|
Potosi ist mit 4070 m die hächstgelegene Stadt in dieser Grösse. Einst hat man hier grosse Mengen an Silber gefunden und im 17. Jahrhundert war Potosi eine grosse und reiche Stadt, berühmter als London oder Paris. Noch heute sind die Minen im Cerro Rico (reicher Berg) in Betrieb, welche man auf einer Tour besichtigen kann. Es ist Samstag, um 8 Uhr geht die Tour los. Zuerst kriegen wir Kleider zum überziehen und Stiefel, Helm und Lampe. Beim Minersmarkt erstehen wir die Geschenke für die Miner: Dynamit, Cocablätter, Wasser. Vor der Mine bekommen wir alle eine Handvoll Cocablätter, welche wir brav in die Backe stopfen. Der Geschmack ist nicht wirklich nach meinem Gusto, aber es soll helfen in der Höhe. Am Anfang können wir noch fast aufrecht im Stollen laufen, aber schon bald wird die Decke niedriger und wir müssen uns bücken. Es wird immer enger und kleiner (nichts für klaustrophobisch veranlagte Menschen). Um in den Level 2 zu gelangen, geht’s über rutschige Partien, vorbei an tiefen Schächten. Die Luft wird stickig und es wird immer wärmer und wir keuchen alle mehr oder weniger vor Anstrengung. Pedro, unser Führer, lässt uns ein bisschen verschnaufen und erzählt uns dabei, dass er ein Ex-Miner sei und dass er schon mit 10 Jahren mit seinem Vater und seinem Grossvater in den Minen arbeitete. Die Mineure arbeiten in Gruppen zusammen und sind alle „selbstständig“. Das heisst, es wird nur verdient wenn auch gearbeitet wird. Wenn man 15 Jahre in der selben Gruppe arbeitet kann man "Member" werden, da hat man eine Sozialversicherung und später das Recht auf eine Rente von 850 Bolivianos im Monat. Er habe Glück gehabt, meint Pedro, dass er aus der Mine rausgekommen sei und jetzt als Tourführer sein Geld verdienen kann. Das Englisch hat er sich alles selbst beigebracht im Umgang mit den Touristen. Es geht weiter hinunter in den Level 3. Hier schlottern mir schon die Knie beim blossen Anblick. Eine senkrechte Leiter führt in einem engen Schacht hinunter. Unter mir klafft das schwarze Loch und alles ist glitschig überzogen mit schlammigen Felsmaterial. Langsam knorze ich die Leitern hinab, dann muss man noch über eine waagrechte Leiter balancieren bevor wir auf einen Mineur treffen. Es ist ja Samstag und darum sind nur ein paar unermüdliche am Werk. Wir gucken dem Mineur zu, wie er mit einer Stange und Hammer ein Loch in die Wand schlägt, in das er später das Dynamit legt. Etwa 150 Bolivianos die Woche verdiene er, sei 29 Jahre alt und arbeite seit 15 Jahren in der Miene. Seine Backe bläht sich von den vielen Cocablättern (ich habe meine inzwischen ausgespuckt), er ist schweissüberströhmt und beginnt übers ganze Gesicht zu grinsen als Pedro ihm die „Geschenke“ überreicht. Da er momentan der einzige hier ist, darf er alles für sich behalten. Das Material reiche für eine Woche meint er. Ich quäle mich wieder die Leiter hoch. Bei der Vorstellung, dass diese Männer diesen Weg 40 x pro Tag machen und dabei noch das Material von 50-60 kg auf dem Rücken schleppen, läuft es mir kalt über den Rücken. Sehr beeindruckt gelangen wir wieder ans Tageslicht, wo uns noch eine Sprengung vorgeführt wird, bevor es wieder zurück geht. In unserer Tourgruppe treffen wir auf Martina und Renato, einem Päärli aus Zürich, welche seit März unterwegs sind mit dem Rucksack. Spontan gehen wir zusammen essen und beschliessen dabei, dass wir uns am nächsten Tag in Sucre treffen wollen. Am Abend schneit es. Wir können es kaum glauben. Wie vereinbart treffen wir uns am nächsten Tag mit den beiden und gehen Pizza essen. Sie weilen zur Zeit für einen Monat in Sucre, wobei Renato sein Spanisch aufbessert und Martina in einem Waisenhaus arbeitet. Sucre ist eine wunderschöne Stadt mit vielen weissen Kolonialbauten. Nach einem Sightseeingtag sind wir zum Spaghettiessen bei Martina & Renato eingeladen. Es ist superlecker und wir verbringen einen weiteren gemütlichen Abend zusammen. |
fotoalbum | |