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In Cusco sind wir vor allem wegen einem gelandet: Wir wollen den legendären Inka-Trail nach Machu Picchu abwandern! Am Sonntag treffen wir in Cusco ein (wieso kommen wir immer an Sonntagen in die Städte? Es bleibt für uns ein Rätsel.) Nach langwieriger Suche nach einem Standplatz für unseren Osito, entschliessen wir uns schlussendlich für das Estacionnamento in der Saphi Strasse und das Hotel Inka’s Inn gerade daneben. Danach machen wir uns ans Abklappern der verschiedenen Touranbieter. Derer gibt’s in Cusco mehrere Hundert und der Reisende hat die Qual der Wahl. Die Preiskategorien sind sehr unterschiedlich, versprechen tun sie aber fast alle dasselbe. Schlussendlich entscheiden wir uns am nächsten Tag für das Angebot von „Andean life“. Dieses überzeugt (vor allem weil wir uns auch die Teilnehmerliste angucken dürfen…) und wir buchen gleich die Tour für morgen Dienstag. Jetzt müssen wir uns aber sputen mit packen! Tag 1 Um 7 Uhr werden wir im Hotel abgeholt. Neugierig mustern wir die anderen Tourmitglieder. Unsere Gruppe scheint aus Pärchen zu bestehen und ist geographisch gut verteilt: UK/Frankreich, New Zealand, USA, Kanada und wir CH. Unser Führer heisst Carlos und spricht sogar ein verständliches Englisch, was nicht selbstverständlich ist. Der Koch heisst Cesar. Weiter kommen noch neun Träger mit. Nach einer dreistündigen Fahrt kommen wir beim Km 82 an. Es kann losgehen! Nach einer genauen Prüfung des Billets anhand von Pass und Studentenkarte (seit La Paz sind wir glückliche Besitzer von dieser Karte und wir können schon hier auf dem Trail 25 US $ sparen) können wir abmarschieren. Heute sind einfache 12 km zu bewältigen. Der Weg ist meistens eben und führt uns bereits an der ersten eindrucksvollen Ruinen von Willkarakay vorbei. In Wayllabamba auf 3000 m ist unser erstes Camp. Dies ist das letzte Dorf auf dem Inka-Trail und es hat sogar ein Shopping-Center (oder „Shoping Center“), siehe Foto ;-). Mir tut schon nach diesen 4 Std. laufen der Rücken weh. Wie soll das nur morgen werden? Tag 2 Um halb sechs werden wir mit einem Coca-Tee geweckt. Im Schlaftaumel verschütte ich den Inhalt meines Bechers über unsere Schlafmätteli. Der Tag fängt ja gut an. Nach einem reichhaltigen Frühstück marschieren wir gegen sieben Uhr los. Der 2. Tag gilt als der härteste, weil es den höchsten Pass (4200m) zu überqueren gilt. 1200 Höhenmeter und das an einem Stück! Schon die ersten paar Meter sind steil und daran ändert sich in den nächsten vier Stunden nicht viel. Um halb acht stopfe ich mir schon die ersten Coca-Blätter in den Mund. Dazu kommt ein Krümel „Asche“, dies soll wie ein Katalysator wirken. Ausserdem betäubt es die Zunge und so merkt man den nicht so angenehmen Geschmack weniger. Ich weiss nicht, ob es am Coca liegt oder an meiner reduzierten Gehgeschwindigkeit, auf jeden Fall fällt das Atmen schon ein bisschen leichter. Nach zwei Stunden erreichen wir den „Znüniplatz“. Hier kann man sich nochmals mit Getränken und Stärkungsmitteln wie Schoki und Riegeln eindecken. Ich bevorzuge eine weitere Ladung Coca-Blätter. Nur diesmal muss ich sie in die linke Backe stopfen, da die rechte schon ganz wund ist (habe wohl doch ein bisschen zu heftig daran rumgekaut). Jetzt gilt es ernst. In der Ferne sehen wir den 4200 m hohen Pass „Abra de warmi wañusca“ oder auch „Dead Woman’s Pass“. Wie eine Ameisenstrasse zieht sich der Weg mit den vielen Wanderern hinauf. Denn es ist ja klar, dass wir nicht die einzigen sind auf diesem Trail. Im Vorfeld haben wir wenig Gutes über den Inka-Trail gehört. Von wegen es habe zu viele Leute, sei dreckig usw. Jetzt im Oktober ist bereits der Beginn der Regenzeit und dementsprechend hat es weniger Touristen. Mit uns sind ca. 200 Leute gestartet. Maximum sind pro Tag 500 Leute erlaubt, das heisst auf dem gesamten Treck befinden sich in der Hochsaison ca. 2000 Leute. An den neuralgischen Stellen wie den Campsites oder jetzt hier am steilen Aufstieg ballen sich die Leute schon zusammen. Ich für meinen Teil, empfinde es als ganz amüsant die anderen zu beobachten. Jeder kämpft für sich. Jeder hat eine andere Methode. Die einen rennen die zum Teil sehr steilen Inka-Stufen praktisch hinauf, um alle paar Meter heftig atmend wieder stehen zu bleiben. Ich lege schon bald einmal den Kriechgang ein und schleiche so langsam aber stetig den Weg hinauf. Komischerweise überhole ich auch in diesem Schneckentempo immer wieder die „Raser“. Dem einen Kumpanen begegne ich ohne Übertreibung ca. zehn Mal und das sollte auch für den Rest des Trails so bleiben. Das scheint sowieso eine lustige Gruppe zu sein. Mit meinem Überholfreund ist da noch die Engländerin, die absolut nichts zu tragen hat und mit ihren leichten Trekkingschuhen nur auf den Zehenspitzen läuft. Oben auf dem Pass (den sie trotz mehrmaligem Überholmanöver nach mir erreicht) wird sie sich gleich eine Zigarette anzünden. Aber ich greife vor. Noch bin ich nicht oben. Sascha ist schon längst aus meinem Blickfeld entschwunden und auch die anderen der Gruppe sind entweder vor oder hinter mir. Der Weg führt jetzt durch einen wunderschönen Wald, richtig märchenhaft sieht es hier aus, die Bäume sind wie von Spinnweben behangen. Bleibt man stehen und dreht sich um, fällt der Blick auf das wunderbarste Panorama. Es ist einfach unglaublich. Der Blick nach oben sagt einem, dass es noch gut eine Stunde weiter geht mit der Quälerei. Ich verwünsche jedes angefressene Kilo und auch der Rucksack dürfte eigentlich weniger schwer sein. Zum Glück habe ich Wanderstöcke gemietet. An diesen kann ich mich die Treppen hochhieven. Irgendwann ist der Passes ganz nah und ich sehe Sascha oben stehen mit den Föteler gezückt. Ich bin oben. Geschafft. Wow sind wir glücklich. Wenn es nach oben geht muss man auch wieder runter. Die anschliessenden 1 ½ Stunden bis zum heutigen Camp gehen ziemlich in die Knie. Um zwei Uhr sind wir bereits da. Den Nachmittag können wir ausruhen. Abends schickt uns Carlos früh ins Bett: Um 20.30 h! Morgen müssen wir noch früher aufstehen. Tag 3 Früh werden wir wieder geweckt. Diesmal schaffe ich es, den Coca-Tee nicht zu verschütten. Heute müssen 15 km und zwei Pässe bewältigt werden (3900 und 3650m). Unterwegs kommen wir an verschieden Ruinen vorbei, deren Namen ich vergessen habe. Auch heute überhole ich immer wieder meinen „Freund“. Der Aufstieg zum dritten Pass erweist sich als sehr angenehm, weil es immer wieder Stücke geradeaus geht. Nebel ist plötzlich aufgezogen und der Weg führt wieder durch Märchenwald. Wo sind nur die anderen geblieben? Ganz alleine wandern Sascha und ich durch diese Zauberlandschaft. Es ist doch immer wieder erstaunlich wie gut sich die Leute verteilen. Auch sind wir überrascht, wie sauber der Weg ist. Das muss früher ganz anders gewesen sein. Tatsächlich ist es so, dass im 2001 ziemlich strikte Regulierungen eingeführt wurden, weil es mit dem Dreck so schlimm war. Früher konnte man einfach so den Inka-Trail erwandern. Heute darf man nur mit Führer auf den Trail. Die Eintrittspreise wurden ziemlich erhöht (50 US$) und es darf nur noch an den vorgesehenen Campingplätzen übernachtet werden. Da hat es auch immer sanitäre Anlagen. Das ist zwar weniger romantisch, dafür weniger „gruusig“ als früher wo jeder irgendwo hingekackt hat. Ausserdem ist auch eine Müllsammlungstruppe unterwegs. Es gibt halt immer noch Touristen, die ihre Snickers- und andere Riegelverpackungen achtlos wegwerfen. Nach dem dritten Pass kommt gemäss Carlos eigentlich der härteste Teil: Zwei Stunden nur bergab, teilweise über steile Stufen. Sascha und ich wandern gemütlich zusammen. Ich glaube wir brauchen 2 ½ Std. Am Schluss habe ich so den Knieschlotter, dass ich fast nicht mehr gehen kann. Jetzt sind wir beim 3. Camp angelangt, welches gleichzeitig auch das „feudalste“ ist. Hier kann man sogar warm duschen und es gibt ein Restaurant und Hostals. Es schlafen auch die Touristen hier, welche den 2-Tages Trail machen. Zum Glück ist das Camp von Andean Life weit vom lärmenden Restaurant weg. Am Abend verabschieden wir uns von den „Porteros“, den Trägern. Alle sagen uns ihren Namen und was sie getragen haben. Wir sind alle tief beeindruckt über ihre Leistung und danken es ihnen mit einem groszügigen Trinkgeld. Carlos erzählt uns ein bisschen von seinen Erlebnissen als Führer, von den schlimmen Zuständen von früher. Was uns aber beeindruckt, ist als er von seiner ältesten Inka-Trail Absolventin erzählt. Sie war 80 Jahre (!) alt, aus den USA und in ihrer Gruppe war die jüngste 65, wobei diese am meisten Mühe gehabt habe. Sein jüngster Teilnehmer war ein Bub von 5 Jahren. Er sei alles selber gelaufen und am Schluss sei die Mutter kaputter gewesen als der Kleine. Heute müssen wir sogar schon um 20.00 h ins Bett! Morgen heisst es um 03.45h aufstehen! Tag 4 Die halbe Nacht hat es geregnet. Aber als wir aufstehen müssen, tröpfelt es nur noch leicht. Im Finstern versammeln sich die Gruppen. Heute ist der grosse Tag und wir werden belohnt für unsere Mühe. Wir sehen Machu Picchu! Ich freue mich schon riesig. Die sechs Kilometer wandern wir eine leichte Strecke im Morgendunst. Sascha rennt schon fast. Er will unbedingt einer der ersten sein beim „Sungate“, da wo der Blick zum ersten Mal auf Machu Picchu fällt, damit er einen guten Fotoplatz hat. Die letzten Meter führen über hohe und steile Treppenstufen. Voller Erwartung komme ich keuchend oben an und … sehe nichts! Nebel! Wo ist Machu Picchu? Eine komische Stimmung ist da oben bei diesem Sonnentor. Haben wir diese Mühe wirklich umsonst auf uns genommen? Soll es nicht sein? Carlos tut es richtig leid und kann unsere Enttäuschung nachfühlen. Wir wandern hinab. Irgendwann stehen wir bei einer Kante vor einer weissen Nebelwand und Carlos erklärt mit einer weit ausholenden Armbewegung: „Hier ist Machu Picchu, so wie man es immer auf den Postkarten sieht“. Schön. Er beruhigt uns aber und meint, in etwa zwei Stunden sei der Nebel weg. Da werden aber auch die Tagestouristen da sein. Nun gut, es ist nicht zu ändern. Die Regeln wollen es, dass wir die Rucksäcke abgeben müssen. Auf dem Weg zum Deposit hält Sascha plötzlich und spricht ein uns entgegenkommendes Pärchen an: „He.. wohnt ihr nicht schräg unter uns?“. Die Welt ist ja so klein. Begegnen wir doch tatsächlich unseren Nachbarn vom Seidenweg, welche für einen Monat in Peru Ferien machen! Carlos führt uns zwei Stunden durch die Ruinen und erklärt diese ausführlich. Das Ganze ist hochinteressant. Machu Picchu wurde eigentlich nur durch Zufall von Hiram Bingham 1911 entdeckte. Die Nebelschwaden lichten sich nun und langsam können wir die Grösse von Machu Picchu erfassen. Es ist wirklich unbeschreiblich, hier zu stehen. Noch bis zum Mittag wandern wir herum, und lassen die Magie dieser „verlorenen Stadt“ der Inkas auf uns wirken. Um den Mittag kommen dann die Menschenmassen und wir flüchten auf den Bus. Dieser führt uns in halsbrecherischer Fahrt (jetzt wissen wir wieder, warum wir mit dem eigenen Auto unterwegs sind) nach Aguas Calientes. Hier nehmen wir im Thermalbad ein erholsames Bad, bevor es dann auf den Backpacker’s Train um 16.20 h zurück nach Cusco geht. Mit unglaublichen Eindrücken, einem Muskelkater und einer Pizza im Bauch (die uns die ganze Nacht quält und wir am nächsten Morgen wieder loswerden müssen) sinken wir abends todmüde in unser weiches Hotelbett. |
fotoalbum inkatrail | |