16.- 28.7.2003 - Von Iguazu nach Salta

(Monique)

Es geht wieder zurück auf der RN 12 via Posades. Ursprünglich wollten wir über Paraguay und Asuncion durch den Chaco fahren, haben uns aber dann umentschieden. Der Chaco ist die heisseste Gegend Argentiniens, im Sommer wird es hier 50 Grad und jetzt im Winter ist es angenehm warm. Die Strasse geht hunderte von Kilometern langweilig geradeaus, die Landschaft ist topfeben, im Auto „brätlet“ es uns (nein, wir haben keine Klimaanlage). Jeden Abend gibt’s wunderschöne Sonnenuntergänge, die Sonne versinkt glutrot hinter dem Horizont.

In Saenz Peña besuchen wir den Zoo, hier können die meisten einheimischen Tiere begutachtet werden und dank einer netten Führung, verschwindet unsere anfängliche Skepsis, weil die Gehege nicht sehr tierfreundlich aussehen. 10 Jahre waren die Thermas Municipal zu, aber wir haben Glück, denn seit März sind sie wieder geöffnet. Der Tourismus soll im Chaco angekurbelt werden und so trifft es sich, dass wir vom Lokalfernsehen gefilmt werden und Sascha interviewt wird. Wir gönnen uns ein Bad im gesunden Thermalwasser, eine Massage und eine Maniküre, zusammen kostet der Spass Fr. 15.— (oder 4 Kilo Rindsfilet, unsere neue Rechnungseinheit ;-)).

Im Reiseführer lesen wir vom „Campo del Cielo“, das Einschlaggebiet eines Meteoriten soll hier sein inkl. ein Stück Meteorit, ein Stein von 33 t. Das erscheint uns als eine willkommene Abwechslung in der eintönigen Fahrerei und setzen voraus, dass die Abzweigung zu diesem Meteoriten angeschrieben ist. Ist es natürlich nicht und so irren wir 100 km kreuz und quer über Dirt Road, das GPS hilft auch nicht weiter, ohne dass wir diesen „Chemp“ zu Gesicht bekommen. Frustriert geben wir nach 2 Stunden suchen auf. Durch die Sucherei haben wir uns so verspätet, dass wir diese Nacht mangels Campingmöglichkeiten bei einer Tankstelle in Quimili übernachten. Am nächsten Tag bietet sich das gleiche Bild, wieder schnurgerade Strasse mit eintönigem Horizont.

Die nächste Station ist Thermas del Rio Hondo, überfüllt mit einheimischen Touristen. Die Thermas Municipal entpuppen sich als braune Brühe, was aber die Kinder nicht daran hindert vergnügt darin rumzupantschen. Bei der Strassenkreuzerei durch den Ort hält uns ein Polizist auf und behauptet wir seien über eine rote Ampel gefahren. Sascha meint, es sei vielleicht orange gewesen. 300 Peso Busse koste es, meint der Polizist, aber er sei bereit zu einer „Collaboration“. Glücklicherweise kommt uns ein Argentinier zu Hilfe und vermittelt. Mit 20 Peso „Schmiergeld“ bekommen wir wieder die Papiere zurück. Der Campingplatz ist total überfüllt mit Tagescampern, welche hier grillieren und riesige Gelage veranstalten. Fast wehmütig erinnern wir uns an unsere einsamen Campingplätze, wo wir alleine waren. Unsere Nachbarn sind neugierig und fragen uns aus, nur leider haben sie dem Wein schon so zünftig zugesprochen, dass eine Unterhaltung ziemlich mühsam ist, z.B. fragt sie viermal nach meinem Namen. Der Typ will Sascha unbedingt etwas am Auto helfen, schlussendlich lässt Sascha ihn helfen Benzin in den Kocher nachzufüllen, wobei er die Hälfte verschüttet. So „fliehen“ wir am nächsten Tag weiter, es zieht uns Richtung Anden.

Endlich verlassen wir die Ebene und die Strasse wird kurvig und steigt kontinuierlich an durch wundersame Landschaften bis Tafi del Valle. Tafi liegt auf 2000m auf einem Hochplateau. Abends wird es wieder sehr kalt, so dass wir unsere „Standheizung“ (Motor anlassen und Heizung auf Volltouren!) aktivieren. Inzwischen haben wir auch rausgefunden, dass wir auch im Auto essen könnten, statt in der eisigen Kälte, schliesslich hat ja Sascha am letzen Tag noch einen Tisch konstruiert. Übrigens haben wir heute das erste Mal „Glöggli“, in einer Kurve kommt uns plötzlich ein weisser Pickup auf unserer Seite entgegen! Nur Dank Saschas Ausweichmanöver passiert nichts, wobei der Wagen hinter uns schon weniger Glück hat, denn ihn trifft es vorne auf der Seite leicht. Der weisse Pickup stört das aber weniger, er hält nicht mal an. Unser Schutzengel bekommt einen Kuss und ein grosses Merci.

Zu den Attraktionen von Tafi gehört der Besuch des „Menhiren-Parks“, welchen einen kultischen Charakter zugeschrieben wird. Leider wurden die Steine in den 70-er vom Militär ziemlich lieblos aus der Gegend zusammengesammelt, so dass man heute keine Ahnung mehr hat, wo und in welcher Anordnung die Steine ursprünglich standen.

Am nächsten Tag nehmen wir dann unser erstes „Pässli“ von 3100 m in Angriff. Wieder können wir nur staunen über die schöne Landschaft. In Cafayate genehmigen wir uns dann wieder mal einen Ausschlaftag (d.h. länger als bis 9 Uhr schlafen!), welchen wir mit Besuchen in den hiesigen Bodegas abrunden. In 10 Minuten kriegt man eine Führung und dann geht’s zum Degustieren. In Cafayate wird vor allem Weisswein hergestellt, der ist auch ganz gut, aber der Rotwein ist ein gehöriger „Chuttlerugger“.

Weiter geht’s über die wunderschöne RN 40 nach Cachi. Unsere Unterhaltung ist während 3 Stunden wirklich grandios. Entweder staunen wir schweigend oder uns fehlen die Worte um diese Wunderlandschaft zu beschreiben.

Cachi ist ein süsses Dorf auf 2280 m. Leider ist es am nächsten Tag ziemlich bewölkt, was schlecht ist für die geplante Passüberfahrt und so nützen wir den Tag und liegen bis halb fünf im Bett! Wir trinken Tee, frühstücken und nehmen das Zvieri, alles vom Bett aus, es ist herrlich, das haben wir schon seit Jahren nicht mehr gemacht.

Am nächsten Tag ist wieder blauer Himmel und wir fahren los über unseren zweiten Pass den Cuesta del Obispo. Wieder werden wir mit wunderbaren Ausblicken belohnt. Heute haben wir Glück und die Kondore fliegen sehr tief, gleich 5 Stück kreisen in unserer nächsten Nähe!

In Salta finden wir den Camping Municipal auf Anhieb (völlig unerwarteterweise) und bei der Einfahrt erblicken wir ein grosses Reisegefährt mit deutschen Nummernschildern, unsere erste Reisebekanntschaft. Es sind Wolf und Ilona aus Hamburg, welche schon seit 8 Jahren unterwegs sind und zusammen verbringen wir gemütliche Abende in ihrer warmen „Stube“, was wir sehr geniessen.

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