Weihnachten dort mit vielen anderen Gleichgesinnten zwei oder drei Fässer aufmachen zu können. Gesagt getan.

Am frühen Morgen (11:30h) starten wir unsere Donnervögel und fahren gen Norden, da an diesem Tag natürlich die Fähre von Punta Arenas nach Feuerland gerade mal nicht fährt… Also ein kleiner Umweg… nach zwei Stunden lockerer Fahrt und massig blöden Sprüchen über die Funkgeräte (Marcel hat uns eins geliehen), erreichen wir die andere Fähre nach Feuerland bei Punta Delgada. Normalerweise fährt die Fähre ca. ein mal pro Stunde, aber da gerade Ebbe ist, fährt die Nächste statt um 13:30h erst um 17:30h, na denn, warten ist angesagt. Zum Zeitvertreib können wir ein bisschen den Cummerson-Delfinen in der Magellanstrasse zuschauen, um dann endlich beim Eintreffen der Flut nach Feuerland zu übersetzen.

Weiter geht’s Richtung Rio Grande, wo wir dann abends um 23:00h auch endlich eintreffen… Nach längerer Standplatzsuchodyssee und mitternächtlichem Grillrestaurantbesuch fallen wir endlich in Tiefschlaf….

23. Dezember 2003, weiter geht’s. Am frühen Nachmittag stehen wir endlich beim lang ersehnten Ortsschild "Ushuaia, bienvenidos a la ciudad mas austral del mundo", schnell ein Gruppenfoto und auf zur lustigen Campingplatzsuche. Da es ja in dieser Gegend viele verschiedene Campingplätze hat und alle Reisenden von einem anderen Treffpunkt erzählen, beschliessen wir einfach uns von vorne nach hinten durchzuarbeiten, bis die Leute gefunden sind. Beim ersten Camping "La Pista del Andino" kommen wir auch gar nicht weiter als zur Rezeption, da schon ein riesiger Willkommenstross bereit steht. Volltreffer, alle da…

Nun wird’s eher etwas wirr…

Ein kleiner Kurzabriss für die Zeit vom 23.12.2003 bis 07.01.2004: Bier, Grillen, Wein, Bier, Schlafen, Frühstück, Bier, Grillen, Wein, Bier, Schlafen, Frühstück, Bier, Grillen, Wein, Bier, Schlafen, Frühstück, Bier, Grillen, Wein, Bier, Schlafen… Dazwischen etwas Sightseeing, Einkaufen und neue Freundschaften pflegen (Bier).

Am 27. Dezember kommt beim Abendessen irgendwie das Thema Antarktis zur Sprache… Irgendwie würde jeder gerne dahin, aber "Viel zu Teuer", "5000 USD und mehr", doch nachdem folgender Satz ausgesprochen wurde "Haben gesehen, dass es last Minute für 2200 USD noch Plätze gibt (sonst 3500 USD)" werden alle hellhörig und eine Minute später haben acht Leute beschlossen, dass man jetzt natürlich in die Antarktis fährt.

Am nächsten Morgen wollen wir ins Reisebüro und buchen, aber es ist Sonntag und natürlich ist alles geschlossen. Glücklicherweise gibt’s da ein kleines feines Informationsbüro für die Antarktis und die Leute organisieren eine Agentin namens Alicia, welche heute Geld verdienen will. Alicia taucht nach 15 Minuten auf und verspricht, alles in die Hand zu nehmen. Am nächsten Morgen stehen wir dann auch schon im Reisebüro und mehrere Kreditkarten werden durch den Leser gezogen. Gebucht, bezahlt und bestätigt: 10 Tage Antarktis, am 2. Januar soll’s losgehen.

Die Teilnehmer:

  • Daniela und Martin (Flohtours)
  • Doris und Marcel (ORF1)
  • Mirjam und Carlo (Felix on Tour)
  • Wim und Nini (Team Holland)
  • Und natürlich Fozzybär und Schnurpfmaus ;-)

Aber wie’s so geht, erfahren wir am Dienstag, dass die Reise am 2. Januar wegen eines Heizungsschadens am Schiff nicht stattfinden wird. Die Stimmung ist dementsprechend gedämpft, aber am Nachmittag kommen bessere Neuigkeiten. Die Ersatzreise findet am 11. Januar 2004 statt und alle die schon bezahlt haben, kriegen eine 5-Tage Gratisreise auf die Islas de los Estados, welche am 7. Januar starten soll. O.K. kein Problem, mehr für’s Geld…

Na denn… alles klaro… somit bleiben wir bis am 2. Januar noch in Ushuaia um Silvester zu feiern.

Da wir nun langsam genug haben vom ewigen herumhängen, machen wir am 2. Januar noch eine kleine Ausfahrt in den Nationalpark Tierra del Fuego, wo das offizielle Ende der Ruta 3 ist und somit den südlichsten Punkt auf Erden markieren soll, wo eine Hauptstrasse hinführt.

Wir übernachten im Park bei der wunderschönen Laguna Verde und fahren am nächsten Tag nach Osten, um zum südlichsten Punkt zu fahren, wo man über Schotterpisten hinkommt, vorbei an der Estancia Harberton bis zur Estancia Moat. Eine wunderbar malerische Strecke, entlang dem Beagle Kanal. Wir übernachten auch dort an einem Traumplatz, um dann am 5. Januar wieder nach Ushuaia zurückzukehren; Packen!!! Antarktis, wir kommen.

Am Nachmittag des 7. Januars 2004 ist es endlich soweit: Wir schiffen auf der "M/V Ushuaia" ein! Zu unserer grossen Überraschung erfahren wir, dass wir noch einen gratis Kabinenupgrade erhalten haben. Statt der billigsten fensterlosen Kabinen im Unterschiff, erhalten wir etwas bessere Kabinen mit Bullauge im "Erdgeschoss", noch so ein kleines Geschenk für die Verschiebung. Toll!

Nach einem kleinen Willkommenstrunk (zur Abwechslung trinken wir Bier) legt unser Schiff ab und wir starten Teil 1 unseres Trips zur Isla de los Estados (Staten Island). Es geht durch den spiegelglatten Beaglekanal und durch die Anfänge der Drakepassage zu dieser Feuerland vorgelagerten Insel, welche bis anhin "normalen" Touristen verwehrt und eigentlich nur der Marine und Forschern zugänglich war.

Am folgenden Morgen kommen wir bei der Insel an und machen dort den ersten Landausflug mit Schlauchbooten (Zodiacs). Einer unserer Führer, welcher als Forscher auf dieser Insel tätig ist, erzählt uns, dass hier bis vor ca. 150 Jahren eine grosse Königspinguinkolonie gewesen sei, welche aber von Jägern ausgerottet wurde. Nix mehr da… Als wir aber nun ein bisschen spazieren, sehen wir einen Königspinguin, welcher am Strand steht und gerade in der Mauser (neues Federkleid) ist. Zwischendurch verirren sich ein paar dieser Tiere hierher. Ein paar Meter weiter flippt der Forscher plötzlich fast aus. Da sitzt doch ein Prachtsexemplar von Königspinguin zwischen den Blumen und brütet ein Ei aus… Seit 150 Jahren der erste bekannte Fall und wir dürfen dabei sein! Fängt gut an…

Wir machen noch weitere Landgänge und erquicken uns an der wilden Flora und Fauna, welche uns diese isolierte Insel bietet. Es macht wenig Sinn zu beschreiben was wir hier alles sehen können, Ihr schaut Euch am besten einfach das Fotoalbum dazu an…

Am 11. Januar sind wir dann wieder in Ushuaia und haben kurz Landgang, da noch einige Passagiere für die Antarktistour zusteigen. Abends geht’s wieder los durch den Beagle Kanal um dann um 2:00h in die Drake Passage einzufahren. Diese Passage ist wohl eine der rauesten, die es gibt. Bei relativ normalen Verhältnissen (6-7m Wellen) schaukeln wir über 40 Stunden lang Richtung antarktische Peninsula. Glücklicherweise haben wir uns in Ushuaia mit Pillen gegen Seekrankheit eingedeckt, welche wir auch kiloweise einwerfen. Im Speisesaal ist dann auch eher ein trauriges Bild anzutreffen, wir und vier bis fünf andere Passagiere versuchen bei dem Geschaukel zu essen, halten Tisch und Teller fest, fallen durch die Gegend. Wir sind wenige, die meisten liegen im Bett oder hängen über der Kloschüssel…

Am 14. Januar ist es endlich wahr: Antarktis in Sicht!

Was wir hier alles sehen und erleben dürfen ist einfach unbeschreiblich. Ständig hat man das Gefühl "gleich bleibt mir die Luft weg". Bei Fahrten durch die Fjorde und Kanäle dieser beinahe unberührten wilden Eiswelt sehen wir Landschaften, welche durch Fotoapparate schwer einzufangen sind. Pinguinkolonien betäuben uns mit ihrem Lärm und Geruch. Seelöwen und Seeleoparden räkeln sich auf Eisbergen. Buckelwale tauchen immer wieder neben uns auf. Eisberge und bizarre Eisformationen blenden uns in spiegelblanken Lagunen, welche kontrastreicher nicht sein könnten. Auch hier, Fotos sagen mehr als Worte…

Leider vergeht die Zeit viel zu schnell, mit zwei Landgängen pro Tag rast die Zeit nur so dahin. Nach vier Tagen erfahren wir während einem BBQ, dass wir leider etwas früher zurückfahren müssen, da angeblich ein heftiger Sturm aufzieht. Es soll, anstatt wie geplant am fünften Antarktis-Tag zu den südlichen Shetland Inseln, gleich nach Ushuaia gefahren werden. Schade. Auf dem Weg Richtung Drake Passage beschliesst der Kapitän am nächsten Morgen doch noch einen Stopp in der Bucht von Deception Island, welche zu den Shetlands gehört. Wegen zu starkem Wind können wir aber nicht an Land und nur unser Guide fährt mit den Pässen zu einer argentinischen Forschungsbasis, um sie dort mit Antarktis Stempeln versehen zu lassen.

Am Nachmittag heisst es dann Abschied nehmen. Wir stechen nun wirklich in See, Richtung Ushuaia und wir sagen "Adios Antartida"…

Wieder "holpern" wir über die schäumende Drake Passage, wobei diesmal nicht mehr so viele Passagiere ausser Gefecht sind. Am letzten Abend werden Zertifikate verteilt und es steigt eine kleine Party, wo es wieder mal etwas zu lustig wird…

Am 21. Januar sind wir wieder in Ushuaia, wo ich zwar noch leicht reduziert, aber glücklich mit Monique und unseren Reisefreunden von Bord gehe. Was für ein Trip!!!

Die Bilanz der letzten vier Wochen:

  • Unglaublich viele neue unvergessliche Erlebnisse und Eindrücke.
  • Unglaublich viel Trinken, Feiern, Essen und dabei unglaublich zugenommen.
  • Unglaublich glücklich und zufrieden.

Nun fängt das Leben nach der Antarktis an… und was für ein Leben!

Ushuaia, spick mi furt vo hie…

fotoalben