2 . - 14. September 03 - Zurück über Trinidad und Rurre nach La Paz

(Monique)

Für uns geht’s nun wieder zurück nach Bolivien auf derselben Strasse wie wir gekommen sind. In diesen Tagen ist es 36° heiss und wir können endlich mal nachfühlen, wie es euch in der Schweiz diesen Sommer ergangen ist. Zügig passieren wir die Grenze (wir haben ja jetzt den Türk raus) und wir haben wieder Schotterpiste unter den Rädern. Und kaum haben wir die Grenze hinter uns beginnen, wie beim letzten Mal als wir in Bolivien eingereist sind (ihr erinnert euch: nach 35 km Plattfuss), die „Beschwerden“: Zuerst gibt es komische Geräusche vom Dachträger, welcher sich scheinbar zu desintegrieren anfängt (Halterungen reissen), dann fällt uns plötzlich das Ablagefach, welches über unseren Köpfen in der Führerkabine angebracht ist, auf die Köpfe und schlussendlich macht uns ein Typ bei einer der unzähligen Passierkontrollen darauf aufmerksam, dass wir Diesel verlieren. Auweia, beim Zusatztank ist eine Schweissnaht gerissen. Diese lassen wir bei einem Überlandmech behelfsmässig mit einer Art Plastikmasse abdichten. Total verschwitzt und staubig treffen wir gegen Abend in San Ignacio de Velasco ein. Hier wollen wir zu Ruben und fragen, ob wir wieder bei ihm übernachten dürfen. Zuerst macht aber Sascha eine Runde um den Plaza bis… plötzlich Chrigi vor uns steht. Das ist ja wieder ein Zufall! Die beiden „machen“ jetzt den gleichen Weg wie wir eine Woche zuvor. Sie sitzen draussen vor einem Restaurant und mit ihnen ein weiteres Ch-Päärli: Adi + Moni aus Luzern. Das wird langsam eine richtige „Süüch“ mit diesen Schweizerreisenden ;-). Später kurven wir bei Ruben vor und der ist gerade mitten - wie könnte es anders sein - in einer Parillada inkl. Singani mit Freunden. Er scheint ehrlich Freude zu haben, uns widerzusehen.

Am nächsten Tag geht die Zufallstrefferei gleich weiter. In Concepción fahren wir zum Mittagessen bei der Plaza vor. Nachdem wir mit J&F meist einen Mittagshalt einlegten, knurrt uns jetzt jeweils auch den Magen um diese Zeit. Wir stechen in ein gemütlich aussehendes Restaurant und staunen nicht schlecht, als da Renato + Martina an einem Tisch sitzen, mit welchen wir zwei gemütliche Abende in Sucre verbracht haben. Bolivien ist ja wirklich ein Dorf. Die Wiedersehensfreude ist gross, und es gibt wieder einiges zu berichten.

So, die nächsten Tage müssen wir aber zügig weiter, denn mit unserem „Umweg“ nach Brasilien sind wir ca. 3 Wochen hinter unserem Reiseprogramm. Von San Javier geht’s auf einer mehrheitlich schnurgeraden Teerstrasse nach Trinidad. Hier dürfen wir im schönen Balneario an der Laguna Suarez campieren, bevor es dann am nächsten Tag weiter geht. Schon bald stellt sich heraus, dass jetzt schluss ist mit schöner Teerstrasse und dass die nächsten paar Hundert Kilometer ziemlich hart werden dürften. Zuerst einmal muss der Fluss drei mal mit abenteurlichen Fähren überquert werden. Und dann geht’s wieder geradeaus, so weit das Auge reicht. Sascha gibt Gas, schliesslich wollen wir die vielen Kilometer bald einmal hinter uns bringen. Aber just in dem Moment als wir uns sagen, dass die Piste gar nicht so schlimm sei, beginnen die tiefen Furchen und Löcher und zuweilen schlagen wir hart auf. Jemand mit einem Rückenschaden hätte jetzt ein Problem. Sascha ist fast am verzweifeln, weil es ihm der "Grind" nicht zugibt 20 km/h zu fahren und so kommen wir ziemlich müde am Abend in San Borja an. Am nächsten Tag sieht es leider nicht viel besser aus. Die gut 150 km nach Rurrenabaque erledigen wir in ca. 4 Std.

„Rurre“, ein schnusiges Städtchen am Rio Beni, ist der Ausgangspunkt für Touren in die Pampa und in den Dschungel. In der Pampa sind in etwa die gleichen Tiere anzutreffen wie im Pantanal und da wir für die nächsten 20 Jahre genug Kaimane gesehen haben, entscheiden wir uns für eine Dschungeltour. Das wurde ein ziemliches Abenteuer für uns und verdient sozusagen einen „Extrabericht“. Siehe Reisebericht 16: 5 Tage im Dschungel.

Nach Rurre, Richtung Trinidad, wird die Strasse kurvig und nach jeder Kurve zeigt der Höhenmeter wieder ein paar Meter mehr an. Wie das immer so geht bei kurvigen Strassen, kommen wir nicht so weit wie gedacht (wollten eigentlich bis Coroico, welches in den Yungas liegt) und so kommen wir „nur“ bis Caranavi. Jetzt gilt es eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden, einen Camping scheint es eh keinen zu haben, und wir klopfen die Hotels mit Garage oder Parkplatz ab. Aber irgend etwas scheint hier im Gange zu sein, denn jedes ist ausgebucht und auf den Parkplätzen stehen Rallyautos herum. Morgen finde eine Rally über die Yungastrasse statt, werden wir aufgeklärt. Nun gut, nach längerem Suchen kann Sascha den Aufpasser beim Alojamento Vanessa überzeugen, dass wir im Innenhof parkieren und übernachten dürfen. Am nächsten Morgen werden wir bereits um 7 h aus unseren Träumen gerissen: Ist doch der Start des besagten Rallys nur 100m vor der Hoteleinfahrt. Da ist nix mehr mit schlafen und so bleibt uns nichts anderes übrig, als uns auch unter die Schaulustigen zu mischen. Um 10 h ist dann der Spuck vorbei und auch wir dürfen die Strasse unter die Räder nehmen. Ich bin schon ganz nervös, denn heute geht es über die berühmt berüchtigte „Todesstrasse“ nach La Paz. Diese Strasse erlangte ihre traurige Berühmtheit durch die unzähligen Unfälle, welche sich hier immer wieder ereignen (gerade im August ist wieder ein Bus mit 30 Personen ins Tal gestürzt), wovon auch die vielen Kreuze am Wegesrand zeugen. Tatsächlich müssen wir schon bald einmal halten, weil weiter vorne ein Camion gekippt ist. Zum Glück auf die Hangseite und nicht in den Abgrund. Ich gucke die meiste Zeit angestrengt nach vorne, weil es mir beim Anblick rechts den Abhang sonst ganz anders wird. Da die Strasse so schmal ist, gilt hier Linksverkehr, weil jeder Centimeter ausgenutzt werden muss. Wir sind froh, kommen wir von unten, so dass wir uns links am Hang halten dürfen und nicht rechts am Abhang balancieren müssen. Heute ist Sonntag und es ist dementsprechend wenig Verkehr. Der Gegenverkehr besteht fast nur aus den vielen Velofahrern, die sich hier auf dem „Experience of your life“ befinden und eine Downhilltour mit den Mountainbikes gebucht haben. Für mich wäre das definitiv nichts, zumal es heute noch regnerisch und glitschig ist, und aus den teilweise ziemlich gequälten Gesichtsausdrücken zu schliessen, scheint es für manche auch nicht nur „fun“ zu sein.

Plötzlich scheint der Spuck vorbei zu sein und wir befinden uns auf einer breiten Teerstrasse wieder, welche über den 4700 m hohen Pass „la Cumbre“ führt. Von hier ist es noch eine Stunde bis La Paz. Bald einmal können wir erste Blicke auf die Stadt werfen und uns entweicht ein fasziniert Ohhhhh.....

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