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Wir haben uns fest vorgenommen, im Laufe unserer Reise irgendwann mal eine Dschungeltour zu machen. Bei den Stichwörtern Dschungel und Südamerika kommt einem spontan das Amazonasgebiet Brasiliens in den Sinn. Aber natürlich grenzen auch andere Länder an dieses riesige wilde Grün, wie z.B. Ecuador, Peru oder eben Bolivien. Verschiedene Traveller haben uns von ihren Dschungeltouren, welche sie von Rurrenabaque (kurz Rurre) gemacht haben, vorgeschwärmt. Adi und Monika aus Luzern z.B. waren auf einer 8-tägigen Tour. Wir haben eigentlich an etwa 3 Tage gedacht, aber das sei viel zu kurz meinen die beiden, sie hätten es gut auch noch länger als die 8 Tage ausgehalten. Manche machen sogar 20 30 tägige Touren. Rurre liegt nun fast auf unserem Weg nach La Paz, „nur“ ein kleiner Abstecher von 100 km schlimmster Strasse muss bewältigt werden, und das bei brütender Hitze. In Rurre gibt es unzählige Touranbieter und der Reisende hat die Qual der Wahl, einen davon auszuwählen. Ein ausgeklügeltes Bewertungssystem, welches man im Tourist-Office angucken kann, hilft ein bisschen weiter. Wir entscheiden uns schlussendlich für Enin-Tours, mit diesen waren auch Adi und Moni unterwegs, sogar den gleichen „Guia“ bekommen wir, nämlich Mario. Dazu kommt noch Ramon, welcher kocht. Was wir denn mitnehmen müssen fragen wir Leo den Besitzer. „Nada, ay todo“, die Sandalen wären noch gut, meint er. Nun gut, wir packen also nach Gutdünken etwas zusammen, was aber schwierig ist bei Temperaturen von schwülen 25 Grad in der Nacht, da hat man dann doch eher ein reduziertes Vorstellungsvermögen, was die Kleiderwahl usw. betrifft. In der Nacht auf den Sonntag, bevor es losgehen soll, fängt es an zu regnen und auch am morgen als wir aufstehen giesst es noch in Strömen. So haben wir uns das natürlich nicht vorgestellt und machen Leo den Vorschlag erst morgen mit der Tour zu starten. Bis in einer Stunde höre es sicher auf, meint Leo. Wir sind skeptisch, denn schliesslich regnet es seit Stunden, wieso sollte es da genau auf Tourbeginn aufhören? Aber manchmal passieren eben Wunder und eine Stunde später scheint tatsächlich die Sonne und es geht los für uns. Der Madidi Nationalpark wurde 1995 gegründet und ist fast 19’000 km2 gross. Mit dem Boot fahren wir ein Stück den Rio Beni hinauf zum 1. Camp. Nach dem leckeren Mittagessen gibt’s ein Spaziergängli auf einem ausgetretenen Pfad zu einem „Mirador“ (Aussichtspunkt). Mario erklärt uns viel über die Pflanzenwelt und die Heilkräuter, welche die Indigenas brauchen. Da gibt es zum Beispiel das Kraut gegen die „bösen Geister“, aus der Rinde eines speziellen Baums kann man „Mate“ (Tee) gegen Durchfall und anderes brauen, ein Pilz hilft bei Schwangerschaftsproblemen usw. Nach der Rückkehr gibt es ein Zvieri und dann sollen wir uns ein bisschen in den Hängematten ausruhen bevor es das Znacht gäbe. Alles in allem sehr gemütlich, denken wir, so lässt sich das Dschungelleben gut aushalten. Wir reden noch lange mit Mario in die laue „Winter“-Nacht hinein, wobei er uns erzählt, dass er 32 Jahre alt ist und vier Kinder hat. Stolz erwähnt er das Alter der Kinder, das älteste ist 14 Jahre alt und das jüngste 8 Jahre. Potz, der Junge hat aber Gas gegeben. Diese Nacht schlafen wir wie Herrgöttli, sogar die Dschungelgeräusche halten sich in Grenzen (ich habe da ein bisschen andere Erinnerungen an eine Dschungeltour in Venezuela). Das sollte unsere letzte bequeme Nacht werden…. Am nächsten Tag weckt uns die Sonne und nach einem exzellenten Frühstück ziehen wir los. Mario und Ramon sind beladen mit ca. 40 kg schweren „Rucksäcken“ aus Reisssäcken, da sind wir mit unseren 10 Kilo Rucksäcken richtige Weicheier dagegen. Es ist heiss und der Schweiss strömt in Bächen. Mario zeigt uns die Spuren eines Jaguars, den Kot von Tapiren und die abgefressenen Pflanzen von Wildschweinen. Es wäre natürlich toll, wenn wir diesen Tieren begegnen würden, aber da brauche es „mucho suerte“ (viel Glück), meint Mario. Und siehe da, heute scheinen wir Glück zu haben, Ramon, welcher ein bisschen vorausgegangen war, kommt zurück und meldet dass da vorne viele Wildschweine seien. Mario bedeutet uns die Rucksäcke abzulegen und ihm vorsichtig nachzulaufen. Natürlich machen wir für seine Begriffe viel zu viel Krach, obwohl wir uns doch wirklich Mühe geben, nicht wie Elefanten aufzutreten. Plötzlich hören wir lautes Knacken und Rumoren und ein beissender Geruch schlägt uns entgegen. Im Gebüsch entdecken wir ein schwarz-graues borstiges Etwas. Ja, das ist eine Wildsau und da ist ja noch eine und noch eine und plötzlich setzen sich alle in Bewegung und laufen mit einen grossen Gepolter vor uns über den Weg, das müssen sicher über 20 Stück sein. Huch, welch ein Erlebnis, Marios Augen glänzen, unsere wohl auch. Nach einem 4 stündigen Märschli kommen wir im 2. Camp an. Dieses ist zwar um Längen einfacher als das erste aber immerhin hat es noch eine „Küche, Tisch und Bank und ein „Schlafsaal“, alles sehr simpel mit Bambus und Zeltplanen gebaut. Unterwegs hat Mario einige Palmensamen gesammelt und nun machen sich die beiden mit Eifer daran, uns aus diesen Ringe zu basteln, währenddessen wir in den Hängematten rumdösen und dort von den Fliegen und Moskitos fast aufgefressen werden. Das mit diesem Kleingetier im Dschungel ist ja schon eine Herausforderung für sich. Mario schärft uns ein, immer die Hängematte auszuschütteln bevor wir uns reinsetzen oder in der Nacht über die Schuhe die Socken zu stülpen, damit sich da nicht etwelche Viecher wie Skorpione oder Taranteln einnisten. Schön, gut zu wissen. Die Kakerlaken auf dem Tisch und die Riesenspinne, die ihren Bau neben dem Nachtlager hat (ihr Biss verursacht immerhin 24h höllische Schmerzen) nehmen wir schon ganz gelassen hin. Am Abend waschen wir uns im Bächli den Schweiss des Tages vom Körper, auch das sollte unsere letzte „Dusche“ sein für die nächsten paar Tage…. In dieser Nacht fängt es dann wieder zu regnen an. Was anfangs für unsere Verhältnisse noch ein normaler Regen ist, wandelt sich später zu sintflutartigen Güssen und ich habe meine Bedenken, ob das gespannte Plastik über uns auch wirklich hält. Das tut es erstaunlicherweise tatsächlich und wir überstehen diese Nacht einigermassen trocken. Mario und Ramon hatten weniger Glück, ihr Nachtlager wurde komplett durchnässt. Auch während des Morgens will der Regen nicht aufhören. Die beiden Führer versuchen ihre Sachen, so gut es eben geht, über dem Feuer zu trocknen. Ramon meint, dass es im September eigentlich nie regne. Dass sei sicher nur, weil wir die komplette Regenausrüstung mitgenommen hätten. Tatsächlich sind wir im Gegensatz zu den beiden mit unseren Goretexjacken und Regenhosen ziemlich gut gerüstet und müssen auch nicht frieren. Die beiden tun uns leid, wie sie da mit kurzen Hosen und T-Shirts bei diesem Hudelwetter ihre schweren Lasten buckeln. Gegen Mittag ziehen wir dann los. Heute verlassen wir die ausgetretenen Pfade und Mario schlägt bilderbuchmässig mit der Machete einen Weg durch das grüne Dickicht. Der Regen hört zum Glück schon bald einmal auf. Die Blätter sind aber noch nass und der Boden sehr glitschig. Mario und Ramon machen die ganze Zeit Tiergeräusche nach. Hier in dieser Gegend soll es Affen haben. Tatsächlich „antworten“ diese plötzlich aus der Ferne und wir pirschen uns in die Richtung aus der die Rufe kommen (Mario verzweifelt fast wieder, weil wir so laut sind). Plötzlich entdecken wir die Affen oben auf den Bäumen. Einer hat noch ein Junges auf dem Rücken. Geschickt turnen sie von Ast zu Ast, eine ganze Familie muss das sein. Weiter geht’s rauf und runter im Grün. Wir kommen uns vor wie Tarzan, Mowgli und Indiana Jones zusammen. Nach vier Stunden haben wir langsam den Eindruck, dass die beiden nicht mehr genau wissen, wohin wir eigentlich sollten. Immer wieder gehen, bzw. klettern wir einen Hang hinauf (ich hätte nie gedacht, dass es hier so hügelig ist), damit die beiden einen Blick auf entferntere Hügel erspähen können. Inzwischen ist es schon fünf Uhr und es wird schon ziemlich dunkel hier im Dickicht. Ich frage mich ernsthaft, wie die beiden sich orientieren. Vielleicht bewegen wir uns ja im Kreis, wer weiss das schon. Sascha hat zwar das GPS dabei, das nützt aber ziemlich nichts hier, schliesslich braucht es für die Ortung freie Sicht zum Himmel. Halb sechs, alles was wir wissen ist, dass die beiden zu einem Fluss wollen, denn wir haben kein Wasser mehr. Sascha faselt was von einem Bier und einer Pizza, die er sich reinziehen will wenn wir zurück sind. Um sechs Uhr gelangen wir tatsächlich zu einem Flüsschen und kurz vor dem Eindunkeln haben wir auch einen geeigneten Lagerplatz gefunden. Jetzt fängt es schon wieder an zu regnen. Ich weiss eigentlich gar nicht, womit wir das verdient haben. In meiner Vorstellung lief so eine Dschungeltour tagsüber mit Sonnenschein und abends mit gemütlichen Sitzrunden ums Lagerfeuer ab. Nachdenklich betrachten wir das braune Wasser des Flusses, welches unser Trinkwasser sein soll. Jetzt käme der Katadyn-Filter zum Einsatz, welchen wir in der CH dann doch nicht gekauft haben. Jetzt trinken wir halt Tee, der verwandelt die hellbraune Brühe wenigstens in eine dunkelbraune. Da das Wasser aber abgekocht ist, kann’s nicht so schlimm sein und ein bisschen Schmutz bringt einen ja nicht gleich um. Mario baut mit Bambusstangen und einer Blache ein Dach für unser Nachtlager. Au, das wird hart, denn unsere „Matratze“ besteht aus einer kaputten Therma-Rest-Matte für den einen und einem zusammengedrückten gammligen Isomätteli für den andern. Zum zudecken dient eine verfilzte feuchte Wolldecke. Die beiden Guides schlafen sogar nur auf Blättern und der noch feuchten Hängematte. Die Nacht wird kalt und wir schlafen dementsprechend schlecht. Am nächsten Morgen bietet sich das gleiche graue Bild. Zum Glück funktioniert Ramons „Küche“ immer noch wunderbar und nach einem „reichhaltigen“ Frühstück (Ramon kocht gerne mit viel Öl, in 5 Tagen brauchte er eine 2l Flasche!) starten wir im Regen auf die heutige Etappe, welche zum Glück nicht mehr durch den Dschungel geht, sondern dem Fluss entlang. Schon bald einmal sagt uns Mario, dass wir die Schuhe ausziehen sollen, denn jetzt kommen unsere Sandalen zum Einsatz (wir hatten uns schon geärgert, dass wir die für nichts mitgeschleppt haben). Jetzt gilt es die Flüsse zu durchqueren und das machen wir dann auch 5 Stunden lang. Uns gefällt das sogar, denn die Landschaft ist trotz trübem Wetter wunderschön. An diesem Abend campieren wir wieder am Fluss, essen interessant aussehenden frisch gefangenen und „kaputtfritierten“ Fisch und endlich können wir ein Lagerfeuer ohne Regen geniessen, denn der hat im Laufe des Nachmittags aufgehört. Am nächsten Morgen und letzten Tag auf unserer Tour zeigt sich wie zum Hohn endlich wieder mal die Sonne. Nach einem inzwischen „nur“ 3 Stündigem Marsch durch den Fluss sind wir zurück beim Rio Beni. Nach einem letzten Mittagessen werden wir vom Boot abgeholt und es geht zurück nach Rurre. Später, nach einer herrlichen heissen Dusche, kommt es zum Moment von dem Sascha 5 Tage geträumt hat: er bestellt sich ein Bier und eine Pizza ;-). Nach zwei weiteren Bieren sind dann alle Anstrengungen vergessen und wir stossen glücklich auf unsere 5-Tages Dschungel-Abenteuer an! Alles in allem war’s eine interessante Erfahrung und zeigt uns verweichlichten Europäern, dass man auch mit ganz wenig Material und einfachen Mitteln in der Wildnis wunderbar zurechtkommen kann. Interessant war auch, im Tourist Office zu lesen, worüber sich andere Reisende aufregen können. Da wurde zum Beispiel reklamiert, dass man im Camp nicht duschen konnte oder dass das Geschirr nicht mit speziell gefiltertem Wasser, sondern direkt im Fluss gewaschen wurde. Oh je… |
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