2.- 4. August - Grenzübertritt und den ersten Platten

(Monique)

Am Sonntag, kurz vor dem Mittag, geht’s über die Grenze La Quiaca/Villazon. Die Ausreise aus Argentinien ist kein Problem und auf der anderen Seite ist sofort ein „freundlicher“ Helfer zur Stelle, der mit Sascha in den nächsten Kopierladen verschwindet um da alle Kopien anzufertigen (die Büros haben keinen Kopierer). Eigentlich wollen wir ohne Carnet de passage einreisen, da uns gesagt wurde, dass man dies ausser in Argentinien in Südamerika nirgends braucht. Aber genau heute will der Beamte das Carnet de passage sehen, er wedelt triumphierend mit Kopien anderer Carnets (die 4 Roma-Autos kamen gestern scheinbar durch) und behauptet, wir aus Europa hätten alle so ein Papier. Und überhaupt ist 11:40 h und um 12:00 h geht der Posten für die Autoeinfuhr zu. Gegen diese Logik kommt Sascha nicht an und er holt den gewünschten Fakel. Es ist offensichtlich, dass dieser Beamte die Carnets von den Römern unmöglich bearbeitet haben kann, er hat nämlich keine Ahnung was er tun muss und Sascha muss ihm zeigen, was er ausfüllen und wo er stempeln muss.

Der Helfer verlangt für seine Dienste ein paar Bolivianos und auch dem Grenzwächter kommt noch in den Sinn, dass er noch 5 Bolivianos für das Nummern aufschreiben benötigt. Nein, Quittung habe er heute leider gerade nicht. Mit all diesen "Collaborationsgeldern" dauert der Grenzübertritt gerade mal 40 Minuten und wir sind in Bolivien!

Dass die Strassen schlecht sind in Bolivien haben wir schon verschiedentlich von anderen Reisenden gehört. Natürlich macht man sich da so seine Vorstellungen, aber wir sind dann doch recht erstaunt, als uns gleich eine Schotterpiste erwartet, auf unserer Landkarte immerhin als dicke rote Hauptstrasse eingezeichnet. Unterwegs überholen wir einen Lastwagen, der gerade am Reifen wechseln ist. Gleich darauf sollten wir das gleiche Schicksal teilen. Mitten in einer Kurve muss Sascha über den „Mittelstreifen“ fahren, welcher aus scharfkantigen Steinen besteht, und wir schlenkern plötzlich gefährlich. Ein kurzer Blick in den Rückspiegel bestätigt augenblicklich die Vorahnung. Wir haben einen Platten und was für einen! Die Karkasse hat es zerfetzt wie Butter. Souverän wechselt Sascha den Reifen, wobei die grösste Schwierigkeit darin besteht, das Reserverad vom Dach und das kaputte Rad aufs Dach zu hieven (forza forza Schätzi) ;-).

Die restlichen Kilometer nach Tupiza spulen wir ohne Probleme ab. Tupiza ist ein angenehmes Städtchen, eingebettet in einer schönen Landschaft und es wird auch Sundance Kid und Butch Cassidy Country genannt, weil die zwei Banditen damals ihr Unwesen hier getrieben haben bis sie im nahen San Vincence denn Tod fanden durch ein paar Kugeln.

Wir steigen in einem Hotel mit Parking ab und zur Feier des Tages genehmigen wir uns das Zimmer mit Kabel-TV und eigenem Bad für 80 Bolivanos, das sind gerade mal 16 Franken. Am nächsten Morgen fahren wir zu einer der unzähligen Gommerias und zeigen ihm das kaputte Rad, vorauf der Junge da nur die Stirn runzelt und fragt, ob wir einen Schlauch dabei hätten, denn viel könne man da nicht flicken. Später kommt sein Meister dazu und seine Diagnose ist die gleiche: nichts zu machen ausser ein paar Flicken auf den Riss zu kleben und einen Schlauch reinzulegen, was er dann professionell für 7 Bolivianos auch tut (zum Glück hat Sascha in letzter Minute noch einen Schlauch mitgenommen). Am Nachmittag dann stürmt ein Sandsturm durch die Stadt und wir werden sozusagen „gezwungen“ im Hotelzimmer zu bleiben und uns den ganzen Nachmittag und Abend ein Film nach dem anderen anzugucken ;-).

Das nächste Etappenziel heisst Uyuni und laut Karte sind das 200 km. Man muss wissen, dass in Bolivien selten Strassenschilder anzutreffen sind. So wählt man die Strasse, die etwa in die richtige Himmelsrichtung verläuft und hofft, so auf die richtige zu treffen. Normalerweise fragen wir dann noch die Leute und lassen uns bestätigen ob wir richtig sind. Nur heute funktioniert dies irgendwie nicht. Die Meinungen gehen auseinander, in welche Richtung wir fahren sollen. Auch mit Rechts und links haben hier manche Leute Probleme: A la derecha und der Daumen zeigt nach links... Irgendwann finden wir heraus, dass wir falsch fragen. Den Weg nach Uyuni geht in die eine Richtung und der Weg ins nächste, sich auf dem Weg befindenden Dorf, führt in eine andere. Scheinbar ist einfach die Karte und das GPS falsch. Irgendwann später nach weiteren Fragerunden befinden wir uns auf der richtigen Strasse. Viele Kilometer schlängelt sich diese die Berge hinauf auf den Altiplano auf ca. 3500 m. Hier erwarten uns sensationelle Landschaftsbilder mit vielen verschiedenfarbigen Felsen, Vulkane und Berge und Wanderdünen. Die Strasse wird immer schlechter, teilweise führt sie durchs Flussbett und schlimmste Wellblechpisten oder sandige Abschnitte. Beim Sonnenuntergang treffen wir in Uyuni ein. Für die 200 km brauchten wir 6 Std.....

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