16. August bis 1. September 03 - Unterwegs mit Jeannette & Frank über die Missionen zur Transpantaneira

(Monique)

Wie es der Zufall so wollte, überschnitten sich Jeannette’s & Frank’s Reiseplanung mit unserer. Was sprach also dagegen, dass wir uns in Santa Cruz treffen sollten? Nichts!! Auf den 16.8. war das ominöse Treffen angesagt, was auch bestens geklappt hat. Gleichzeitig lernten wir Christian und Erika kennen, die auch mit dem "Buschtaxi" unterwegs sind und gerade für ein paar Wochen in Santa Cruz weilen. Bei zwei gemütlichen Abendessen gab es viel zu erzählen!

Wir freuen uns riesig darauf, mit Jeannette + Frank die nächsten paar Tage zusammen zu reisen. Am Montag müssen beide Parteien noch einiges erledigen, unter anderem finden wir nach längerem Suchen endlich einen neuen Reifen (wir fahren ja seit Wochen mit einem notdürftig geflicktem Reserverad herum), bevor es dann am Dienstag los geht gen Osten, Richtung Missionen und Brasilien.

Die sechs Chiquitano Jesuiten Missionen gehören zum UNESCO Weltkulturerbe. Vier davon wurden vom Schweizer Pfarrer Martin Schmidt im 17. und 18. Jahrhundert erbaut und auch ein Schweizer war für die Renovation von 1987-1993 zuständig: Der Architekt Hans Roth. Die erste Mission ist in San Javier wo wir gegen Abend eintreffen. Auf dem Weg zum Campingplatz kommt uns ein Töff entgegen. Dieser hält an, als er unsere CH-Flaggen auf den Autos sieht. Welch eine Überraschung! Es sind Sibylle und Marco www.sima.li, auf dieser Homepage bin ich auch schon rumgesurft, welche seit 1 ½ Jahren unterwegs sind. Natürlich muss da einiges gequatscht werden!

Der Campingplatz entpuppt sich als wunderschöner Fleck an einem kleinen See. Sofort fängt Sascha zu feuern an für die Parillada und Jeannette zaubert einen wunderbaren Kartoffelgratin in ihrem „Grillbackofen“. Nur Frank hat leider nicht viel davon; Er hat sich heute von den „kurligen“ Oliven beim Zmittag eine Magenverstimmung geholt. Der Ärmste hat noch eine sehr unruhige Nacht vor sich. Derweilen sitzen Jeannette und wir beide ums Feuer und philosophieren, unter anderem über die Pläne für die Rückkehr. Für die meisten Traveller ist das immer so ein Thema. Jeder ist am überlegen, wie man es anstellen könnte, dass einen die „Alltagsschiene“ nicht, oder nicht zu schnell wieder einholt.

Am nächsten Tag muss Frank sich von den strapaziösen Gängen auf die Toilette erholen, was uns gerade entgegen kommt, denn es ist wirklich wunderbar hier und wir sind gerne bereit einen Tag zu „opfern“ ;-).

Am Donnerstagmorgen steht erst mal die Besichtigung der Mission auf dem Programm. Diese wurde wirklich sensationell renoviert und wir staunen über ihre Schönheit. Am Mittag geht’s weiter nach Concepción, wo uns die nächste Mission erwartet. Noch in der Kirche beginnen wir eine Philosophierunde über Gott und die Welt. Am nächsten Tag fahren wir nach San Ignacio. Dort besichtigen wir die 3. und für uns letzte Mission und suchen dann ein Plätzli für die Nacht. Das ist eine längere Geschichte, welche ich hier nicht ausführlich erzähle, aber nach mehrstündigem Hin- und Her landen wir schlussendlich beim Casa Suiza und von da bei Ruben, bei dem wir auf dem Hof übernachten dürfen. Ruben ist so erfreut, dass er Besuch hat, dass er gleich ein Flasche Singani (Traubenschnaps) + Sprite kaufen geht. Er erzählt von seiner Estancia und nach ein paar Singanis ist der Plan für den nächsten Tag gefasst: Wir müssen unbedingt auf seine Estancia kommen und wir sollen früh parat sein, um 6 Uhr soll es losgehen. Wir sind dabei!

Samstags um 6 Uhr stehen wir parat (Ruben staunt schon fast ein bisschen). Wir verbringen einen herrlichen Tag bei ihm, zwar mit einem komischen Ausgang, aber wir haben es dennoch genossen. Siehe dazu die Fotostory.

Am Sonntag ist ein grosses Stück Weg vor uns, denn wir wollen heute über die Grenze (klugerweise ist wieder einmal Sonntag ;-)). Den Weg lassen wir uns erklären, denn die Strasse ist weder auf J&F's noch auf unserer Karte eingezeichnet. Sie führt fast alles der bolivianisch/brasilianischen Grenze entlang und man sagt uns, dass wir ein bisschen aufpassen sollen, da dies ein beliebtes Drogentrafficgebiet sei. Alles geht gut und wir spulen diese 300 km Schotterpiste bis zur Grenze in San Matias zügig runter. Die Grenzformalitäten erweisen sich als langwierige Angelegenheit.

Kaum über der Grenze, erwartet uns wunderbare Teerstrasse. Welch ein Unterschied zu Bolivien! In Caceres erleben wir tatsächlich fast einen Zivilisationsschock. Alles wirkt so westlich hier, fast wie bei uns. Wenn man in eine unbekannte Stadt reinfährt, bewährt es sich meistens, erst mal zum Hauptplatz zu fahren. Hier in Brasilien muss man somit nach dem Praça fragen was Jeannette auch tut. Der Weg scheint komplizierter zu sein und überhaupt tun wir uns schwer mit der Verständigung, so dass der Typ sich kurzerhand auf seinen Harley-Verschnitt schwingt und uns zum Platz führt. Sergio heisst er und er kommt spontan mit auf ein Bier. Aus einem werden 2, 3, 4 .. keine Ahnung mehr, am Schluss ist er so begeistert, dass er uns noch unbedingt rumführen will und seinerseits ein Bier spendieren will. Er zeigt uns Capoeira-Tänzer und führt uns dann zur Kirche. Hier spielt sich ein Stelldichein der ganz lauten Art ab. Die Stadtjugend weiss also nichts besseres zu tun, als riesige Lautsprecheranlagen in ihre Autos zu bauen und sich da gegenseitig mit Technomusik voll zu dröhnen. Sergio erklärt uns, dass am nächsten Tag Fiesta sei. Auweia, da wird nichts mit den Grenzformalitäten. Also verbringen wir den Montag, an welchem es regnet und aussergewöhnlich kalt ist, wie uns die Leute erklären, in Jeannette’s und Franks „Fuego“, fein essend und diskutierend.

Am Dienstagmorgen sind die Papiere für die Autos verhältnismässig schnell in einer Stunde gestempelt (inkl. Kaffee und geplauder, denn der brasilianische Beamte ist sehr freundlich) und wir fahren Richtung Transpantaneira. 17 km nach Poconé schlagen wir unser Nachtlager im Camping Paraiso neben einem deutschen Reisemobil auf. Dieses gehört Rudi + Jean und mit ihnen ist noch Uschi unterwegs. Rudi hatte ein bisschen Pech letzte Woche: Beim mechen in der Führerkabine ist plötzlich eine Spraydose explodiert und er hat schlimme Verbrennungen davon getragen. Nur schon beim Anblick all dieser Bandagen tut es einem weh. Rudi, der gerne Statistiken macht, erzählt uns, dass es 126 Brücken zu bewältigen gibt auf der Transpantaneira. Da wollen wir uns doch mal aufmachen. Wir sind gespannt, ob die Tiere wirklich so zahlreich vorhanden sind, wie uns Wolf und Illona vorgeschwärmt haben. Tatsächlich, schon nach wenigen Metern, reihen sich die Kaimane (sehen aus wie Alligatoren) zu Hunderten, wenn nicht sogar Tausenden links und rechts der Strasse und nehmen da ihr Sonnenbad. Beim Fahren schrecken wir zahlreiche Vögel auf und wir können nur ahnen, dass es unzählige verschiedene Arten sein müssen. Es hat auch Pampadeers, Carpinchos (wieder die Riesenmeerschweine), Büffel, Kühe usw. In den Flüssen tummeln sich die Piranhas und scheinbar soll es auch Jaguare haben. Die Tierwelt beeindruckt uns sehr aber genau so abenteuerlich ist jeweils die Überquerung der Brücken. Zum Teil sehen diese wirklich nicht gerade vertrauenserweckend aus und bei manchen entwerfen Sascha und Frank regelrechte „Schlachtpläne“,. wie diese zu befahren ist. Bis am Abend haben wir alle gemeistert und wir sind am Ende der Transpantaneira in Puerto Joffre angelangt. Unser Caipirinha muss noch vernichtet werden und dementsprechend beschwipst und lustig verbringen wir den Abend.

Am nächsten Tag ist es sehr windig, und ein Führer erklärt uns, dass so die Jaguare wohl kaum zu sehen sind. Also fahren wir heute die Strasse zurück bis plötzlich ein weisser Landcruiser mit deutschen Nummernschildern vor uns steht. Welch ein Zufall, es sind Jochen und Vera, die ihre Reise vor 3 Wochen in Buenos Aires starteten und uns bereits einmal geschrieben haben. Kurzum beschliessen wir, eine Campingmöglichkeit zu suchen, damit wir dieses Zusammentreffen feiern können! Zusammen verbringen wir einen gemütlichen Abend im "Fuego" (wir haben sogar zu 6 Platz!). Leider heisst es am nächsten Morgen schon wieder Abschied nehmen. Hoffentlich sehen wir die beiden bald wieder!

Unser Reisli mit Jeannette & Frank neigt sich schon bald dem Ende zu. Weil es aber so schön ist, beschliessen wir noch ein paar Tage anzuhängen und mit Ihnen ein Abstecher zu den Tafelbergen in Chapada dos Guimarães zu machen. Nach weiteren zwei weiteren schönen Tagen (inkl. Spaziergang von 3 Std zu den Wasserfällen!) heisst es dann am Montag schweren Herzens Abschied nehmen. Für die beiden geht die Route nämlich weiter Richtung Rio und wir kehren wieder nach Bolivien zurück. Bye bye, „ Merci für die schöni Zyt. Äs het u gfägt mit Euch zwöine ds reisle!“.

Weitere Stories und Fotos zu dieser Zeit findet ihr in den amüsanten Reiseberichten von Jeannette und Frank auf deren Website: www.jeannette-frank.ch / Reiseberichte / August.

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