16.- 26. Oktober 2003: Wüste, Geisterstädte und Mondlandschaften: Arica - San Pedro de Atacama

(Monique)

An der Grenze in Tacna (Peru) müssen wir über eine geschlagene Stunde auf einen 3-Sekunden Ausreisestempel warten, da die gute Frau „Aduana“ (Zoll) heute früher in und später aus dem Mittag kommt, als angeschrieben ist. Wir finden das zwar mühsam, aber nicht wirklich störend, man hat ja Zeit, und es sollte sich als unser Glück erweisen, denn sonst hätten wir wahrscheinlich Wolf und Illona verpasst. Diese hatten uns nämlich geschrieben, dass sie momentan in Arica an den Stränden weilen, aber das war schon eine Woche her. Als wir so gegen Arica zufahren hüpft mir das Herz in der Brust: Endlich sind wir in Chile! Da habe ich mich so lange darauf gefreut (meine letzte Chilebekanntschaft vor 9 Jahren ist mir sehr positiv in Erinnerung geblieben). Und wir scheinen Glück zu haben, von weitem sehen wir Wolf und Illonas Truck stehen, die sich da gerade vor einer Stunde wieder hingestellt haben. Die Wiedersehenfreude ist gross. Im Campingstuhl sitzend, mit dem Bier in der Hand, gegen die warme Sonne blinzelnd, die Brandung im Ohr und die Meerluft in der Nase macht sich bei mir das totale Ferienglück breit. Jetzt freuen wir uns auf den Supermarkt mit all seinen Köstlichkeiten, welche es hier wieder zu kaufen gibt (Käse und Wurst und sogar Nutella, etwas das wir in der CH nie essen ;-)) und wir kommen fast in einen Kaufrausch, so dass sich schon bald die Frage stellt, wohin mit all diesen Sachen? Heute gibt es zum Znacht „Gschwellti“, Käse und Salat und eine Flasche feinen chilenischen Wein. Wenn das nicht ein gelungener Reisetag ist!

Zwei Tage verbringen wir mehr oder weniger mit Nichtstun, ausser zum Beispiel Besuchen im Sodimac (Do-it-yourself Center, vergleichbar mit den grossen Obi-Märkten in Deutschland) wo Sascha durch jede Gestellreihe streift (wie war das noch mal vor einem halben Jahr? Zitat Sascha.. „mir hängen diese Baumärkte zum Hals raus“…)und ich trolle mich derweilen in die Gartenabteilung und finde die grünen Pflänzchen und Blümchen gar entzückend. Schliesslich hatte ich ja daheim auch immer einen Minigarten auf den Balkonen. Wir verbringen wieder gemütliche Abende in Wolf + Illonas Mobil, bevor wir dann weiter in den Süden Richtung Iquique weiterfahren. Hier wollen wir zu Sergio Cortez, welchen uns Wolf und Illona wärmstens empfohlen haben. Er wisse ganz sicher, wo man die Wunden von Osito wieder heilen kann. Und tatsächlich, besagter Sergio, der übrigens mit einer Schweizerin verheiratet ist, eine Touragentur führt und Landsegler baut und fährt (fährt man mit diesen Dingern?), weiss uns einen fähigen Karosseriespengler. Dieser begutachtet den Schaden ein bisschen mit einem Stirnrunzeln und meint dann, er brauche dazu zwei Tage und 40’000 Pesos (Fr. 80.--). Nach diesen zwei Tagen sieht Osito wieder aus wie neu und die Website ist wieder up to date. Weiter geht’s Richtung Calama mit Umwegen über Maria Elena (belebte Minenstadt, Wildweststimmung…) und San Pedro de Valdivia, welche 1997 aufgegeben wurde und jetzt eine Geisterstadt ist. In der Nähe von Calama liegt Chuquicamata, die weltgrösste offene Kupfermine. Da erfahren wir, dass die Tour neu auf den Nachmittag um 14.00 h verlegt wurde und dass man sich um 13.00 h einschreiben kann. Wir beschliessen, auf dem Rückweg von San Pedro de Atacama nochmals vorbeizukommen.

San Pedro de Atacama ist ein an sich recht herziges, aber sehr teures und nun sehr touristisches Oasenstädtchen in der trockensten Wüste der Welt, in der Atacamawüste. Das Dorf ist Ausgangspunkt für verschiedene attraktive Landschaften. Unter anderem zum 3. grössten Salzsee, dem Salar de Atacama, zur Mondlandschaft vom Valle de la Luna, zu den Tatio Geysiren und nach Boliven zur Laguna Verde usw. Schnell stellen wir fest, dass in Chile die Campingplätze sehr teuer sind. 10-15 Fr. ist keine Seltenheit und manchmal kriegt man dafür nicht einmal eine warme Dusche. So ist öfters einmal wild campen angesagt, was hier in Chile kein Problem ist. Auf unserem Sightseeingprogramm steht der Salar, die dampfenden und höchstgelegenen El Tatio Geysire (ca. 4500 m.ü.M.)und das Valle de la Luna. Bei den Tatio Geysiren übernachten wir gleich auf dem Parkplatz und mit uns haben sich zwei Studenten aus Buenos Aires mit ihrem altersschwachen „Döschwo“ eingerichtet. Es ist schön, den härzigen Dialekt der Argentiner wieder zu hören, der wirklich zum verlieben ist. Die Tatio Geysire beginnen ihr Schauspiel in den kalten Morgenstunden wenn die Sonne hervorkommt, was vor allem mit den klimatischen Bedingungen zusammenhängt. Auch wir fotografieren das Schauspiel ausgiebig und warten bis die zahlreichen Touristenbusse sich aus dem Staub gemacht haben und wir die herrliche Landschaft wieder für uns geniessen können.

Nach einem Sonnenuntergang auf der Düne, mit zig anderen Touristen im Valle de la Luna, fahren wir wieder zurück nach Chuquicamata, der erwähnten weltgrössten Kupfermine. Mit uns warten viele andere Touristen und geduldsam beantworten wir die immer wieder gleichen Fragen, welche wir jeweils gestellt bekommen: „Was, das Auto ist von der CH? Wie, mit dem Schiff nach Buenos Aires? Wie lange geht das denn? Wurde das nicht langweilig? Wie ist die Route? Wie lange seit ihr unterwegs? Seit ihr Mechaniker (…jetzt schon, ächz. Anm. d. Red.)? Und so weiter und so fort… Nun geht’s aber los mit der Tour und ein Minenarbeiter zählt uns in schnellem, genuscheltem Chilenisch oder auf gleichsam schnellem genuscheltem englisch mit spanischer Aussprache, dass man genauso wenig versteht, die Superlativen der Mine auf. Wie gesagt, er spricht so schnell, dass man die Zahlen nicht versteht und nur einige wenige konnte ich mir merken: Ein Rad eines Riesentrucks kostet 25'000 US$ (es hat 6), der ganze Truck kostet 3 Mio US$, die grössten können 400t laden. In der Mine arbeiten 8000 Leute und es hat 14000 Contractors. Da die Schadstoffbelastung im Ort über den Grenzwerten liegt, wird die ganze Bevölkerung nächstes Jahr nach Calama umgesiedelt und der Ort selber dann zugeschüttet, bis auf den Friedhof, welcher bestehen bleibt.

In Calama fahren wir auf den Campingplatz Club de Campo Extraccion ein und sehen mit Freuden ein uns bekanntes Mobil. Es sind Reiner und Gertrud, welche wir in Nasca kennengelernt haben. Wir freuen uns riesig, die beiden wieder zu sehen. Das Wiedersehen wird dann vor allem an darauffolgenden Abend gefeiert, was vor allem bei Sascha zu heftigen Kopfschmerzen am nächsten Morgen führt.

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