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Nach einer Übernachtung auf dem guten Camping Municipal in Perito Moreno fahren wir seit langem wieder einmal auf der Ruta 40, der Strasse, welche fast 5000 km den Anden entlang führt und wir das letzte Mal in Nordargentinien befahren haben. Wie meistens ist sie auch hier nicht geteert (Schotter = ripio). Unser Fernziel heisst El Calafate, aber zuerst wollen wir heute noch zu den Höhlen mit den Handzeichnungen, den Cuevas de las Manos. Gemäss den Erklärungen von unserem Führer (man kann nicht ohne Guide zu den Höhlen), sind die Hände in drei verschiedenen Epochen (ca. 3500-9000 Jahre alt) an die Höhlenwände gespritzt worden. Es wurden Abdrücke von über 800 überwiegend linker Hände gezählt. Die Leute malten nicht die Hand, sondern machten quasi einen Abdruck davon, indem sie mit dem Mund die Farbe über die ausgepreizte Hand spritzten. Wir dürfen gleich hier übernachten und auch den Aufenthaltsraum zum Kochen benutzen, was bei den momentanigen Windverhältnissen uns sehr entgegenkommt. Die Ruta 40 führt uns weiter gegen Süden, durch eine Landschaft, die sehr ursprünglich daherkommt und uns daran erinnert, dass wir uns dem sogenannten „Ende der Welt“ nähern. Als einziges Zeichen der Zivilisation taucht ab und zu ein Wegweiser zu abgelegenen Estancias auf und wenn tatsächlich mal eine Häusergruppe in der Strassennähe auftaucht, ist diese bereits als Ort auf der 1:4 Mio Karte eingezeichnet. Guanakos flüchten beim näher kommen und ein paar Mal sehen wir ein Gürteltier im niedrigen Gebüsch verschwinden. Nach mehreren Stunden Fahrt auf der Rüttelpiste gelangen wir in den Touristenort El Calafate, welcher Ausgangsort ist für den Nationalpark Los Glaciares mit seinem berühmtesten Gletscher „Perito Moreno“. El Calafate erinnert mich spontan an Banff in Kanada, denn auch hier ist die Hauptstrasse mit Souvenirshops im Blockhüttenstil gesäumt. Am Abend gesellen wir uns zu den unzähligen Touristen im Parilla-Restaurant und beteiligen uns an der Parillada (Fleisch vom Grill) Tenedor libre (übersetzt freie Gabel, sprich à discretion). Bei solchen argentinischen Parillas werden hauptsächlich alle möglichen Teile vom Rind (inkl. Blutwurst) und Lamm verbraten. Vor allem die Grillart vom Lamm nach Gaucho-Art kommt auch bei den Touristen gut an: Das Lamm wird gehälftet und aufgklappt auf grosse Grillspiesse gesteckt und neben das offene Feuer platziert. Dort brutzelt es dann langsam stundenlang vor sich hin. Beim Zurücklaufen zum Campingplatz tauchen plötzlich Bernadette und Ivan auf (kennengelernt in La Serena), welche mit dem Bus in den Süden gefahren sind, weil sie die Schotterstrassen ihrem „Hombre“ nicht antun wollten. Mit den beiden hätten wir nun wirklich nicht gerechnet hier unten und darum ist die Freude doppelt gross. Am nächsten Tag geht unsere Glückssträhne betreffend Leute treffen gleich weiter: Endlich lernen wir die „Flohtours“ kennen, Martin und Daniela aus Bern, welche mit ihrem „Floh“ Nord-und Südamerika unterwegs sind. Bereits vorher haben die beiden mit demselben Auto eine Reise durch Indien, Australien und Neuseeland gemacht. In La Paz haben wir die beiden um ein paar Stunden verpasst und darum ist das Hallo dementsprechend gross als wir uns nun endlich sehen. Auch Marcel+Doris und Yukon sind inzwischen in Calafate eingetroffen. Für euch Leser hört sich diese Reisefahrzeug-Trefferei wahrscheinlich langsam verdächtig an. Tatsächlich ist es so, dass hier unten in Patagonien die Strassen immer weniger werden und viele nun auf dem Weg sind nach Ushuaia, wo das Treffen der Reisenden mit Fahrzeug an Weihnachten schon zur Tradition geworden ist. Während die Österreicher und die Berner heute einen Erledigungstag einlegen (gemäss Tinu muss heute die Schwerstaufgabe des Wäsche-in-die-Wäscherei-bringen erledigt werden) fahren wir mit Ivan + Bernadette zum Gletscher, welcher ca. 80 km von Calafate entfernt ist. Warm eingepackt steigen wir zu den Aussichtsplattformen hinunter und bestaunen die mächtige Eiswand vor uns: 4 km breit und ca. 40-80m hoch (je nach Reiseführer, real etwa 55m). Das Eis schimmert blau und wenn die Sonne hinein scheint leuchtet es richtig. Der Perito Moreno ist einer der wenigen Gletscher, der noch wächst. Gespannt gucken wir diesem Schauspiel zu und hören den ächzenden Geräuschen zu. Manchmal tönt es, wie sich der Gletscher unter Schmerzen in den See hineinschieben würde oder man könnte sich vorstellen wie Eis-Gnome tief innen das Eis zum donnern bringen. An diesem Tag kehren wir mit Bernadette und Ivan nach Calafate zurück, aber wir freuen uns schon auf die Rückkehr zum Gletscher. Abends gehen wir alle zusammen „Parilla Tenedor libre“ essen in ein Restaurant mit der doch kuriosen Mischung Argentinisch/Chinesisch. Da brutzelt also das Lamm am Spiess, während daneben ein chinesisches Buffet aufgebaut ist, Leute mit asiatischen Gesichtszügen bedienen und chinesische Lingling-Musik läuft im Hintergrund. Aber, das Essen ist ein Hit!, nach Sascha "Argonesisch", die richtige Mischung Die nächsten drei Tage stehen wir Berner und Österreicher auf dem wunderschönen Campingplatz in der Nähe des Gletschers. Tagsüber sind wir beim Gletscher und warten auf den grossen Abbruch und abends grillen wir zuerst das Fleisch auf dem Grill und dann uns an der „Fritteuse“ im „Floh“. Eine Erklärung dazu: die „Fritteuse“ ist eine Petroleumheizung, welche die Eigenschaft hat, sehr heiss zu werden und nicht regulierbar zu sein, was mit einer Sechserbelegung im Floh doch zu Sauna artigen Verhältnissen führt…. |
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