Ein Matezeremoniell

(Monique)

Dass die Argentinier Mate Tee als Nationalgetränk haben, weiss ich schon seit dem Jugendbuch „Hans und Fritz in Argentinien“ (Supertitel oder?).Da sieht man also die Leute mit dem Mategefäss, welches es in allen möglichen Formen gibt, silbern, aus Holz, Kalebasse, mit Leder umwickelt usw., in der Hand und mit dem Thermoskrug unter den Arm geklemmt in der Gegend rumlaufen. Überall schleppen sie die Dinger mit: zum Spaziergang in den Park, auf dem Weg zur Arbeit, im Auto und sogar in den Supermarkt. Heisses Wasser kann man zum Beispiel bei Tankstellen aus Dispensern für 10 Rappen rauslassen und auch wir benützen diese Gelegenheit um unser Teewasser aufzufüllen. Vorallem in den Provinzen Corrientes und Missiones, in Südbrasilien und Uruguay sind die „Matianer“ anzutreffen. Hier sind auch die Anbauplantagen des Matebaums.

Selbstverständlich wollen wir sofort dieses Nationalgetränk ausprobieren. Wir kauften also diese Trinkröhrchen (sogenannte Bombillas) und Matetee (welchen soll man da nehmen, es gibt so viele Sorten) und präparierten unser erstes Mate. Es war absolut grässlich! Bitter und im Mund hatten wir lauter Teeblätter. Irgendwie ahnten wir, dass wir wohl etwas falsch gemacht hatten, denn so kann man das doch unmöglich trinken!

Irgendwie mussten wir also herausfinden, wie man den Mate richtig präpariert. Die Manikürefrau verriet mir schon mal, dass das Wasser nicht zu heiss sein darf, sonst wird der Tee bitter.

Auf dem Campingplatz in Tilcara lernten wir dann Oscar, 27, Sportlehrer aus Santa Fé kennen, einem richtigen „Matianer“. Oscar lud uns zum Materemoniell ein und erklärte uns alles ganz genau:

Wichtig ist das Mategefäss. Wenn es neu gekauft wird, muss es zuerst ein-„matiert“ werden, das heisst, man füllt das Gefäss mit Matetee und füllt es mit lauwarmen Wasser und lässt das Ganze einen Tag stehen. Das wiederholt man am zweiten Tag mit heissem Wasser (nicht kochend, nur 90°).

Wichtig ist, wie gesagt, die Temperatur des Wassers. Es darf nicht zu heiss sein, man muss es kurz vor dem Kochen vom Herd nehmen.

Das Mategefäss füllt man ca. halb voll mit Matetee. Dann hält man die Hand oben auf die Öffnung und dreht das Gefäss um, so dass der feine Staub nach oben kommt (darum hatten wir alles im Mund). Am Rand füllt man ein bisschen Wasser ein und steckt vorsichtig die Bombilla (Trinkröhrchen, da gibt es auch ganz verschiedene Ausführungen) hinein.

Das Wasser wird immer an der gleichen Stelle am Rand eingefüllt und zwar soviel bis es leicht schäumt. Man trinkt so lange bis Luft kommt.

Trinken mehrere vom selben Gefäss (also richtig ein Matezeremoniell) wird das Gefäss von einem zu anderem weitergegeben. Wenn man Danke sagt, bedeutet dass, das man nicht mehr will. Das Gefäss soll man auch nie auf den Tisch abstellen, das ist unhöflich, sondern es wird immer in der Runde weitergeben. Wenn man fertig getrunken hat, füllt man entweder selber Wasser nach oder gibt das Gefäss an den „Wasserauffüller“.

Oscar erklärt uns, dass sein Mate sein „Compañero“ ist. Er trinkt den ganzen Tag Mate, etwa 2 Liter am Tag. Das „Matein“ hat eine leicht stimmulierende Wirkung, wie das Koffein.

Gleich am nächsten Tag erstehen wir uns ein richtiges Mategefäss mit einer Bombilla. Am Abend zelebrieren wir unser erstes selbstpräpariertes Matezeremoniell und es schmeckt wunderbar!

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