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Endlich geht’s los und wir sind „on the Road“!. Zügig fahren wir aus Buenos Aires Richtung Nordosten mit Fernziel Iguazu Wasserfälle. Da es am Morgen immer länger geht als geplant (Sascha ist gar kein Frühaufsteher und ich bin auch nicht wirklich eine Hilfe) kommen wir heute nicht so weit wie geplant und wir suchen in Gualeguaychú die 1. Übernachtungsmöglichkeit. Noch haben wir ja keine Ahnung wie das in Argentinien so eine Sache ist. Laut Reiseführer soll es einen Campingplatz haben am Fluss. Auf dem Weg dahin begegnen wir einem Reiter, ein richtiger alter Gaucho, wie aus dem Bilderbuch, der uns versichert, dass der Campingplatz offen sei. Schon am Eindunkeln fahren wir auf dem weitläufigen Gelände ein. Im Sommer muss hier Hochbetrieb sein, es hat einen Strand, Supermercados, Restaurants und vieles mehr, nur jetzt ist alles zu und wir sind mutterseelenallein auf dem Platz. Wir kommen uns fast ein bisschen verloren vor. Erfolgreich brutzeln wir unser 1. Znacht (man erinnere sich an unsere Einräumorgien) und werden dabei von zwei Hunden beobachtet. Schon bald kuscheln wir uns in unsere Heja, denn inzwischen ist es nämlich kalt geworden. Am nächsten Morgen dann glauben wir es kaum, die Scheiben sind gefroren und wir können uns fast nicht dazu entschliessen, aus den warmen Schlafsäcken zu kriechen. Ich erinnere mich an das Wort meines Bruders, Hauptsache man hat am Kopf warm und so suche ich unsere Fleecemützen, deren Gebrauch eigentlich erst für Bolivien gedacht war und siehe da, es hilft. Diese Mützen haben wir fortan fast jeden Tag gebraucht! Heute hat Sascha Geburtstag. Er wünscht sich ein riesiges Rindsfilet vom Grill. Dieser Wunsch soll natürlich erfüllt werden und so erstehen wir bei der Dorfmetzg (der Metzger hat extra seinen Schwatz mit ein paar Kumpeln unterbrochen und seinen Laden aufgemacht) ein Stück Rindsfilet und Brot (es sind ca. 800 gr.) für umgerechnet Fr. 4.--. Im Nationalpark El Palmar hat’s einen wunderschönen Campingplatz und Sascha macht sich sofort ans feuern. Leider ist es schon der ganze Tag grau und am Abend wird’s wieder kalt und so sitzen wir in Vollmontur draussen mit einer Flasche Wein und schlingen das feine Rindsfilet so schnell es geht herunter, trotzdem ist es am Ende kalt. Am nächsten Morgen dasselbe Bild, gefrorene Scheiben und ein Sascha der nicht aus den Federn will! Nun ja, es kommt auch keinem Menschen ausser uns in den Sinn, mitten im Winter in Argentinien campen zu gehen. Aber eigentlich sind wir uns das ja von früheren Campingerfahrungen gewöhnt, auch da hatten wir immer das Talent in kalten Jahreszeiten unterwegs zu sein. Am nächsten Tag haben wir die erste spannende Strecke vor uns: die Fahrt durch die Ibera Marshes, ein Sumpfgebiet ähnlich des Pantanals Brasiliens. Mit 80 Sachen prescht Sascha über die 120 km Sand- und Wellblechpiste (mit weniger rüttelt es entschieden mehr). In Carlos Pellegrini hat es ein Besucherzentrum und mit dem Ranger streifen wir durch den Wald auf der Suche nach den Affen. Hoch oben in den Bäumen hocken sie und sonnen sich. Am Nachmittag geht’s auf eine 2-stündige Bootstour über den See um die schwimmenden Vegetationsinseln. Es geht nicht lange und das erste Carpincho (eine Art Riesenmeersau) ist entdeckt. Es scheint überhaupt keine Scheu vor Menschen zu haben und wir können ganz nah hinfahren. Wir sind ganz begeistert, im Laufe der Bootstour begegnen wir noch ganz vielen. Es hat aber noch viele andere Tiere: Kaimane (eine Art Krokodile, seien harmlos), Pampashirsche, Otter und viele Vogelarten. Glücklich kehren wir im schönsten Sonnenuntergang zurück. Auch hier sind wir alleine auf dem Campingplatz, inzwischen geniessen wir das aber und auch an die abendliche Kälte haben wir uns gewöhnt und kochen vergnügt unser Abendessen. Am nächsten Tag kann Sascha wieder „offroaden“ (ist zwar noch offroad-light), er ist happy und ich geniesse die schöne Landschaft. Unterwegs müssen wir immer wieder mal halten, weil Gauchos die Rinder über die Strasse treiben. Beim Mittagshalt kommt einer und beginnt eine Unterhaltung, sein spanisch ist aber so genuschelt, dass selbst Sascha seine liebe Mühe hat ihn zu verstehen. Er fragt, ob das Auto kaputt sei, das wir hier stehen, wir verneinen und dann will er wissen ob wir etwas verkaufen. Dass wir von der Schweiz sind und durch Argentinien reisen, scheint er nicht verstehen zu können. Nach 150 km Sandpiste ist die Strecke geschafft und Sascha macht sich ans Aufpumpen der Räder (im Sand haben wir Luft rausgelassen), dabei stellt er fest, dass sich bei der Rüttelei die Batteriehalterung verabschiedet hat. So suchen wir in Posadas eine Garage und Sascha erklärt den Jungs das Problem. Er ist noch nicht fertig mit erläutern und schon schwirrt der Mechaniker davon und kommt 10 Minuten später zurück mit einer tiptopen neuen Halterung, welche sofort montiert wird. Osito wird noch gleich abgespritzt und vom Schlamm und Staub befreit und als wir fragen was wir schulden, schütteln die nur den Kopf und sagen, kein Problem, ist gratis. Wir staunen! Heute übernachten wir in San Ignacio bei einer Hospedaje. Die Besitzerin unterhält sich mit uns im perfekten Deutsch, obwohl ihre Grossmutter nach Argentinien kam. Sie versichert uns, dass heute der kälteste Tag im Jahr sein, das ist ja ungemein tröstlich für uns. Am Abend beim kochen erfrieren wir fast. Am nächsten morgen ist Frost. Sogar drinnen in der Dusche dampft der Atem und ich mache zum ersten Mal die Erfahrung bei dieser Kälte die Haare trocknen zu lassen. Ha, was uns nicht umbringt macht uns stark. Nach der Besichtigung der Ruinen der Jesuitenmission treffen wir dann am Nachmittag in Puerto Iguazu ein. Immer wenn wir von Leuten gelesen haben, die in Iguazu campiert haben, war von der Mückenplage die Rede. Dieses Problem haben wir nicht, denn auch diesen ist es eindeutig zu kalt. Wir freuen uns auf morgen, denn da wollen wir die berühmten Wasserfälle besichtigen und sind gespannt ob unsere Erwartungen erfüllt werden. |
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