27. Oktober - 11. November 2003: Küste, Sterne und Tiere: Calama - Santiago

(Monique)

Irgendwann am Mittag fühlt sich Sascha wieder fahrfähig und es gilt einmal mehr Abschied nehmen von Gertrud + Reiner. Unsere Route führt weiter über die Panamericana durch die endlosen trockenen Weiten der Atacamawüste mit Zwischenstopps in Antofogasta und Taltal, wo wir jeweils wild irgendwo am Strand campieren. Um zwischendurch an eine Dusche zu kommen, bieten sich die Copec-Tankstellen mit ihren feudalen Duschcentern entlang der Panamericana und den Hauptrouten an. So kommt es vor, dass wir mitten am Nachmittag ein ausgedehntes Pflegeprogramm durchziehen, gerade dann halt, wenn wir an so einem Duschcenter vorbeikommen.

Von meiner letzten Reise her, weiss ich, dass man in der Nähe von Puerto Viejo, welches bei Bahia Inglesa liegt, wunderbar wild campieren kann. Und tatsächlich, nach längerem Suchen finden wir die schöne Bucht von Playa Blanca, an welcher wir ein romantisches Abendessen zelebrieren. Am nächsten Morgen siedeln wir zum Brunch an die noch schönere Playa Virgen über. Natürlich sind wir nicht die einzigen da und ich bedaure, dass die Meeresgeräusche von der dröhnenden Musik der Gruppe Typen, welche um den Mittag schon gut drauf zu sein scheinen, übertönt wird. Wie es so geht, zwei Stunden später sind wir mitten unter ihnen und trinken mit und plötzlich stört mich die Musik nicht mehr im Geringsten. Nach Saschas fünften Bier und den langsam mühsam werdenden Freundschaftsbezeugungen der Typen mir gegenüber, müssen wir am späteren Nachmittag dieses Gelage verlassen. Heute wollen wir uns etwas Gutes leisten und auswärts feudal essen gehen. Sascha will Meeresfrüchte essen. Schliesslich sind wir ja am Meer und Chile ist berühmt für seine Küche des Meergetiers. Uns wird auch allseitig begeistert ein Restaurant empfohlen. Das „El Macho“ in Caldera soll wundervoll sein und sehr authentisch. Gut, suchen wir dieses „El Macho“ auf, um da von einem betrunkenen, narbengesichtigen, aber sehr lieben Mann zu erfahren, dass diese im Moment nur Fisch anzubieten hätten, denn gewünschte Muscheln hätte es keine frischen im Moment, nur aus Zucht und diese führt das „El Macho“ nicht. Aha. Irgendwie kommt uns dies bekannt vor. Waren wir doch in unseren Ferien an der Nordsee auch in einem Monat ohne „r“ da. Aber jetzt ist Oktober, ein „r“ ist vorhanden, oder zählt dies nicht auf der südlichen Halbkugel? Item, nach langem, finden wir ein Restaurant, in welchem wir die „Ostiones“ (Muscheln) bestellen können. Ich versuche mich an gefülltem „Jaiba“ (Krebs) und bin ganz angenehm überrascht (bin kein Fan von Meeresfrüchten).

Am Sonntag genehmigen wir uns einen Tag auf dem Campingplatz in Bahia Inglesa. Mit 7500 Peso (Fr. 15.--) ist der recht teuer und dies ist noch der Tiefsaison-Preis. Hier in Chile wird meist pro Platz abgerechnet (dieser Preis gilt z.b. für bis 6 Personen). Sascha bekommt heute „frei“, das heisst, es wird nichts am Auto gemechet oder etwas umgeräumt oder sonst einen Streich getan. Er hatte sich nämlich in der letzten Zeit ein bisschen beklagt, dass er gar nie dazu komme, einfach nichts zu tun auf dieser Reise. Nach dem Brunch sitzt er nun völlig ratlos im Stuhl und überlegt was er machen könnte. Eine völlig neue Situation! Ja, es ist nämlich wirklich so, dass man beim Reisen mindestens genauso viel zu erledigen hat wie zu Hause, darunter halt auch so langweilige Sachen wie Putzen, Aufräumen usw.

Die nächste Etappe ist bei Punta de Choros. Hier soll es auf den vorgelagerten Inseln allerlei Fauna zu bestaunen geben. Mit Glück könne man auch Delfine sehen, meint der Touranbieter. Wir leisten uns den Luxus einer privaten Tour auf dem Boot (andere Touristen finden sich nicht ein im Moment). Die See ist rau und der Wind ziemlich kalt. Und tatsächlich, nach einer halben Stunde Fahrt taucht ein Felsen voller Seelöwen auf. Wenig später haben wir das grosse Glück, ein paar Delfine zu sehen. Auch die Pinguine haben es uns angetan und die Kormorane beeindrucken vor allem durch ihre grosse Anzahl.

Weiter südlich in La Serena und dem angrenzenden Tal „Elqui“ sind die grossen Observatorien beheimatet. Hier in dieser Gegend soll es einer der klarsten Himmel dieser Erde geben (neben Hawai und Australien). Die meisten Observatorien sind nur beschränkt für die Öffentlichkeit zugänglich. In Vicuña ist aber das Observatorium Mamalluca öffentlich und bietet Touren an. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Da morgen Vollmond ist, haben wir leider keine sehr gute Sicht auf die Sterne. Der Typ erzählt so viel über Sterne, Planeten, Monde, Galaxien, Supernovas, schwarze Löcher, erwähnt so manche Lichtjahre- und Celsiuszahl, dass ich schon bald die Zusammenhänge verliere. Am meisten beeindruckt, durch das Teleskop zu schauen, wobei diese hier ziemlich klein seien. Es gibt viel grössere, z.B. das VLT (Very large Telescope) von 4m und mehr Durchmesser. Und diese werden in naher Zukunft noch übertroffen.

Am nächsten Tag fahren wir nach La Serena zurück. Dort treffen wir auf dem Parkplatz vom Lider (riesiger Supermarkt; wir sind inzwischen richtige Lider-Fans ;-)) erblicken wir ein Reisemobil. Dieses gehört Bernadette und Ivan aus Davos (www.flacos.ch), welche auch seit einigen Monaten unterwegs sind. Zwei Stunden vertratschen wir auf dem Parkplatz und am Abend setzen wir dies fort in ihrem „Hombre“, was ziemlich lustig wird und Kopfweh verursacht am nächsten Morgen. An diesem Tag führen wir unser Lazy-Leben gleich weiter und schieben einen Kinotag ein. Dann müssen wir aber wieder einmal ein paar Kilometer abspulen, sonst kommen wir nie in dieses Valparaiso, resp. Santiago. Für uns ist es immer noch ungewohnt, eine so grosse Anzahl Kilometer (300-500 km/Tag) an einem Tag und dies noch locker zurücklegen zu können. Wenn wir da an Bolivien zurückdenken….Auf der Höhe von Papudo verlassen wir die Panamericana und steuern Richtung Küste zu. Hier sollen schöne Badeorte und Seebäder sein. Wir sind ganz entzückt über das viele Grün, die schönen Blumen in den Gärten und vor allem von den wunderschönen Villen, die da auf die Felsen gebaut sind. Der Blick aus deren Wohnzimmer muss unvergleichlich sind. Welch Unterschied zum dürren Norden (was für uns Europäer durchaus auch reizvoll ist). Da heute Sonntag ist und zudem ein wunderschöner Tag, sind die Chilenen alle am Strand oder an den Promenaden am flanieren. Auch dieses Bild ist für uns immer noch sehr ungewohnt. Denken wir doch wieder zurück an Bolivien oder Peru und die Leute im Altiplano, so etwas wie ein Wochenende kennen diese Leute nicht.

In Valparaiso ist unter den Travellern die Villa Kunterbunt (ja, wie die von Pippi Langstrumpf, sieht auch etwas so aus) von Martina und Enzo bekannt. Wir treffen da auf Jörg und Bernd, welche am Anfang ihrer 10-wöchigen Tour mit dem Motorrad stehen. Wir hoffen, die beiden weiter südlich wieder anzutreffen. Für uns heisst es jetzt aber: Santiago wir kommen!

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